Bild dir deine Meinung: Finkelstein versus Pollak über den Gaza-Vorfall

Norman Finkelstein: streitbar, umstritten

Norman Finkelstein: streitbar, umstritten (Quelle: Ben Heine, Tlaxcala)

Im Fernsehkanal von “Russia Today” wurde kürzlich eine heftige Debatte zum Thema “Gaza – wer ist schuld?” ausgestrahlt:

Dabei ging es hoch her zwischen Professor Norman Finkelstein, Politikwissenschaftler und Sohn von Holocaustüberlebenden, Autor von “Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird” und “Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte” und (sein jüngstes Buch) “A Farewell to Israel: The coming break-up of American Zionism” (deutsch: “Ein Lebewohl an Israel: Das bevorstehende Auseinanderbrechen des amerikanischen Zionismus”, noch nicht übersetzt) und Daniel Pollak, Co-Direktor der Zionistischen Organisation Amerikas für Regierungsbeziehungen.

Hier einige Kernaussagen der beiden Kontrahenten:

Finkelstein (F): “Israel hat sich schwerer Verbechen schuldig gemacht. Die Gaza-Blockade ist ein eklatanter Verstoß gegen internationales Recht.”

Pollak (P): “Das Embargo und die Inspektion von Waren mit Ziel Gaza sind völlig legal.” Israel habe ein legales Recht, sich zu verteidigen, da die Hamas in Gaza herrsche und zum Töten von Juden aufgerufen habe.

Bekanntlich war ein Hilfskonvoi mit 10.000 Tonnen Hilfsgütern und ca. 800 Menschenrechtsaktivisten an Bord in internationalen Gewässern von Spezialtruppen geentert worden. Dabei sei es aus israelischer Sicht zu Provokationen gegen das israelische Militär gekommen, die mit dem Tod von 9 Aktivisten endeten. Die Bewegung “Free-Gaza” hatte immer wieder betont, dass es völlig illegal sei, 1,5 Millionen Menschen zu belagern, auszuhungern und einer kollektiven Strafe zu unterziehen.

F: “Israel hat überhaupt kein Recht ein humanitäres Hilfsschiff daran zu hindern, zu versuchen eine Bevölkerung zu versorgen, die sich nach den Worten von Amnesty International einer humanitären Krise gegenüber sieht.” Er könne nicht verstehen, warum die Marine für einen bewaffneten Überfall mitten in der Nacht optiert hätte, statt die Schiffe einfach manövrierunfähig zu machen oder auf See einzukreisen.

P: “Man hatte den Schiffen angeboten, ihre Ladung im israelischen Hafen Aschod zu löschen. Wenn sie das getan hätten, hätte es keine Gewalt gegeben. Fünf der sechs Schiffe haben den israelischen Kommandos keinen Widerstand geleistet als sie landeten, und auf diesen Booten gab es keine Gewalt. Eigentlich haben wir überhaupt keinen Bedarf, irgendwelche besonderen Untersuchungen anzustellen.”

Die Videoaufnahmen der Schiffe zeigten, dass die israelischen Truppen “Farbgewehre” (paint guns) auf dem Rücken trugen und “von Terroristen empfangen wurden, die sie mit Messern und  Stöcken schlugen und einen israelischen Soldaten sieben Meter von einem Deck zum darunterliegenden hinunterstießen. Erst nachdem ihr Leben in Gefahr war, haben die israelischen Soldaten mit Gewalt reagiert.” Die Option, dass Schiff manövrierunfähig zu machen, hätte das Potenzial gehabt, für die Personen an Bord noch gefährlicher zu sein.

F: “Sie sagen, die Videos zeigen klar das und zeigen klar das. Wessen Videos? Es gab eine Menge Menschen auf diesem Boot. Warum wurden ihre Kameraausrüstungen beschlagnahmt? Warum wurden ihre Videoaufnahmen konfisziert? Warum wurden ihre Bildbeweise beschlagnahmt? Was wir haben, ist nur die israelische Version davon, was passiert ist. Wir haben die Videos noch nicht, aber vielleicht morgen. Wir haben noch nicht die Version oder die Videobeweise der Passagiere auf dem Boot. Wenn Israel nichts zu verstecken hat, warum beschlagnahmt es alle Bildbeweise der Schiffspassagiere?”

Pollak hält dagegen, die Videos hätte man beschlagnahmt, um zu verhindern, dass Aktivisten auf dem Boot, die Beweise verfälschen könnten. Zum unstrittigen Punkt der Tatsache, dass der Überfall in internationalen Gewässern stattfand, sagte Pollak, die Schiffe hätten sich “geweigert, den legitimen Anweisungen” der israelischen Marine zu folgen.

F: “Das wissen Sie gar nicht. Was wir aber wissen, ist, dass es der Überfall eines bewaffneten Kommandos mitten in der Nacht  in internationalen Gewässern war. Was danach geschah, kann ich Ihnen erzählen. Aber ich würde ganz sicher der israelischen Regierung kein Wort glauben.”

Nachfolgend der Link zum oben zusammengefassten “Schlagabtausch”: http://rt.com/Top_News/2010-06-04/flotilla-gaza-finkelstein-pollak.html

Und hier noch ein weiteres Interview von Russia Today mit Professor Finkelstein, in dem er noch heftiger wird und die Frage stellt, ob die 200-300 Atombomben in Israel wirklich noch “sicher” sind.

Ein weiterer heftiger Schlagabtausch hier.

Finkelsteins offizielle Hausseite hier.

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Eine Antwort zu “Bild dir deine Meinung: Finkelstein versus Pollak über den Gaza-Vorfall”

  1. [...] Dazu empfehlen wir nochmals den gestern veröffentlichten Artikel von Uri Avnery sowie die Leseempfehlungen zum Themenschwerpunkt Israel/Palästina. Dort finden Sie genügend Argumente und Aussagen, die Herrn Kramers Wortmeldung als die Propaganda entlarven, die sie nun einmal ist. Zusätzlich, sozusagen als TAZ-interne Gegenstimme, empfehlen wir auch den aktuellen Beitrag zur „Debatte unser Israel“ von Muriel Asseburg mit dem Titel „Deutsche nach Gaza?“ (Jeder Einsatz von Gewalt sollte konsequent sanktioniert werden). – Sehr interessant ist auch ein „Russia Today“ Interview, bei dem es zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Prof. Norman Finkelstein und dem „Co-Direktor der Zionistischen Organisation Amerikas für Regierungsbeziehungen“ (vielsagender Organisationsname, oder?) Daniel Pollak kam … gefunden auf Friederike‘s Blog! [...]

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