Im Notfall Nudeln

Im Notfall...

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Es wird allmählich doch etwas auffällig: Letzten Dienstag verkündete ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin, es werde geprüft, ob nicht nur Getreide, Reis, Erbsen, Linsen und Milchpulver, sondern auch Nudeln, Mehl und Fertiggerichte für Katastrophenfälle eingelagert werden sollen.

Heute dann wird z. B. auf der 1. Seite des Bonner GA empfohlen, auch privat vorzusorgen und eine Notfallreserve anzulegen und dazu Tipps gegeben („Nudeln im Notfall“, 4.5.2010):

„Der Krisen-Speiseplan für zwei Wochen könnte nach Empfehlung der Bundesregierung so aussehen:
1 Kilo Vollkornbrot, 1 Kilo Knäckebrot, 250 Gramm Zwieback, 1 Kilo Kartoffeln, 750 Gramm Hafer- oder Getreideflocken, 400 Gramm Nudeln, 250 Gramm Reis. Dazu sollten Konserven kommen: Erbsen/Möhren, Rotkohl, Sauerkraut, Spargel, Mais, Pilze, Saure Gurken, außerdem Obst in Gläsern und Dosen, Streichfett, H-Milch und Hartkäse. An Getränken werden je 12 Liter Mineralwasser und Stilles Wasser sowie 250 Gramm Kaffee, 125 Gramm Schwarzer Tee und etwas Zitronensaft empfohlen. Je nach Belieben können noch Salzstangen, Ravioli und Marmelade dazukommen.“

Ankauf und Kontrolle der staatlichen Notfallreserven obliegt dem Bundesinstitut für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Bonn. Bei diesen Reserven handelt es sich konkret um eine „Zivile Notfallreserve“, welche aus Reis, Erbsen, Linsen, Kondensmilch und Vollmilchpulver besteht sowie um um eine „Bundesreserve Getreide“, die aus Weizen und Hafer besteht. Die Lagerungsorte sind theoretisch geheim, praktisch wird das Getreide jedoch in der Nähe großer Mühlen gelagert, da es vor der Ausgabe ja noch gemahlen werden müsste. Auch Kondensmilch und Milchpulver lagern in Hallen in der Nähe ihres Herstellungsortes.

Getreidelager

Getreidelager

Laut einer dpa-Meldung lagern „an etwa 100 geheimen Standorten in Deutschland lagerten derzeit unter anderem 600.000 Tonnen Getreide und 39.000 Tonnen Erbsen und Linsen.“ (dpa)

Genaueres erfährt man beim BLE unter „Ernährungsvorsorge“:

„Dafür lagern an rund 100 geheimen Standorten bundesweit verteilt 435.000  Tonnen Weizen, 145.000 Tonnen Hafer und 20.000 Tonnen Roggen. Dazu kommen 65.000 Tonnen Reis, 39.000 Tonnen Erbsen und Linsen sowie 6000 Tonnen Kondensmilch und 200 Tonnen Vollmilchpulver. Bis zu 10 Jahre sollen die Lebensmittel gelagert werden können, Kondensmilch wird dagegen in Zusammenarbeit mit der Industrie ständig ausgetauscht. Im Ernstfall würden das Technische Hilfswerk oder andere Hilfsorganisationen, aber auch die Bundeswehr die Notrationen verteilen – per Lastwagen, weil die meisten Lager laut Agrarministerium keinen Gleisanschluss haben.[...] Mit Ausnahme von Kondensmilch erfolgt die Lagerung in Hallen, die von gewerblichen Lagerhaltern betrieben werden. Die Kondensmilch wird in sogenannten Werkslagern des entsprechenden Herstellers der Ware bevorratet. Zur Vergabe der Lagerung werden im Wege von Ausschreibungsverfahren Verträge geschlossen. Die ausgewählten Lagerobjekte erfüllen besondere Voraussetzungen, die sich aus dem Auftrag der Ernährungsvorsorge ergeben. So wird darauf geachtet, dass die Lagerung einerseits in kleinen Einheiten am Rande der Ballungsgebiete erfolgt und andererseits über das gesamte Bundesgebiet verteilt ist.“

Die BLE verwaltet auch Lebensmittel- und Milchkarten.
„Infolge einer außergewöhnlichen Notsituation ist auch ein längerer Engpass bei wichtigen Grundnahrungsmitteln
nicht auszuschließen. Soweit ein Ausgleich über andere Maßnahmen nicht erreicht werden kann, muss staatlicherseits für eine gerechte Versorgung der Bevölkerung mit diesen knappen Nahrungsmitteln gesorgt werden. Verbraucherkarten dienen hierbei als Berechtigungsnachweis zum Einkauf knapper Nahrungsmittel in beschränkten Mengen. In Vorbereitung auf einen solchen Fall wurden seitens des Bundes Lebensmittel- und Milchkarten angeschafft, die in den Ländern dezentral gelagert werden. Die BLE übernimmt Organisations- und Verwaltungsaufgaben im Zusammenhang mit diesen Beständen.“

Beruhigend zu wissen, dass das BLE bei mir um die Ecke ist – ich geh dann aber trotzdem mal Nudeln kaufen!

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4 Antworten zu “Im Notfall Nudeln”

  1. [...] Es wird allmählich doch etwas auffällig: Letzten Dienstag verkündete ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin, es werde …(becklog.zeitgeist-online.de) [...]

  2. Hanno Beck sagt:

    Eine verschwenderische Überorganisierung, oder?

    Im äußersten Notfall, wahrscheinlich gibt es keine nette Hilfsorganisation, um diese Geheimläger zu finden und eine ordentliche Verteilung zu machen; das ist nur ein fröhlicher und unrealisticher Wunschtraum. Das Ergebnis — entweder Hunger (wenn niemand findet die heimliche Vorräte, die ihre Steuergeld schon lange gekauft hat) oder chaotische Gewalt (wenn alle finden die Geheimläger).

    In den USA behält jeder Haushalt seinen eigenen Notfallsschrank (oder nicht, auf Wunsch; es gibt kein Gesetz darüber). Bei dieser einzige Fall scheint es, daß Amerika ein besseres System als Deutschland hat. Eine Ausnahme.

  3. Wir betreiben seit einiger Zeit eine Webseite zum Thema Krisenvorsorge, auf der es auch genau um solche Themen geht. Ein kleiner Krisenvorrat an Lebensmitteln und dringend benötigten Dingen zu Hause. Viele Menschen ignorieren dies aber und verlassen sich auf staatliche Hilfe. Die Gefahr einer schlechten Versorgungslage schein den meisten viel zu unrealistisch zu sein. Ich finde die staatliche Krisenvorsorge für die Bevölkerung ist sinnvoll. Noch besser ist es, wenn die Bevölkerung selbst zusätzlich zu Hause einen Nahrungsmittelvorrat aus Langzeitlebensmitteln hat.

    Für mehr Infos: http://www.mr-krisenvorsorge.de/

  4. Wir betreiben seit einiger Zeit eine Webseite zum Thema Krisenvorsorge, auf der es auch genau um solche Themen geht. Ein kleiner Krisenvorrat an Lebensmitteln und dringend benötigten Dingen zu Hause. Viele Menschen ignorieren dies aber und verlassen sich auf staatliche Hilfe. Die Gefahr einer schlechten Versorgungslage schein den meisten viel zu unrealistisch zu sein. Ich finde die staatliche Krisenvorsorge für die Bevölkerung ist sinnvoll. Noch besser ist es, wenn die Bevölkerung selbst zusätzlich zu Hause einen Nahrungsmittelvorrat aus Langzeitlebensmitteln hat.

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