Mitschnitt aus der Zukunft (als Aufmunterung für die Gegenwart)

Ort: CitizenChangeCommitee (CCC), (vormals Citizen Climat Change Commitee), mittlere Kleinstadt, EU Section West & Central Europe, (vormals Deutschland), CityCouncil der Stadt

Personen: Vorsitzender Richter (V1), 2 BeisitzerInnen und 2 engagierte, verdiente BürgerInnen im Turnusdienst

Zeit: 9:00 Uhr, Datum: 1.7.2020

Verhandelt wird u.a. die Sache der BürgerIn Serena Bahnsen (BB), alleinerziehende Mutter von 2 Kindern, KitaTeilZeitAngestellte: Verschiedene Auffälligkeiten im Zeitraum 1.4.–30.6.2020

Wir schalten uns direkt zur Verhandlung:

V1: … BürgerIn Bahnsen, um gleich mit der größten Auffälligkeit zu beginnen: Uns liegt Camera-Material vom hinteren Garagenbereich Ihres Wohnblocks an der Feldstraße vom Wochenende des 29. zum 30. April vor, dass Sie mit einem uns nicht bekannten Bürger (in Wirklichkeit durch das CCC längst identifiziert) nebst Ihren beiden Kindern zeigt, wie Sie einen alten Mercedes-Benz, Baujahr 2000, besteigen und offensichtlich in ein verlängertes Wochenende fahren. Sie kommen dann – sehr spät erst – am Sonntag abend gegen 21:00 Uhr wieder nach Hause und fahren das besagte Fahrzeug wieder in die Garage. BürgerIn Bahnsen, das CitizenChangeCommitee möchte Sie 3 Dinge fragen:

1. Wer war dieser Mann?, denn laut unseren Unterlagen sind Sie alleinerziehend, leben als Single, und haben dieser Tatsache eine privilegierte 50 Wochenstunden-Teilzeitstelle in der nahen Kita zu verdanken …

2. Wo kommt das Fahrzeug her? Ihnen dürfte bekannt sein, dass bereits vor über 10 Jahren ein Beschluss der entsprechenden EU-Kommission Fahrzeuge dieser Größe und dieser PS-Zahl aus ClimatChangeGründen aus dem Verkehr gezogen hat.

3. Woher kam der für dieses Fahrzeug ganz offensichtlich benötigte Diesel-Treibstoff? … ebenfalls schon lange nicht mehr zulässig und aus Gründen des Klimaschutzes (ClimaProtect) ebenfalls für illegal erklärt?! und nur in einigen Spezialsektoren der Wirtschaft noch mit Sondergenehmigung …

BürgerIn Bahnsen (rot anlaufend): Äh, der Mann, also das war einfach nur ein Bekannter, nichts Ernstes, wissen Sie. Er hatte an diesem Samstag Geburtstag und zur Feier des Tages wollte er seinen alten Benz aus der Garage holen und ins Blaue, äh Grüne fahren.

V1: BürgerIn Bahnsen: Aha, also nichts Ernstes. Wieso ist diese Garage dann aber ausschließlich auf IHREN Namen registriert? Und vor allem: Wie kamen Sie dazu, 1 Kanister des illegalen und klimaschädigenden Diesel-Treibstoffes, ohne im Besitz einer Sondergenehmigung zu sein, in IHRER Garage zu lagern? …

BB: … wollte ihm nur eine Freude machen … ist so ein ausgesprochener Oldie-Fan … in dem Benz hatten wir außerdem ALLE Platz!

V1: Nun, auf das Problem mit Ihrem angeblich nur flüchtigen Bekannten kommen wir im Anschluss noch zu sprechen. Wir haben jetzt aber noch 2 weitere Auffälligkeiten vor diesem Commitee miteinander zu besprechen: BürgerIn Bahnsen: Ihre DebitCardAbrechnung im Monat April dieses Jahres weist den Einkauf von 2 Pfund Butter, 1 Kilo Margarine und 12 Eiern aus. Nach den Ernährungs- und Krankheitspräventionsrichtlinien der zuständigen EU-Komission haben Sie die Richtlinien um 300 % überschritten. Schwerwiegend ist insbesondere, dass Sie die 2 Kinder, die Sie zu erziehen beauftragt wurden – und die, wie Sie wissen, NICHT Ihr Eigentum sind! —  mit diesem exzessiven Konsum von Fetten und Cholesterin möglicherweise mutwillig dem Risiko einer späteren Fettleibigkeit ausgesetzt haben! Was können Sie uns dazu sagen?

BB (mit heiserer Stimme): Ja, nun, es standen halt Geburtstage an. Wir wollten so richtig schön feiern, ich meine, ich wollte feiern. So wie früher, meine ich.

V1 (unterbricht): Wer ist wir?

BB: Ach, halt ein Bekannter und mein jüngerer Sohn; beide hatten ja, wie ich schon gesagt habe, Geburtstag. Wollte eine schöne Buttercremetorte machen und für den Jungen Negerküsse fabrizieren, weil’s die ja nicht mehr zu kaufen gibt.

Verdiente BürgerIn im Turnusdienst wird unruhig und unterbricht: BürgerIn Bahnsen: Sagten Sie „Negerkuss“? Dieses Wort ist politisch völlig inkorrekt, wussten Sie das nicht? Sie haben doch 2 Kinder zu erziehen! Haben Sie vergessen, dass die EU-Sprachharmonisierungskomission dieses Wort schon vor langer Zeit europaweit verboten hat, weil wir Afrikaner nicht küssen…

V1 (ärgerlich, mit erhobener Stimme): BürgerIn im Turnus! Ich muss Sie unterbrechen! Es ging nicht darum, dass wir Schwarze nicht auch mal küssen dürfen. Es geht darum, dass „Neger“ „schwarz“ heißt und damit Personen dieser Hautfarbe unzulässig auf eben diese Hautfarbe reduziert werden!

Engagierte BürgerIn im Turnus: Ja, ja, so meinte ich das ja auch, habe mich wohl etwas ungeschickt ausgedrückt …

V1: Zurück zum Eigentlichen. BürgerIn Bahnsen: Wir kommen jetzt zum schwerwiegendsten und heikelsten Teil unserer heutigen Verhandlung: Die CitizenMüllControl informierte uns, dass in dem MüllCompartment, dass per Chip klar Ihrer Wohnung zugeordnet ist, im Restmüll 2 MicroFiber-Teile gefunden wurden, die Sie korrekterweise eigentlich im RecycleMüll hätten entsorgen müssen. BürgerIn Bahnsen, Sie wissen sicher, wovon ich spreche?

BB (verwirrt): Nein Herr Vorsitzender!

V1: Nun, so können wir Ihnen nicht ersparen, Ihr Gedächtnis entsprechend aufzufrischen: Es waren 2 gebrauchte Kondome! BürgeIn Bahnsen, um Ihnen die Peinlichkeit zu ersparen – die inkorrekte Entsorgung ist minderschwer – schwieriger wird es jetzt, weil Sie ganz offensichtlich nicht alleine leben, sondern den Behörden über Ihr Privatleben falsche Angaben machen und sich möglicherweise Privilegien erschleichen, die Ihnen gar nicht zustehen … Wir haben davon abgesehen, den Inhalt der Kondome einer Genanalyse zuzuführen – wir bauen auf Ihre aufklärende freiwillige Mitarbeit. Außerdem haben wir  ausreichend zusätzliches audio-visuelles Material der 3 obligatorischen Fernseher Ihrer Wohnung sowie ergänzend von Ihren jeweiligen Handys vorliegen. Ich denke, auch die BeisitzerInnen und BürgerInnen im Turnus werden mir darin zustimmen, dass wir hier ganz eindeutige Rückschlüsse auf BürgerIn Bahnsens Lebensumstände ziehen können?! …

BeisitzerInnen und BürgerInnen im Turnus nicken heftig.

BB (knallrot angelaufen): Bitte glauben Sie mir, es war eine ganz oberflächliche, sporadische Beziehung, nichts von Bedeutung, eine Ausnahme, ehrlich …

Das CitizenChangeCommitee zieht sich zu einer ganz kurzen Beratung zurück.

V1: BürgerIn Bahnsen: Das CCC ist nach Sichtung des uns vorliegenden audio-visuellen Materials und nach Würdigung Ihrer Einlassungen zu folgendem einstimmigen Ergebnis gekommen:

BürgerIn Bahnsen wird wie folgt in allen 4 Punkten für schuldig befunden:

1.  Illegale Haltung und Benutzung eines illegalen klimaschädigenden Altwagens in Tateinheit mit der illegalen Lagerung von klimaschädigendem Alttreibstoff (Diesel) ohne im Besitz einer entsprechenden Sondergenehmigung zu sein.

2. Inkorrekte Umsetzung der EU-Ernährungs- und Krankheitspräventionsrichtlinien in Tateinheit mit der Vernachlässigung der Ihnen vom Staat übertragnen Aufsichts- und Erziehungspflicht über 2 Kinder mit billigender Inkaufnahme einer akuten und/oder zukünftigen chronischen Gesundheitsgefährdung letzterer.

3. Inkorrekte Entsorgung von Müll

4. Inkorrekte Angaben über Ihr Privatleben

Das CCC sieht alle Tatbestände als hinreichend erwiesen an.

Da BürgerIn Bahnsen bisher als weitgehend unbescholtenIn gilt und Ihren BürgerPflichtenInnen bisher immer korrekt nachkam, verpflichtet sie das CCC zu folgenden freiwilligen BürgerInnenmaßnahmInnen:

• Sofortige Entsorgung des illegalen klimaschädigenden Altwagens und des illegalen klimaschädigenden Alttreibstoffs im CitizenEntsogungsPark der entsprechenden CitySection.

• Überprüfung Ihres Privatlebens mit der Möglichkeit im kommenden Monat gegenüber dem CitizenChangeComitee erneut aktuell hierzu Stellung zu nehmen.

• 15 Stunden freiwillige Teilnahme am CitizenCurs über die EU-Ernährungs- und KrankheitspräventionsRichtlinien.

• Freiwillige Erweiterung der Teilzeitstelle in der örtlichen Kita von 50 auf 60 Wochenstunden auf unbestimmte Zeit.

Mit der Anerkennung der Freiwilligkeit dieser CitizenChangeMaßnahmen vermeiden Sie, BürgerIn Bahnsen, als vorbestraftIn zu gelten. Serena Bahnsen, nehmen Sie den einstimmigen Beschluss des CCC an?

BB (erleichtert): Ja, Danke! Natürlich … Ich Danke IhnenInnen allenInnen ganz dämlIch/he(r)r(z)lIch!

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