En und Innen protestierenInnen gegen den Krieg (SoldatenInnen) in Afghanistan

Gerade bekam ich die Einladung zu einer Demo in Berlin, Thema Afghanistan bzw. ganz aktuell die zugesagte Truppenaufstockung durch Deutschland. Ich las; alles soweit richtig – aber irgendwas störte mich an dem Text…

Ich habe nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass eine allzu beflissene grammatikalische Gender-Korrektheit , wie in diesem Aufruf besonders grotesk angewendet, das Inhaltliche in den Hintergrund drängt, ja dieses sogar konterkarieren kann.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es den Autoren mehr um eine Demonstration von gender correctness (einer Unterabteilung der political correctness) geht, als um das große Ziel „Frieden“.

Ich stelle dabei im linken Lager generell, und darüber hinaus, immer mehr eine schablonenhafte Kleinkariertheit und korinthenköttelnde Spießbürgerei fest, die ein Gefühl von klaustrophobischer Enge vermittelt. Ja, ich habe sogar das Gefühl, dass diese besondere Form des „Gutschreibs“ dem Denken und präzisen Formulieren abträglich ist.

So geht es im Afghanistan-Krieg auch nicht um „Fremdenfeindlichkeit“ (eine Schablonen-Vokabel: der Afghanistan-Krieg wird ja nicht im Inland geführt), sondern es geht um Menschenfeindlichkeit.  Töte und vernichte ich anderes menschliches Leben, so töte ich das, was mich mit allen Menschen verbindet: das Menschliche in mir. Daraus folgt, dass die im Krieg übliche und geforderte Menschenfeindlichkeit sich letztlich gegen beide Seiten richtet, gegen „Freund“ und „Feind“.

Ich habe im folgenden den roten Ergänzungs-Filzstift angesetzt. Wenn schon gendern – dann richtig ändern! Und nach der Korrektur dann, der von Gender-Kleingeist befreite Aufruf, wie ich ihn schreiben würde…

www.afghanistandemo.de

Kommilitoninnen und Kommilitonen,
am 20.02. wird die Bundesregierung im Bundestag beantragen, die deutschen Truppen um 850 SoldatenInnen aufzustocken und setzt damit ihre Politik der Eskalation und Militarisierung in Afghanistan fort. Uns und ihnen muss klar sein: je mehr Militärpräsenz die Bundeswehr in Afghanistan zeigt und je öfter dabei wie in Kundus offensive Gewalt von deutschen SoldatenInnen ausgeht, desto mehr wird der militante Widerstand gegen die Besatzung in Afghanistan zunehmen. Dabei wird auch die massenhafte Ausbildung von SoldatenInnen und PolizistenInnen im Schnellverfahren nichts nützen.
Deshalb sagen wir: *Kein(e) SoldatIn mehr!* Das Leben deutscher BügerInnen darf nie wieder gegen das von ZivilistInnen, SoldatInnen und WiderstandskämpfernInnen ausgespielt werden. Im Kriegszustand gedeihen soziale Ungerechtigkeit, Armut und Fremdenfeindlichkeit. Deshalb rufen wir auf, am 20.02. euren Widerwillen gegen den Kriegseinsatz auf die Straße zu tragen und damit den Bundestagsabgeordneten zu zeigen, wie sie zu entscheiden hätten, wenn es wirklich nach uns ginge. Lasst uns zeigen, dass der Protest gegen den Krieg immer noch ein wichtiger Teil der Studierendenbewegung ist und sich mit anderen für uns wichtigen Themen wie dem Bildungsstreik, Krisenprotesten und Globalisierungskritik verknüpfen lässt!
Bundesweiter Protest
20.02.2010, 13:00 Uhr, Bebelplatz, Berlin

Jetzt (mit Verlaub) meine Version:

Kommilitoninnen und Kommilitonen! Berliner! Landsleute!
Am 20. Februar wird die Bundesregierung im Bundestag beantragen, die deutschen Truppen um 850 Soldaten aufzustocken und setzt damit ihre Politik der Eskalation und Militarisierung in Afghanistan fort.

Uns muss klar sein: je mehr Militärpräsenz die Bundeswehr in Afghanistan zeigt und je öfter dabei, wie in Kundus, deutschen Soldaten offensive Kampfhandlungen befohlen werden, desto mehr wird der militante Widerstand gegen die Besatzung in Afghanistan zunehmen. Dagegen wird auch die massenhafte Ausbildung von Soldaten und Polizisten im Schnellverfahren nicht helfen.

Deshalb sagen wir: Keine Soldaten mehr! Das Leben deutscher Soldaten darf nicht gegen das von Afghanen ausgespielt werden, die jedes Recht dazu haben, ihr Land von fremden Truppen zu befreien.

Mehr Truppen für mehr Krieg lösen keine Probleme, sondern schaffen hunderttausendfaches Leid, Tod und Verderben. Hinterbliebene von getöteten Afghanen, Witwen Waisen, Traumatisierte, Verkrüppelte, Verstümmelte und Vertriebene werden zu Feinden ausländischer Soldaten. So lässt sich kein Mehr an Sicherheit erzielen.

Mehr Truppen – das ist das falsche Signal! Das Gebot der Stunde ist: Truppen abbauen und  immer mehr zivile Aufbauhelfer einsetzen!

Krieg löst kein einziges Problem. Krieg ist DAS Problem.
Mehr Krieg für mehr Frieden — das ist DIE Lüge schlechthin.

Deshalb rufen wir auf, am 20.02. euren Widerwillen gegen den Kriegseinsatz auf die Straße zu tragen und damit den Bundestagsabgeordneten zu zeigen, wie sie zu entscheiden hätten, wenn es wirklich nach uns ginge.
Lasst uns zeigen, dass der Protest gegen den Krieg ein wichtiges Anliegen der Studierendenbewegung ist und mit anderen für uns wichtigen Themen wie dem Bildungsstreik, Krisenprotesten und Globalisierungskritik verknüpft ist!
Bundesweiter Protest, 20.02.2010, 13:00 Uhr, Bebelplatz, Berlin

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6 Antworten zu “En und Innen protestierenInnen gegen den Krieg (SoldatenInnen) in Afghanistan”

  1. Föhnix sagt:

    Danke, danke, danke!!!

    Für solche Frauen, die sich mutig und aufklärerisch ihren GeschlechtsgenossenInnen (Autsch ;-)), sowie deren unterwürfigen Geschlechtsopponenten entgegen stellt soll’s bitte Schwärme von roten Rosen regnen!

  2. Föhnix sagt:

    Siehe auch „Sprachfeminismus in der Sackgasse“:
    http://www.bruehlmeier.info/sprachfeminismus.htm

  3. Föhnix sagt:

    Zur Friedensbewegung und den Friedensdemos: gegen Krieg immer gern! Aber dann bitte auch gegen ALLE Kriege Position beziehen (nicht so, als ob es verwerflichere und edlere Kriege gäbe). Kriegsvorbereitungen gegen Iran und Venezuela werden allzu gern ignoriert, wenn nicht gar unterstützt. Gaza muss auch auf der Tagesordnung bleiben, natürlich auch der Irak, Pakistan, Uranmunition…

  4. Friederike Beck sagt:

    Danke für den Hinweis, ein wirklich guter Artikel! Grüße!

  5. eigenenmeinung sagt:

    hey,
    zivile aufbauhelfer. die bringen dir viel wenn sie ohne gegenwehr weggebombt werden, am besten noch in zivilen, ungepanzerten fahrzeugen? das macht ungefähr soviel sinn wie nicht auf bewaffnete afghanen schießen.

  6. archelys sagt:

    Terrorgie

    Einst verstanden uns`re Ahnen
    sich recht gut mit den Afghanen.
    Könnten wir es heut` noch wagen,
    ihnen Freundschaft anzutragen ?
    Sind wir nicht zu sehr verquickt,
    in des Teufels Plan verstrickt ?

    Heuchelnd wird es zugelassen,
    dieses über alle Maßen
    hinterlistig falsche Spiel.
    Irgendwann ist es zuviel…
    Dann wird auch dem Letzten klar,
    was daran verdorben war.
    /HM

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