Chef der Deutschen Bank möchte nicht ermordet werden (wie Alfred Herrhausen)

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Ackermann: So nicht! (Quelle: www.neue-solidaritaet-com)

Am 13.5. unterhielt sich Maybrit Illner mit Josef Ackermann, dem Vorstandschef der Deutschen Bank. Die ZDF-Sendung stand unter dem Motto: „Retten wir den Euro oder die Spekulanten, Herr Ackermann?“

Dr. Josef Ackermann, der Schweizer Oberst auf dem Thron der Deutschen Bank, Deutschlands größtem global engagierten Kreditinstitut (Gewinn im 1. Quartal 2010: 2.800.000.000 Euro dank Investmentbanking) ist gleichzeitig Vorsitzender des internationalen Bankenbundes „Institute of International Finance“, der 350 Mitglieder in über 60 Länden hat.

Bis 1989 war die Deutsche Bank noch nicht am Investment-Banking beteiligt: Kapitalrendite von 25 % hätten damals noch als unseriös gegolten.

Den ersten Schritt in diese Richtung tat in Deutschland seinerzeit Alfred Herrhausen, der damalige Vorstand der Deutschen Bank, mit der Übernahme der britischen Investment-Bank  Morgan Grenfell.

Das Investmentgeschäft, also der Handel an den Finanzmärkten mit vielerlei „Wertpapieren“ ist amerikanischer Herkunft innerhalb des dortigen Trennbankensystems – im Gegensatz zum deutschen Universalbankensystem, das alle Bank- bzw. Finanztätigkeiten abdeckt.

Die Sendung von Maybrit Illner, die immer wieder von kurzen Features unterbrochen wurde, stand unter dem Thema 750- Milliarden-Garantien, Griechenland-Rettungspaket – für wen eigentlich? Für die Banken bzw. Spekulanten oder für die Griechen? In der Tat hatten allein deutsche Banken in den letzten Jahren Kredite in Höhe von  34 (oder 50?) Mrd.  an Griechenland vergeben. Davon fallen allein 9,3 Mrd. auf die verstaatlichte  Hypo Real Estate (HRE), die letzten Monat erst wieder eine Millardenstützung aus dem Bankenrettungsfond benötigte – und die teilverstaatlichte Commerzbank (mit 2,1 Mrd.).

Nach etwa zehn Minuten Schlagabtausch mit dem stets lächelnden Ackermann kam Illner auf das naheliegende Thema: Ja warum denn Griechenland nicht umschulden – Stichwort Schuldenerlass – wie schon so oft bei Ländern, vorwiegend der Dritten Welt, praktiziert? Da antwortete Ackermann einfach mit „linke Tasche/ rechte Tasche“ . Ein dezenter Hinweis darauf, dass in beiden Fällen einer zahlen würde: Nämlich der deutsche Steuerzahler.

Noch interessanter war jedoch das einleitende Feature, was sich mit Alfred Herrhausen beschäftigte. Dieser hatte sich seinerzeit für einen teilweisen Schuldenerlass bzw. Forderungsverzicht für total überschuldete Länder wie damals z. B. Mexiko stark gemacht. Ein an sich naheliegender Ansatz, da man ja den Wirtsorganismus, aus dem man noch Blut saugen möchte, nicht gleichzeitig erdrosseln sollte. Herrhausen erntete jedoch damals bei seinen Bankerkollegen aus dem angelsächsischen Raum Wut und Ablehnung. Bei einem einschlägigen Treffen in Washington fürchtete er sogar einmal um sein Leben, wie er seiner Frau berichtet haben soll.

Viele werden sich an den 30.11.1989 erinnern, als Herrhausens Auto von einer Bombe zerrissen wurde. Sein Fall gilt bis heute als ungeklärt, obwohl man ihm schnell ein RAF-Etikett anklebte, eine hypothetische dritte RAF-Generation habe zugeschlagen.

Herrhausen war damals einer der bestgeschützten Menschen der Bundesrepublik. Merkwürdigerweise konnte jedoch der Sicherheitsdienst der Deutschen Bank das Unglück nicht verhindern. Niemand hatte tagelange Bauarbeiten an der Anschlagsstrecke als Problem erkennen können.

Aber zurück zum Thema: Illner fragte Ackermann nach dem Feature über Herrhausen, warum denn im Falle Griechenland  nicht eine etwaige Umschuldung bzw. einen Forderungsverzicht in Erwägung gezogen werde. Darauf antwortet Ackermann (etwa ab Minute 12:40), und ich musste mir den Film in der ZDF-Mediathek mehrmals ansehen, um es glauben zu können:

Ich glaube, es wäre mir gegangen wie Herrn Herrhausen.“

Diese Antwort ist in wirklich vielerlei Hinsicht interessant und sollte nicht im Getriebe übersehen werden!

Wer sich auf die Schnelle über den Fall Herrhausen informieren möchte, sei dieser Link empfohlen.

Ansonsten gilt natürlich der neu aufgelegte Klassiker zum Thema von Gerhard Wisnewski u. a.: Das RAF-Phantom (Droemer Knaur, 2008)

P. S.: Beim Googeln des Todestages von Alfred Heerhausen, dem 30.11.1989, fiel mir noch auf, wie gefährlich doch dieser Tag zu sein scheint. Exponierten Personen des öffentlichen Lebens sollte man empfehlen, an diesem Tag konsequent zu Hause zu bleiben und keinesfalls ein Auto zu besteigen:

  • 30.11.2009: Bombenanschlag auf den russischen Newski-Express“
  • 30.11.2008: Anschlag in Mumbai
  • 30.11.2008: Anschlag auf den deutschen Militärattaché in Afghanistan
  • 30.11.2007: Die britische Inneministerin warnt vor Anschlägen mit schmutzigen Bomben
  • und gespiegelt:
  • 11.03.2004: Bombenanschläge von Madrid
  • 30.11.1989: Alfred Herrhausen ermordet

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4 Antworten zu “Chef der Deutschen Bank möchte nicht ermordet werden (wie Alfred Herrhausen)”

  1. [...] Print & Online] Chef der Deutschen Bank möchte nicht ermordet werden (wie Alfred Herrhausen) Am 13.5. unterhielt sich Maybrit Illner mit Josef Ackermann, dem Vorstandschef der Deutschen Bank, [...]

  2. Hallo Friederike,

    der Herrhausen- Satz von Ackermann, der den Grinsemann gibt, aber einer ist der weit hinter den Kulissen agiert (Lenkungsausschuss Bilderberg) ist in der Tat bemerkenswert, passt doch die “Ontologie” die er vermittelt, so gar nicht in den Kontext. Hier lüftet ein Insider mal kurz den Schleier, und lässt ahnen, dass ein Grossteil der Ereignisse von denen gestaged wird, so dass es einem eiskalt den Rücken runterläuft. Diese mixed messages und das, was Lem mal “ontologischen Inzest” also das Zusammenfügen von verschiedenen Wirklichkeiten, genannt hat, scheint mir unter anderem auch einer ziemlich ausgeklüglten Verwirrungsstrategie zu entstammen, an der wir wohl noch lange zu knabbern haben.
    In wieweit weisst du schon von der Geldschöpfungsthematik?
    Deutsche Bank wird zB dieses Jahr schätzungsweise 18 Mrd. Zinsen allein für deutsche Staatsanleihen einnehmen, die sie hält.
    Und womit hat sie die eingekauft? Mit Geld, dass sie sich vorher für umsonst von der EZB hat aufs Konto klixen lassen! (mehr kann ich dir bei Bedarf darüber erzählen).
    Nun, wohin verschwindet denn dieser problemlose Gewinn in der Bilanz, sodass nur noch 2 Mrd. übrigbleiben??? Vielleicht weisst du was darüber.
    Dein Artikel Dossier Guttenberg ist absolut spitze, Profi-Journalismus.
    Wir würden den gern auf unserer in constr. Seite “Infowar Europe” reinstellen, hättest du vielleicht auch ne engliche Übersetzung?
    Liebe Grüsse Raphael .

  3. theokrates sagt:

    mit ackermann möcht ich nicht tauschen,- nicht für alles geld der welt!—die rübe wird garantiert so oder so nicht am stück beerdigt!—viel feind-viel ehr!—muß man mit rechnen, wenn man seine blöde fratze ständig überall herumzeigt!—-der preis der macht!—-begrenzte lebenserwartung,- ich denk das weis der auch!—hat doch auch bisher ein schönes leben gehabt…..na also!—–wenn der abserviert ist kommt der nächste gierige obermacker,–die wachsen ständig nach…da ist kein mangel,—also—erstklassig bezahlter job mit sehr begrenzter lebensdauer—ist okay.–herrhausen war schade, aber absehbar- der war zu gut für diese welt,- deshalb wirds bei ackermann wohl etwas länger dauern.

  4. Hünefeld sagt:

    Alfred Herrhausen war nur einer in einer langen Kette der Opfer die getötet wurden. Der muss weg!- ist der leidenschaftlichste Spruch der Hochfinanz. Unter Anderen, John.F.Kennedy mußte weg nachdem er REGIERUNGSEIGENES GELD = “Unitet States Note”(ohne Staatschuld) emittiert hatte. Da war die Hochfinanz richtig sauer, denn das Geschäft mit den ständig wachsenden leistungslosen Einkommen aus Zinsen wollten sie sich nicht entgehen lassen. Das Geld der privaten FED =”Federal Reserve Note” verteilt Leistungen von fleißig nach reich weil es an den Staat verliehen wird. Mit dem Zins verschwinden immer größere Leistungsteile der arbeitenden Menschen. Auch Menschen die nicht einen Euro Schulden haben zahlen mit jedem Euro den sie ausgeben an die Gläubiger. In den Preisen sind die Zinsen der Unternehmer enthalten und das sind immerhin im Durchschnitt 40%. Bei Lebenshaltungskosten von 1000 Euro zahlt der Bürger 400 Euro an Zinslasten. Wie viel Zinseinkünfte haben Sie im Monat dagegen zu setzen? 90% der Bevölkerung sind Verlierer des zinsgesteuerten Geldsystems. Lest bitte nach: “Das Geldsyndrom” von Helmut Creutz Dort werden auch Lösungswege vorgeschlagen. Es ist ein Buch mit soliden Grundwissen für jeden Bürger.

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