Ein Fall für sie

Ausschnitt "El Pais" vom 5.6.2009

Ausschnitt "El Pais" vom 5.6.2009

Ich gestehe es: Von der Leyen hat mich sensibilisiert: Für die Gefahren beim Surfen im Internet, für die Bedrohlichkeiten des missbräuchlichen Sexes mit Minderjährigen, die Umtriebe von Pädophilen und andere Schweinereien.

Ich denke jetzt verstärkt mit, wie man Abhilfe schaffen könnte und habe mir von der Leyens Sorgen zueigen gemacht. Kurz, ich bin aktiver geworden.

Logisch, dass es nicht gefallen kann, was man da aus Italien hören oder lesen muss: Der böse Bube der Republica Italiana hat es jetzt wohl definitiv übertrieben, jedenfalls für meine neue Toleranz- und Schmerzgrenze, die dank von der Leyen auf null gesunken ist.

Der 9,4 Milliarden Dollar schwere Medientycoone „il Cavaliere“ sorgte für eine radikale Bereinigung des Medienangebotes in Italia; Meineide, Bilanzfälschungen, Schmiergeldzahlungen, Richterbestechungen, in Auftrag gegebene Attentate, Mitwirkung an mafiaähnlichen Vereinigungen – alles konnte als plumpe Phantasie politischer Neider und Kommunisten entlarvt werden. Die Verdachtsmomente wurden der Langweile übergeben. Die Bananenrepublik Italien hatte sich in den letzten Jahren einfach an alles gewöhnt. Italien hat ein wesentlich aufregenderes Thema … Doch im Ausland ahnte man bisher nicht in aller Schärfe, was sich jetzt herausschälte – dass es sich die ganze Zeit im Grunde nur um die Banane des Staatspräsidenten drehte.

Berlusconi, wegen seines gutmütigen Lächelns auch „Kaiman“ genannt, zelebriert das, was andere schamhaft verbergen, in aller Öffentlichkeit: Schönheitsoperationen wie Liftings, die zusammen mit dem obligatorischen Nylonstrumpf, der über die Kameralinsen der Objektive akkreditierter Journalisten gezogen werden muss, durchweg weichzeichnen und glätten, was die Sorgen eines Staatsmannes in Falten legen könnte. Optische Verhütung vom feinsten.

Sorgfältigste Haartransplantate machten der Glatzenbildung den Garaus, Faltenwürfe an relevanten Körperteilen wurden peinlichst genau umspritzt. Berlusconi zeigt in der Öffentlichkeit, was wirklich wichtig ist, was heute letztendlich zählt: Der Triumph des Willens zur ewigen Jugend und Dauerpotenz – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg zum Sexobjekt, auch mit 72!

Berlusconi definiert neu, was man früher mit Altersgeilheit oder poetisch als „Angstblüte“ bezeichnete. Allen Zweiflern hält der wieder und wieder gewählte staatliche Sexprotz die eindeutigen medizinischen Testergebnisse seiner hochzufriedenen Ärzte entgegen. Diese bestätigen: Ja, er ist ein Supermann!

Il Cavaliere surft auch politisch auf der Bugwelle seiner überragenden Männlichkeit. Diese gibt immer wieder die Richtung vor. Dabei beweist er der Öffentlichkeit, dass einem Mann auch schon im Diesseits möglich ist, was manchen Religionen eigentlich erst für das Paradies vorgesehen haben: Er umgibt sich mit einem Harem aus zarten Jungfrauen, die ihn jauchzend umgarnen, ihm jederzeit zu Willen sind und ihn sein Alter völlig vergessen lassen.

Leider kann das so nicht mehr toleriert werden, das weiß ich jetzt seit von der Leyen. Spätestens hier müsste man Berlusconi ein Stoppschild entgegenhalten, denn es handelt sich bei den Models, Sternchen und Tänzerinnen fast immer um Minderjährige. Eine seiner Favoritinnen, Noemi Letizia, ist gerade erst 18 geworden und nennt ihn zu allem Überfluss auch noch „Papi“.

Hier müssen wir jetzt sensibilisiert sein, denn es handelt sich eindeutig um Pädophilie mit inzestuösem Beigeschmack. Zwei Stoppschilder wären also mindestens angemessen für die Umtriebe des altersgeilen Satyrs.

Auf seinem luxuriösen Anwesen auf Sardinien lässt der Dauerimperatore in Staatsmaschinen jedes Wochenende ganze Schwärme von Holden einfliegen und zelebriert wieder und wieder den Phalluskult, den Lorbeerkranz winden ihm kaum oder unwesentlich bekleidete Schöne. Und hier spätestens müssten wir wieder ein Stoppschild errichten:

Denn wer schützt eigentlich heutzutage noch unbedarfte Mädchen? Warum tut keiner was? Wo sind die Eltern? Wie es scheint, machen sich letztere mitschuldig, indem sie dem alternden Präsidenten die unerfahrenen Mädchen auch noch zuführen, da sie sich für diese einen Karrierevorteil, ja sogar einen Sitz im Europaparlament erhoffen: Je heißer das Möstchen desto steiler das Pöstchen. Das ist ekelhaft!

Natürlich zehrt so ein rauschhaftes Partyleben an der Conditione auch des Potentesten. Und so wurde Il Cavaliere vor ein paar Tagen in Rom in einem Fußballstadion beobachtet, wie er mehrfach an der Schulter des spanischen Königs Juan Carlos einnickte.

Einem Fotografen mit dem etwas tölpelhaften Namen Zappadu gelang es, zwei Jahre lang hunderte von Fotos des nackten Reigens von Sechzehnjährigen zu schießen und auch einen unbekannten (neben dem bekannten) Nackten im Bild zu bannen, der sich als der tschechische Ex-Ministerpräsident Topolanek herausstellte. Statt nun in das nächste Internetcafe zu eilen und die empörenden Bilder an Frau von der Leyen zu senden und natürlich auch noch an alle möglichen anderen Blätter, bot der idiotisierte Paparazzo stattdessen der Berlusconi gehörenden Zeitschrift „Panorama“ die Beweisfotos für 1,5 Millionen Euro an.

Il Cavaliere fackelte natürlich nicht lange, sondern schickte seine Schwadronen gegen den geldgeilen Fotofuzzi aus und ließ bei einer Hausdurchsuchung in Privat- und Redaktionsräumen alles beschlagnahmen, was irgendwie entfernt an ein Dokument erinnerte, inklusive Computer.

Das ist wirklich ärgerlich, denn es wäre so einfach gewesen: Der Mann hätte nur von der Leyen kontaktieren und um ein Stoppschild bitten müssen! Sie hätte sich ihm sicher nicht verweigert! Durch diese stümperhafte Aktion des Fotografen ist jetzt alles vermasselt und die Umtriebe gehen weiter. Doch heute Morgen geschah ein Wunder:

El Pais, die bekannte spanische Tageszeitung, zeigte heute exklusiv einige “gerettete” Fotos der bedenklichen Begebenheiten mit folgendem Kommentar: “Veronika Lario, die First Lady Italiens, bestätigte vor einem Monat, dass die italienische Politik sich unter dem Einfluss ihres Mannes in einen ,schamlosen Müll’ verwandelt habe, wo nur das Äußere und das Fernsehen zähle und wo ,viele Eltern bereit sind, die Augen zu verschließen, um ihre Jungfrauen dem Drachen anzubieten.’”

Die Noch-Ehefrau des Cavaliere bat uns in der Öffentlichkeit um Unterstützung. Ihr Mann brauche dringend Hilfe. Diese dürfen wir ihm nicht verwehren, auch wenn sich einem allmählich der Verdacht aufdrängt, dass Berlusconi nur aus einem Grunde immer wieder gewählt wurde: Weil er beweist, dass befriedigender Sex auch im hohen Alter noch möglich ist. Gerade mit Minderjährigen.

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