Eiszeit oder: Gruß vom Angorahasen

Hattu mal ein warmes Höschen?

Hattu mal ein warmes Höschen?

Stirnrunzelnd betrachte ich den dicken Plastiksack mit der Aufschrift WEG! Ebay/Second Hand. Hmmmm.

Ich öffne bedächtig den mit einem alten Wollgürtel zusammengebundenen Knoten und beginne, den Inhalt zu sichten. Neben mir habe ich den Fotoapparat und natürlich eine Schächtelchen mit verschiedenen unerträglichen Parfumpröbchen bereit gestellt: „Dunest“, „Gloria sowieso“, „Gino Ginelli und „Bruno Babane“ usw., um den möglicherweise auftretenden Geruch nach Moder/Motten/Sporen zu übertünchen, bevor ich die frisch  besprühte Ware ablichte,verpacke und für den Versand vorbereite…

Ich ziehe die ersten Wollpulover heraus; allesamt mit hohem, eng sitzenden Kragen, wie sie niemand mehr erleiden mag, aber super Qualität, gute alte Markenware, wo keine Fäden heraushängen, engmaschig gestrickt, hochmerzerisiert, nichtfilzend, Merino usw., eben aus der guten alten Zeit, die irgendwann in den Achtzigern aufhörte, als östliche Ware den Kleidermarkt eroberte.

Bin ich denn blöd, denke ich bei mir. Da kaufe ich mir wegen der anhaltenden Kälte wollne Unterhemden für 20-40 Euro das Stück und hier liegen feingestrickte Pullis im Sack. Einfach den engen Kragen rausschneiden, schnipp-schnapp, einen neuen, bequemeren Ausschnitt reinschneiden und mit Zick-Zack flink umsäumen – fertig!

Gerettet: Das Leibchen

Gerettet: Das Leibchen

Dann kommen zwei Leibchen zum Vorschein, auch als Nierenwärmer bekannt. Hmmm, da war auch Vorsicht geboten und von vorschnellem Handeln abzuraten: Immerhin ging ich wegen den eisigen Temperaturen jetzt bereits seit Wochen mit roten Wollsocken ins Bett und hatte Uraltbibernachthemden mit hohen Kragen und Rüschen von meiner Oma wieder eingeweiht. Warum denn jetzt nicht auch noch einen Nierenwärmer im Bett umbinden?

Alte Angorasocken: Stopfen!

Alte Angorasocken: Stopfen!

Die alten Angorasocken, die da im Sack lagen, könnte man auch noch mal stopfen. Bloß nichts überhasten!

Gruß vom Angorahasen

Gruß vom Angorahasen

Und dann kam sie: die lange Angoraunterhose, die man bis unter die Brust hochziehen kann. Na, wenn so was nicht gegen die Kälte wirkt! Konnten unsere Großmütter irren? Natürlich nicht. Sie wussten genau um die Vorteile des Angorahäschengefühls unten rum und wie man einen kalten Popo und eine Blasenentzündung zuverlässig vermeidet.

Dann einige Pelz- und Mohairkappen und Mützen. Die Anprobe ergibt einen wollenen Heiligenschein, nicht gerade sehr vorteilhaft, aber was soll’s; man darf nicht so pingelig sein. Auch die verkehrte Farbe – egal, Hauptsache warm und kälteabweisend.

Da fällt mein Blick auf ein Paar Winterstiefel. Die Absätze: Hoffnungslos unmodern. Außen sehen die aus, als hätte man den Bart eines alten Walrossbullen daran geklebt. Aber innen—da haben sie, horribile dictu, Bibelammfutter. Und das ist es, was jetzt den Ausschlag gibt!…

Die Persianerjacke: Ömchen- und Kaffetantencharme - aber absolut kälteresitent

Die Persianerjacke: Ömchen- und Kaffetantencharme - aber absolut kälteresitent

Und dann der Schocker: eine Persianerpelzjacke. Poff! Das typisch schwarzgraue Gekräusel. Der Inbegriff von ömchenhaft und Kaffeeklatschcharme. Wollte ich ernsthaft aussehen wie meine eigene Großmutter? Dieser Ruf gellt mir noch aus meiner Schulzeit in den Ohren. Aber egal, da muss ich jetzt durch. Ich bin mittlerweile schließlich eine gefestigte Persönlichkeit geworden. Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Nachdem die Klimaerwärmung jetzt offiziell abgesagt ist und wir infolge mangelnder Sonnenfleckenaktivität ganz offensichtlich in eine neue Eiszeitperiode eingetreten sind, muss auch diese Perserjacke wieder in Dienst genommen werden. Sie trägt sich wie eine kugelsichere Weste: Absolut wind- und kältedicht. Meine Vernunft siegt, und ich beginne sie – nein nicht mit Parfümpröbchen einzustäuben – sondern in einen Sack für die Reinigung zu stecken.

wir werden ein Kanonenofen

wir werden ein Kanonenofen

Tja, für Ebay bleibt da kaum noch was übrig. Mist! Aber halt, da war doch noch eine Kanone aus dem 17. Jahrhundert, die ich für 1 €  gegen Abholung anbieten wollte. Angesichts der Dauerkälte entscheide ich jedoch auch hier kurz und schmerzlos: Nein! Die wird zu einem Kanonenofen umfunktioniert und alsbald in Betrieb genommen.

Kurz und gut: Alles bleibt HIER!

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Eine Antwort zu “Eiszeit oder: Gruß vom Angorahasen”

  1. Birgit Dünkler sagt:

    Ja, die guten alten Naturprodukte… und alles biologisch abbaubar…falls doch noch die Erderwärmung kommt. Ich hätte auch ein paar Leihgaben anzubieten, wenn Bedarf besteht. Ruhig bei mir nachfragen.

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