Unser tägliches Brot schmeiss täglich weg

Anfang Februar schockte eine Münchner Tageszeitung ihre Leser mit dem Abdruck eines Bildes von einem riesigen Abfallcontainers voller Brot, einfach weggeschmissen, tagtäglich.

Es kam heraus, dass das überflüssige Münchner Brot in einer Biogasanlage landet, dort vergoren und dann verstromt wird! Zusammen mit Mais. Das Gas treibt Generatoren an … ein Kilo Brot entspricht 2,5 Kilowattstunden Strom; um ein Kilo Brot zu backen, werden ca. 1,3 Kilowattstunden verbraucht.

Das ist ganz schön pervers, dachte ich.

Ein Teil des überflüssigen Brotes wird immerhin täglich bei wohltätigen Organisationen wie der „Münchner Tafel“ abgegeben, die im reichen München 17.000 Menschen damit versorgt, Tendenz steigend. Keinesfalls kann man aber so dem Altbrotberg Herr werden, und das hat verschiedene Gründe.

Zum einen verlangen die Kunden bis kurz vor Ladenschluss stets frisches Brot und Gebäck, so sind die Bäckereien gezwungen, jeden Tag bis Ladenschluss zu produzieren.

Es gibt jedoch noch ein weiteres Problem: Mir fiel ein, dass da doch irgendwas geschehen war, weshalb man noch gute Backware nicht mehr traditionell wenigstens an Tiere verfüttern darf.

Richtig: Butterbrezeln und Pizzastangen lösen Rinder- und Schweinewahnsinn aus. Seit der BSE-Krise hatte die EU beschlossen, dass Futter, was tierisches Eiweiß enthält, nicht mehr verfüttern werden darf, nicht einmal mehr an Schweine.

Mir war eigentlich im Hinterkopf geblieben, dass die BSE-Krise im Grunde gar nicht die wahren Ursachen der angeblichen Seuche geklärt hatte, dass die Annahmen über die Ursachen keineswegs einhellig und erschöpfend ausdiskutiert worden waren, aber dass man von oben, wie bei so vielen anderen Themen auch, wieder einmal beschlossen hatte, was offiziell als „richtig“ und „falsch“, als „bewiesen“ und „unbewiesen“ zu gelten hatte. Der „Konsens“ war, ganz Eu-mäßig von oben herbeigeführt worden.

Ich erinnerte mich daran, dass uns immer dieselbe zitternde Kuh im Fernsehen gezeigt wurde. Gleichwohl gab es aber dann einen Massenmord an Tausenden von völlig symptomlosen Tieren begleitet von Ruin und Aufgeben vieler Bauern …

Ich las mal nach. Etwa jedes fünfte Brot wird weggeworfen, ca. 10 % des Restmülls besteht aus noch verpackten Lebensmitteln.

Ein Entsorgungsunternehmer bei München verarbeitet pro Jahr 70.000 Tonnen eigentlich noch genießbarer Lebensmittel. Daraus wird das Gärsubstrat „Bio-Power“ für die Biogasanlage hergestellt.

Angesichts von 862 Millionen hungernden Menschen auf dieser Erde – aber diese Ziffer können wir uns ohnehin nicht vorstellen.

Es wäre ein Thema schon für Schulkinder und für uns alle. Denn sein Bewusstsein  und seine Gewohnheiten kann man ändern und schärfen.

Nach dem EU-Eingriff und dem neuen Seuchenrecht 2006, können sich viele Bäckereien gar nicht leisten, kostspielig eine Vorsortierung des Altbrotes vorzunehmen (kein tierisches Eiweiß mehr in den Futtertrog), also wandert gleich alles in den Abfallcontainer.

Und es muss mehr Futter bei den großen Futtermittelproduzenten gekauft werden.

Die verhängnisvolle Verordnung hieß:

Verordnung (EG) Nr. 1923/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 999/2001 mit Vorschriften zur Verhütung, Kontrolle und Tilgung bestimmter transmissibler spongiformer Enzephalopathien

… Gebiete von Mitgliedstaaten mit einem unbestimmten BSE-Risiko dürfen kein Tierfutter ausführen oder lagern, das für landwirtschaftliche Nutztiere bestimmt ist und von Säugetieren stammende Proteine enthält, oder Tierfutter, das für Säugetiere bestimmt ist, ausgenommen Futter für Hunde, Katzen …

… Gebiete von Drittländern mit einem unbestimmten BSE-Risiko dürfen kein Tierfutter in die Gemeinschaft ausführen, das für landwirtschaftliche Nutztiere bestimmt ist und von Säugetieren stammende Proteine enthält, oder Tierfutter, das für Säugetiere bestimmt ist, ausgenommen Futter für Hunde, Katzen …

Ein unbestimmtes Risiko also.

Beim Bundesinstitut für Risikobewertung heißt es dagegen:

„Können Schweine BSE bekommen? In den wenigen bisher durchgeführten Versuchen ist es zwar gelungen, Schweine durch die massive Injektion erregerhaltigen Materials mit BSE zu infizieren, nicht aber auf dem Futterweg. Natürliche TSE-Erkrankungen sind beim Schwein nicht bekannt.“

Na sowas.

Ein nachahmenswertes Beispiel gibt die Münchner ökologische Großbäckerei „Hofpfisterei“ ab: Hier sieht man Menschen aller Bevölkerungsschichten in der Blumenstraße in langen Schlangen anstehen: Es gibt „Gutes von gestern“ für einen Bruchteil des Preises von gestern.

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