Post aus Afghanistan

Gestern hatte ich einen Aufruf eines in Chicago lebenden Afghanen unter meiner Epost, den ich mich zu übersetzen entschloss: Dr. Mohammed Daud Miraki hatte offensichtlich noch meine Mail-Adresse, da ich vor einiger Zeit sein Buch “Afghanistan after Democracy” bestellt hatte.

Afghanistan After Democracy

Dr. Mirakis Bildband "Afghanistan After Democracy"

Ich wollte mich damals aus erster Hand informieren, was in Afghanistan vor sich geht: Schließlich stehen deutsche Truppen dort. Dr. Mirakis Bildreportage erschütterte mich. Anschließend las ich noch das Buch des deutschen Afghanistan-Kenners Christoph Hörstel (“Sprengsatz Afghanistan: Die Bundeswehr in tödlicher Mission”), was ich nur empfehlen kann, wenn man sich mit der Materie etwas näher befassen möchte.

Wenn mir jemand auf der Welt leid tut, dann sind es die gequälten Völker der Afghanen, der Iraker und der Palästinenser.

Dr. Mohammed Daud Miraki wurde bereits vom Menschenrechtsrat der UNO angehört und hat es mittlerweile erreicht, sich etwas mehr Gehör in der Öffentlichkeit für den Skandal der anhaltenden Verwendung uranhaltiger Munition durch die alliierten Truppen in Afghanistan zu verschaffen; ich halte ihn für seriös und bewundere seinen Einsatz für seine Heimat und seine gequälten Landsleute.

Hier der Aufruf des afghanischstämmigen US-Politikwissenschaftlers und Soziologen:

Mohammed Daud Miraki, PhD
20.4.2009

„Es war letzten Winter mitten in der Nacht als die Tür meines Hauses durch eine Explosion aus der Angel flog. Meine Familie und ich, wurden durch den bloßen Krach der Explosion geweckt. Meine schwangere Frau, meine beiden Töchter, mein Sohn und ich traten aus dem Haus in unseren Hof. Als wir uns der zerstörten Tür näherten, hatten die eindringenden US-Soldaten schon das Gebäude betreten und begannen, auf uns zu feuern. Die Kugeln trafen alle aus meiner Familie, einschließlich meiner schwangeren Frau und unseres ungeborenen Kindes, beide Töchter, meinen Sohnes und mich. Alle wurden getötet, außer einer meiner Töchter und mir. Nach der Schießerei befahlen die US-Truppen bösartigen Kampfhunden, die Körper meiner Familienmitglieder aus dem Hof heraus auf die Allee zu zerren. Ich wurde ebenfalls von einem Hund gebissen, nachdem ich meine überlebende Tochter beschützt hatte, die auch durch eine einschlagende US-Garbe schwer verletzt wurde. Als ich mich mit meinem Körper vor meine Tochter stellte, um sie vor dem Angriff dieser bösartigen Hunde zu schützen, befahlen die US-Truppen mich auch anzugreifen.

Während meine Tochter und ich uns wegen unserer Verletzungen vor Schmerzen wanden, wurden die Körper meiner schwangeren Frau, meiner Tochter und meines Sohnes von den Kampfhunden der US-Truppen verstümmelt. Der Schrecken, der durch die US-Truppen ausgelöst worden war, hatte solch ein furchtbares Ausmaß angenommen, dass meine Tochter und ich nicht ganz bei Bewusstsein waren und alles noch nicht vollständig erfassen konnten, bis die US-Truppen abzogen waren und unsere Nachbarn kamen, um uns medizinische Hilfe zu leisten.

Der schmerzliche Übergriff und die Verstümmelung der Mitglieder meiner Familie durch die Kampfhunde und ihre von Kugeln durchsiebten Körper werden mich und meine überlebende Tochter bis zu dem Tag, an dem wir sterben, immer verfolgen.

Nachdem meine Tochter und ich von unseren Wunden genesen waren, nahmen wir einige unserer Habseligkeiten und ein Zelt und zogen in die Mitte der Wüste in die Provinz Laghmen, denn ich konnte nicht mehr in demselben Haus wohnen, dessen Hof mit dem Blut meiner Frau und meiner Kinder getränkt ist.“

(Soweit mein Interview mit den Opfern in der Provinz Laghmen 2009).

Meine Damen und Herren, ich breche am 23. April 2009 nach Afghanistan auf. Ich möchte im Namen dieses Vaters und seiner Tochter darum bitten, Geld zu spenden, um ihnen ein bescheidenes Haus weg von dem Ort, wo sie früher lebten, zu bauen, denn die schmerzhaften Erinnerungen des Vaters würden es nicht einmal zulassen, dass er sein eigenes Dorf besuchte. Ich weiß, dass jene freundlichen Menschen, die sich immer Sorgen um die Opfer in Afghanistan gemacht haben, in der Lage wären, diesen Opfern helfend zur Seite zu stehen. Spenden sie bitte unter
www.afghanistanafterdemocracy.com oder nehmen Sie mit mir per E-mail Kontakt auf: mdmiraki@ameritech.net

Mit freundlichen Grüßen

Mohammed Daud Miraki, PhD
5347 North Ravenswood Avenue
Chicago , IL 60640
www.afghanistanafterdemocracy.com
mdmiraki@ameritech.net

 

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2 Antworten zu “Post aus Afghanistan”

  1. [...] verweise bezüglich Afghanistans ausdrücklich auf den jüngsten Artikel meiner geschätzten Kollegin Beck hier in ihrem [...]

  2. [...] hatte schon lange von der (stark abgereicherten) Uranmunition, die von der NATO und Israel seit bald zwanzig Jahren verschossen wird, wie von deren Giftigkeit [...]

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