Hilfe, ich bin eine Schablone!

Ausschnitt EL PAIS v. 2.6.2009

Ausschnitt EL PAIS v. 2.6.2009: Besser eine behaarte Brust als keine: Man kann nur noch die Daumen drücken, dass die Milch auch einschießt!

Ich muss zugeben, dass ich in letzter Zeit unter Minderwertigkeitskomplexen leide; ganz erheblichen sogar. Dieses Gefühl, durch und durch langweilig zu sein, keinerlei Aufsehen erregen zu können, mit dem Makel der Normalität behaftet zu sein.

Ich fühle mich als Frau zunehmend überholt, ja, ich frage mich manchmal: War ich eigentlich jemals eine, nach dem heutigen Verständnis, nach der modernen Definition? Mitten in dieser Identitätskrise kann ich mir plötzlich die einfachsten Fragen nicht mehr beantworten, lange liebgewonnene (falsche!!!) Gewissheiten lösen sich vor meinen Augen in Luft auf!
Mir geht’s dreckig, ich leide. Aber da muss ich jetzt durch: Denn ich bin ein Auslaufmodell – ich bin eine Schablone!

Das prominenteste Attribut meiner Weiblichkeit – mein Busen – stellt sich als jederzeit an- und abstellbarer hormongesteuerte Schwellung über den oberen Rippenbögen heraus, über die ich mich nicht mehr definieren sollte; meine wohlgefälligen, eigenverliebten morgendlichen Blicke vor meinem Spiegelbild sollte ich einstellen. Denn ich muss lernen, diesen Anblick zu teilen: Mit Männern, und solchen die es noch werden wollen, Frauen und solchen, die es noch werden wollen und Transen und solchen, die es noch werden wollen, und ja, vermutlich auch noch mit Stammzellen, die noch Großes vorhaben. Das fällt mir nicht leicht. Erstmal.

Ausschnitt PRONTO v.

Ausschnitt PRONTO v. 10.6.2009

Aber was sein muss, muss man loslassen. Bilder sagen mehr als Tausend Worte: Ein kurzer aber umso notwendigerer Blick in die „Goldene Presselandschaft“ untermalt das Dilemma: Die spanische „Pronto“ schreibt über den sympathischen jungen Mann im blauen Fußballhemd, oder sagen wir vorsichtshalber lieber „Mensch“: „Der erste schwangere Transsexuelle in Spanien hatte einen Abort. In der 17. Woche ‚spürte er Unwohlsein’, was zum Abort der Zwillinge führte, die er/sie erwartete.“ Gleich darüber sehen wir ein Foto von Michael Jackson mit seinen beiden Kindern, was gleich ein doppeltes Wunder andeutet: Ein ehemals Schwarzer zeugt zwei wei… Erwischt! Alles ist möglich!

Panta rhei. Alles fließt … in der Petrischale zusammen. Nichts mehr ist verlässlich. Alles vergänglich, alles unzulänglich. Evolution sofort: Alles wird übergänglich! Alles wandelbar, alles verhandelbar. Auch die Vignette auf der Pipette!

Konkret: Darf man seinen Augen noch trauen? Konkreter: Sollte man sich selbst noch über den Weg trauen?

In einem sehr progressiven Artikel der TAZ werden wir noch weiter in die Welt der „fließenden Progression“ eingeführt. Das Foto scheint zunächst eine Familienidylle anzudeuten, eine moderne Version von Maria und Josef und dem Jesuskind. Aber wir sollten immer vorsichtiger werden und uns mit vorschnellen, klischierten Urteilen zurückhalten: Der Bartträger ist nicht Josef oder der Vater, nein die Mutter! Weiter klärt uns die TAZ auf: „Die beiden lebten in einer lesbischen Beziehung, bis Thomas vor gut zehn Jahren eine teilweise Geschlechtsumwandlung vornehmen ließ.“

Thomas wurde seines Frauseins müde. Ihre Frau wollte seine Frau sein. Verständlich. Doch, doch.

Der Bildunterschrift ist zu entnehmen, wie so etwas zu interpretieren ist: „Familie außerhalb von Geschlechterschablonen“. Ja, ja, mir dämmert es: Ich bin eine armselige, peinliche „Schablone“. Schablonen haben es an sich, in die Gefahr zu geraten, langweilig zu werden, denn sie sind eine vorgeprägte, geistlose, nachgemachte Form! Allmählich komme ich meinen Minderwertigkeitskomplexen auf die Schliche: Ich bin eine Frau (noch) und daher ein Abziehbildchen, eine Schabracke, nicht gut. Unflexibel, klischiert, kleinkariert …

„Er wurde mit Hormonen behandelt und die Brüste wurden ihm entfernt. Aber Thomas besitzt eine intakte Gebärmutter und Eierstöcke. Einen künstlichen Penis ließ sich der Bartträger nicht implantieren.“

Das will mir nicht einleuchten. Das wäre doch nützlich gewesen! Nie mehr Erektionsstörungen, nie Viagra. Und er hätte das Baby doch selbst zeugen können. Mit eigenem Sperma oder eigenem Spendersamen. Oder nicht? Sozusagen die höchste Form des autogenen Trainings, die fast übermenschliche, jedenfalls doch übermännliche Form der Selbstbefriedigung: Die Selbstbefruchtung.

Frei sein, sein eigener Spender sein! Autoinsemination, Autofertilisation, Autoreproduktion … eine tiefe Begegnung mit sich selbst haben, Ausbrechen aus den alten Mustern und Schablonen! Ja! Den Individualismus auf die Spitze treiben: Ei und Sperma für sich selbst behalten. Sich selbst recyclen! Dem ewigen Kreislauf nahe kommen – die Ewigkeit berühren. Nein?

„Ob das Neugeborene, wie seine Schwester, ohne Kaiserschnitt geboren wurde, ist noch nicht bekannt. Aber Nancy wolle, wie auch schon die Tochter, den Sohn selbst stillen.“

Natürlich, das ist ja eine normale Regung als Mutter des Kleinen; aber halt, Thomas ist ja die Mutter. Nancy ist dann also der Vater. Es handelt sich also wohl um, um, um, eine Neudefinition der Geschlechterschablone, jetzt hab ich’s. Ich denke zu klischiert, immer noch: Natürlich stillt Nancy ihr Kind selbst! Schnell ein paar Prolaktinchen oder vielleicht einfach nur den bewährten Fencheltee zu sich nehmen?

„Die Schwangerschaft wurde durch eine künstliche Befruchtung eingeleitet, mit Spendersamen und einer eigenen Eizelle.“

Von wem denn? Ich meine die Eizelle. Aber die Frage ist schon wieder falsch gestellt, es ging ja darum, Schablonen und Klischees zu überwinden. Progressiv. Flexibel. Zu sein. Auch die Frage nach dem edlen Samenspender erübrigt sich. Natürlich. Diese Fragen zeigen nur, wie possessiv wir mit Samen und Eizellen umgegangen sind. Bisher. Wichtig ist vor allem, dass das Kind weiß, wer sein Vater ist. Thomas: Enschuldigung: Nancy: Nein, der Samen! Und die Mutter ist: Nancy. Nein Thomas! Es ist gar nicht so einfach, am Anfang!

„Bleibt zu hoffen, dass Thomas und Nancy Beatie mit ihrem Vorbild … auch jenen Mut zur Familienplanung machen, die außerhalb der Geschlechterschablonen stehen.“

Es wird nicht leicht sein. Aber auch wieder doch. Die Vision, ist schon in greifbarer Nähe: Ich liefere eine Hautzelle bei einer Reproduktionsklinik ab, die wird dann in Spendersamen getunkt, und daraus entwickelt sich dann in schönster … Nein?

Oder ich tunke den Samenspender, nein Spendersamen in meine … Nein, das war zu klischiert!

Also, ich liefere besser eine Eizelle ab? Und bitte um eine Spende?

Oder ich spende mich gleich selbst?

Oder ich spendier mir einen?

Oder eine?

Oh Ei!

Es ist nicht leicht, die Schöne Neue Welt zu umarmen!

***

Leicht jedoch fallen wir, frisch befreit, wieder in die alten Schablonen und Rollenklischees: „Frau wird verurteilt wegen sexistischer Gewalt gegen ihre Ehefrau.“ (EL PAIS, 12.6.2009)

„Kann es geschlechterspezifische Gewalt bei zwei Männern oder zwei Frauen geben?“

Ich sage jetzt mal: Ja!

„Das Integrale Gesetz über die Gewalt gegen Frauen sagt: Nein! Dessen ungeachtet hat das Strafgericht Nummer 2 von Santander (Spanien) eine Frau, die ihre Ehefrau beleidigt und angegriffen hatte, von der sie sich gerade trennte, wegen Gewalt gegen das andere Geschlecht verurteilt, was im Artikel 153.1 des Strafgesetzbuches bestraft wird. Die Strafe ist sieben Monate Gefängnis …“

Problematisch dabei ist, dass das spanische Strafgesetzbuch vom TätER redet. Bisher stellte sich das Gesetz also bei männlicher Gewalt vor Frauen, jetzt auch bei fraulicher Gewalt gegen Frauen vor Frauen.

„Was wir mit diesem Gesetz bekämpfen wollten, war die Normalisierung der Überlegenheit eines Geschlechts gegenüber dem anderen“, so ein Regierungsabgeordneter.

Das war zu schablonenhaft gedacht.

Hohe Dunkelziffern zeigen ein neues Problem für den Gesetzgeber: Kindermisshandlung, die Misshandlung und Gewalt durch Kinder. Gegen ihre Eltern. Besonders bei Mädchen ist ein Anstieg des Phänomens zu beobachten. Jungen hatte man es schon immer irgendwie unterstellt. Die Scham der Eltern ist groß. Daher die hohe Dunkelziffer. Nur extremste Fälle von systematischem und jahrelangem Elternmissbrauch kommen zur Anzeige.

Hier muss der Gesetzgeber jetzt über die alten Schablonen hinaus erneut spezifizierend eingreifen. Es sollten Gesetze gegen geschlechterspezifische Gewalt innerhalb der Familie eingeführt werden!

Vater gegen Mutter, Mutter gegen Vater, Sohn gegen Mutter, Mutter gegen Sohn, Tochter gegen Mutter, Mutter gegen Tochter, Oma gegen Opa, Opa gegen Oma, Opa gegen Enkelin, Enkelin gegen Opa, Opa gegen Enkel, Enkel gegen Opa, Oma gegen Enkel, Enkel gegen Oma, Oma gegen Enkelin, Enkelin gegen Oma. Onkel gegen Tante, usw. … den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt!

Das ist alles geschlechterspezifische Gewalt, denn alle Personen haben doch wohl ein Geschlecht oder mindestens ein Gender? Und mit diesem Gender sind sie einfach nicht gut umgegangen!

Jetzt bin ich aber, glaube ich, unwillentlich wieder in Schablonen-Denken verfallen. Hm … Ich glaube daher, am Ende wäre es konsequent, der Gesetzgeber würde einfach nur schlimme, böse und üble Gewalt ahnden, oder? Die gute Gewalt, also die durch den Staat verübte, dürfte natürlich weiterhin bestehen bleiben. Das würde alle Schablonen durchbrechen und Klischees überwinden, richtig?

***

Wir sind es gewohnt, dass wir die Macht über Leben und Tod den Ärzten übergeben, bzw. letzten Endes dem, wovon wir glauben, dass es Wissenschaft sei. Die Wissenschaft hat in dieser Machtstellung bekanntlich die Kirche früherer Zeiten beerbt. Diese Herrschaftsposition ist nicht einmal angemaßt, sondern wir huldigen ihr, von tapferen Ausnahmen abgesehen, kollektiv und täglich neu. Tod und Leben, Gesundheit und Krankheit – es ist eine Verantwortung, die wir gerne und willig abgeben. Dementsprechend ertragen wir ergeben unser Schicksal, wenn dieses uns in Gestalt einer Prognose nicht gnädig und gütig zu sein scheint.

Die Macht über Leben und Tod ist den Wissenschaftlern natürlich längst nicht genug. Ihre Macht und das dahinter stehende Weltbild oder Paradigma hat es an sich, sich ständig ausdehnen zu wollen, alle Aspekte des menschlichen Daseins durchdringen zu wollen.

Das herrschende materialistische Menschenbild, das sich selber als wissenschaftlich definiert und damit nach unserem Verständnis Unantastbarkeitsstatus erlangt, ist eine unheilige Allianz eingegangen: Mit alt- und neulinken Genderideologen weltweit. Diese verbellen unermüdlich und mit zunehmender medialer Aggressivität jede selbstverständliche, natürliche Identität eines Menschen als Mann oder Frau und werden erst Ruhe geben, bis wir alle uns wegen Identitätsstörungen auf der schwarzen Couch eines Psychiaters oder auf dem Operationstisch eines Chirurgen zur Identitätsumwandlung wiederfinden.

In diese neue Konkordanz hat der Größenwahn der materialistischen Machbarkeitsideologen ganz neu ausgeschlagen. Vor unser aller Augen beweihräuchern sich die Vertreter dieser neuen Beliebigkeitsreligion täglich selbst, behaupten, den Menschen in allen seinen Aspekten zu kennen, ihn jederzeit auseinandernehmen und wieder neu nach Belieben zusammensetzen zu können. Ihre Lieblingsdisziplin ist ein neues Hochamt geworden: die Wandlung, die Metamorphose von männlich zu weiblich, von weiblich zu männlich und allem, was auf dem Wege dahin oder dorthin dazwischenliegen könnte. Diese neue, wissenschaftlich verbrämte Genderideologie bewirbt sich selbst derart dreist und gekonnt, dass wir auf ihrem Altar sogar bereit sind, die letzten Reste unseres Verstandes zu opfern:

Wir lassen uns weismachen, die Gewissheit, einem bestimmten Geschlecht anzugehören, sei überholt und nichts anderes als eine angestaubte Schablone. Vor unseren Augen vollziehen sich angeblich problemlose Geschlechtsum-vor- und Zurückverwandlungen. Die Wucht dieser Überzeugung trifft jetzt auch schon die Schulkinder, deren Identität in Frage gestellt und verunsichert wird, bevor sie sich überhaupt formen kann.

Es geht hier nicht darum, das Phänomen von Identitätsstörungen bei Männern und Frauen, von angeborenen, krankheitsbedingten, genetisch bedingten oder sogar durch Traumata erworbenen Abweichungen von der Norm (oder Kombinationen dieser Gründe) zu bestreiten. Angezweifelt wird jedoch, dass diese Abweichungen ein bloßes „Ausbrechen aus Geschlechterschablonen“ sind und problemlos mit ein paar Operationen in die eine oder andere Richtung behoben werden können.

Hienieden, in der Dimension, in der wir uns alle nun einmal manifestiert haben, ist die Zugehörigkeit zum einem der beiden Geschlechter für unsere Identifikation und unseren Selbstwert unabdingbar, und wenn dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht gelingt, so ist das ein schweres Schicksal, das mit viel Leid verbunden ist. Jedes dieser Schicksale sollte genaustens analysiert und individuell besehen werden; und jeweils versucht werden, einen gangbaren Weg zu erarbeiten.

Stattdessen werden Schicksale von Menschen, die in ihrer Geschlechtsidentität gestört sind, propagandistisch von wahnhaften Ideologen und machtbesessenen Medizinern  ausgenutzt, um ihren ideologischen Angriff auf dem Rücken dieser Menschen gegen den Rest der Gesellschaft zu reiten.

Es ist empörend, wenn Gender- und Beliebigkeitsideologen eine Gott sei Dank bei der Mehrheit der Bevölkerung anzutreffende problemlose Geschlechtsidentität als „Geschlechterschablone“ oder „Rollenklischee“ abtun.

Die Herren über Leben und Tod möchten natürlich Gott restlos beerben. Daher schreiten sie jetzt entschlossen voran, und machen uns allen Ernstes weis, sie seien auch die neuen Herren über unser Mann- oder Frausein. Überdies würden sie sich sehr gerne des gesamten Zeugungsaktes bemächtigen, der Krone der Schöpfung“ eben, damit sie entscheiden können über Rasse, Geschlecht und ob überhaupt.

Diese Anmaßung ist nur konsequent. Dem Menschengeschlecht wird ständig vor Augen geführt, was es alles nicht mehr kann: Selbstständig leben, denken und entscheiden. Selbst krank werden und auch wieder selbst gesund werden. Selbst zeugen und selbst gebären. Und selbst sterben.

Man möchte uns dort haben, wo wir bereit sind, eine Schablone zu sein, ein Schatten unserer selbst mit gestörter Identität, gestörter Sexualität und gestörter Fertilität. Aber die rettende Hand ist ja schon ausgestreckt!

***

Der Penis ist ein Wunderwerk der Natur. Der Phallus gar eine Meisterleistung Gottes, die er sich in einem pikanten Moment (von denen er nicht wenige hatte!) eines göttlichen Geistesblitzes ausgedacht hat. Er ist so trefflich gemacht, dass die Wissenschaft ihm seine Geheimnisse noch gar nicht vollständig entlocken konnte; der Versuch, Einblick in sein staunenswertes, spektakuläres Funktionieren zu nehmen, kann ob seiner Komplexität schwindelig machen. Ganz zu Recht huldigten ihm daher viele Kulturen im Phalluskult als Sinnbild der Naturkraft, wie etwa der Dionysoskult, der Demeterkult, der Osiriskult, der Lingakult des Shiva u.v.m.

Daher kann ich gar nicht aufhören darüber zu lachen, wie der Wissenschaftskult und seine Machbarkeitsideologie in ihren Geschlechtsumwandlungen die Risiken und Nebenwirkungen regelmäßig nicht bekannt geben. Sie schrecken in ihrer Hybris vor gar nichts mehr zurück. Auch nicht davor Brüste abzuschneiden und Penisse zu kreieren, ohne letztere so zu benennen, wie es korrekt wäre: Prothesen. Von der Möglichkeit eines Orgasmus schweigen wir lieber.

Die Frage „Wer bin ich?“ ist schwierig genug zu beantworten. Umso verdächtiger sind mir daher ideologiegetriebene Maulwürfe und Wühlmäuse, welche unsere Fundamente annagen und unterwühlen möchten. Ich bin kein Engel und auch keine aufgestiegene Meisterin, und ich wandele nur manchmal im Licht. Ich bin vor allem eine Frau. Das ist das Fundament meiner Identität und Quelle meiner Selbstgewissheit. Mit dieser wandele ich hienieden, solange es mir vergönnt sein wird; und, ja:  Bisweilen huldige ich sogar dem Phalluskult.

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