Osterspaziergang (Tagebuchausriss)

Drang, einen Berg oder zumindest einen Hügel zu besteigen:
Hinter mir Hochspannungsleitungen, die nur mit Hubschraubern gewartet werden können.

Vor mir Hügelketten, dahinter das Meer.

Die Raupenfahrzeuge haben den Rückzug angetreten, nachdem sie monatelang helle Schrammen in die dunklen Hügel gekratzt hatten. Irgendwo halten sie sich versteckt. Nur, bis die Krise vorbei ist.

Die Natur ist in feierlicher Stille, die einer besonderen Konzentration entspringt: Sie arbeitet entschlossen daran, den Frühling voranzubringen, damit alles fertig ist, wenn die Sonne bald alles wieder verbrennt.

Diese andächtige Konzentration können die Schwaden von Müllfeuerchen, Squad- und Kradmotoren, Böllerschießerei wegen der Auferstehung des Herrn und das törichte Falsett von Hundegebell kaum beeinträchtigen. Die Stille legt sich wieder und wieder darüber, denn sie ist heute stärker.

Ich besteige einen Berg durch ein Blütenmeer hindurch, das an besonders begünstigten Stellen bis auf Schulterhöhe hinaufreicht. Die Wiese tut sich auf und die Berührung ihrer Blätter und Blüten kühlt die Haut; und ich erinnere mich all jener Orte, wie sie waren zu ähnlicher Zeit, wie der Wind wehte, und wo man sich ausstrecken konnte.

Und dann schaue ich von diesem Berg in die Ferne und erinnere mich und sehe all das, und merke, dass es doch wieder gut ist.

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