Biene Maja schlägt Alarm: Deutsche Imker sterben aus!

Biene Maja; Quelle Wikimedia CommonsIm Prinzip wissen wir wohl alle, wie wichtig die Honigbienen sind. Aber die Zahlen sind dennoch immer wieder beeindruckend:

  • 80 % unserer gesamten heimischen Blütenpflanzen werden von Honigbienen bestäubt.
  • Ohne den Beitrag der Bienen würde der Ertrag im Obstanbau z. B. um 75 % sinken. Bienen bestäuben u. a. Stein- und Kernobstbäume, Beerensträucher, Raps, Erbsen, Bohnen, Klee, Luzerne, Kohl, Möhren und alle Arten von Blütenpflanzen.
  • Daher bemisst sich der Wert der Bienen nicht nur an ihrer Honigleistung, sondern an ihrer Bestäubungsleistung und damit an ihrem Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt.
  • Um den Nektar für 1 Pfund Honig einzusammeln, legen die Honigbienen eine Strecke zurück, die dem dreifachen Erdumfang entspricht.
  • Deutsche Bienen (z. Zt. zu erkennen an den schwarz-rot-goldenen Fühlerschonern) decken mit ihrer Arbeit ca. 20-25% des deutschen Honigbedarfes.
  • Jeder Deutsche isst durchschnittlich 1,3 Kilogramm Honig im Jahr

Über 80.000 Imker gibt es derzeit noch in Deutschland, sie haben aber, und das ist besorgniserregend, ein Durchschnittsalter von 65 Jahren. Es fehlt an Nachwuchsimkern und -innen.

1952 gab es allein in Westdeutschland noch 182.000 Imker mit 2,1 Millionen Bienenvölkern.

1972 waren es noch 87.100 Imker mit über einer Million Völkern.

Die letzte Zählung des Deutschen Imkerbundes mit Sitz in Wachtberg bei Bonn im Jahr 2009 ergab eine Zahl von 81.500 Mitgliedern mit rund 614.000 Völkern.

Ein insgesamt besorgniserregender Trend!

Bienen waren in den letzten Jahren in die Schlagzeilen geraten. In den USA wurde in den Jahren 2006/2007 über ein mysteriöses Bienensterben berichtet und dieses sofort mit einem Schlagwort belegt: Dem “Colony Collapse Disorder” (CCD), zu Deutsch also “Bienenvölkerkollaps”. Besonders besorgniserregend erschien das schnelle Sterben der Bienen, ohne vorherige Krankheitssymptome: Sie kehrten einfach nicht mehr in den Stock zurück und verschwanden, ihre Brut und den Honig zurücklassend. In anderen Ländern wurde Ähnliches berichtet, jedoch nicht so ausgeprägt wie in den USA. Dort waren angeblich etwa die Hälfte aller US-Bundesstaaten mit Verlusten bis zu 80% aller Bienenvölker betroffen. (Eine Einbuße bei der Obsternte z. B. in Kalifornien blieb jedoch nachfolgend Gott sei Dank aus, was auch auf die Erhöhung der Standortprämien für Bienenstöcke und auf z. T. unklares Datenmaterial mit möglichen Übertreibungen zurückgeführt wird.)

Um das Bienensterben wird jedoch immer noch ein großes Geheimnis gemacht und viel über mögliche Ursachen spekuliert, dabei ist seit langem eins klar: Bienen mögen keinen Agrochemie und keine Monokulturen.

In den USA ist der Anbau von genmanipulierten Mais- und Sojamonokulturen vorherrschend, die bekanntlich eine höhere Pestizidtoleranz aufweisen. Die Pestizide für Maiskulturen etwa werden direkt in die Maisblüte gespritzt. Dass Bienen unter der Agrochemie schwer zu leiden haben, ist eine Binsenweisheit. Auch in Spanien berichteten mir Imker vom Verlust fast aller Völker nach Pestizideinsatz während der Orangenblüte.

Auch im Rheintal kam es 2007 zu einem „mysteriösen“ Bienensterben. Danach konnte aus Untersuchungen des Julius-Kühn-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) in Braunschweig bewiesen werden, dass ein Maissaat-Beizmittel namens Clothianidin verantwortlicht war.

So berichtete der Informationsdienst Wissenschaft 2008 über Ursachen des Bienensterbens im Rheintal vom Vorjahr: 2007 war erstmals der westliche Maiswurzelbohrer aufgetreten, woraufhin die EU in einer Richtlinie Quarantänemaßnahmen verordnet hatte. Diese bestanden in Teilen von Baden-Württemberg und Bayern darin, dass um die Fundstellen Befalls- und Sicherheitszonen eingerichtet wurden, in denen auf der gesamten Anbaufläche das Saatgut mit einer Extradosis des hochgiftigen Beizmittels versetzt wurde. Vermutlich maschinell wurde das Gift bei Einsäen in die Umwelt gebracht.

Oft berichten Imker von Bienensterben nach Behördenaktionen im Zusammenhang mit der Verbringung von Agrargiften in irgendeiner Region aus irgendeinem aktuellen Grund. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass das Bienenkollapssyndrom jeweils konkrete, durchaus nachvollziehbare Ursachen hat, und keineswegs so mysteriös war, wie es vielfach dargestellt wurde.

In einem sehr interessanten Bericht der ZEIT „Die Biene das Geld und der Tod“ vom 4.2.2009 sagt Peter Rotkranz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute und Forscher an der Universität Hohenheim sogar, Bienensterben sei ein durchaus altbekanntes Phänomen, “’Kahlfliegen heißt der Fachausdruck’. Der Hintergrund: ’Bienen sind treue Staatsdiener bis in den Tod.’ Wenn ihr Ende naht, fliegen sie weg. Ihr letzter Dienst entlastet das Volk von der Leiche und möglichen Keimen. Falls kranke Tiere nicht weichen, prügeln ihre Artgenossen sie aus dem Stock.”

Überhaupt ist die Situation in den USA mit der in Deutschland kaum vergleichbar. Während hier die Hobbyimkerei überwiegt, werden die Bienenköniginnen dort längst künstlich besamt. Die ZEIT weiter: “In den Monokulturen ist der Einsatz von Pestiziden Routine, auch die Bienen werden vorbeugend mit Antibiotika (etwa gegen Faulbrut) oder mit Pestiziden behandelt, beispielsweise gegen einen der größten Bienenfeinde, die Varroamilbe.”

Der Bonner GA berichtete am 25.6. in dem Artikel “Bienen schwärmen für die Stadt” ebenfalls von der Schwierigkeit der Summer und Brummer in ausgeprägten Monokulturen, z. B. dem großflächigen Maisanbau zur Biomassegewinnung, zu überleben. Denn auf dem Lande finden Bienen unter diesen Bedingungen oft kein durchgängiges, vielfältiges Nahrungsangebot mehr, sondern nur noch Blüten einer bestimmten Sorte in einem bestimmten Zeitfenster. Daher wird bei Imkern der Trend “Innenstädte” immer beliebter, die mit ihren Linden- und Akazienalleen und blühenden Gärten oft wahren Bienenparadiesen gleichen. Die Imker haben sogar die Friedhöfe für sich entdeckt, “die Bienen fühlen sich da richtig wohl.”

Auch in Berlin wird natürlich geimkert. Hier ein Interview von Nuoviso (Frank Höfer) mit dem Berliner “Großstadtimker” Thomas Handschuh.

Auch hinter dem ehemaligen Regierungsviertel in der Bonner Rheinaue gibt es inmitten von Bäumen ein Bienenhäuschen. Dort finden regelmäßig Imkertreffen und Vorführungen der Imkertätigkeiten auch für Kinder statt: Man kann lernen, Honigwaben vorsichtig mit einem Metallkamm zu öffnen und dann selbst in der Honigschleuder den Honig aus den Waben herausschleudern.

Ein aktuelles, sonst nicht zu findendes Honigangebot ist aufgrund des besonderen Baumbestandes des ehemaligen Bundesgartenschaugeländes die Honigsorte “Japanische Kirsche-Kastanie”: Im ersten Ansatz zuckersüß – fast gefährlich kirschig doch fein wie japanisches Porzellan, dann entwickelt sich ein volleres Bouquet auf der Zunge und gewinnt an Fülle. Im Nachgang wird es dann edel-bitter: Die Kastanienblüte gewinnt die Oberhand.

Ich drehe den Deckel des Glases mit der Aufschrift “Echter Deutscher Honig” und der charakteristischen Glasschraffur und einem Bienenstock samt Landschaft eingeschlossen in einer Bienenwabe, die reliefartig hervortritt – das papierne Echtheitssiegel zerreißt dabei knisternd. Ich wende den Deckel nach unten und entdecke darauf einige zartgelbe Honigtröpfchen, strecke meine Zunge heraus, um diese mit der Zungenspitze vorsichtig von der im Deckel liegenden Pappscheibe abzutupfen, da klappen meine Augäpfel ruckartig nach innen, denn im Deckel erscheint eine Botschaft für mich, irgendwas mit “Liebe” in roten Buchstaben, ich reiße mir die Pappscheibe wie eine Weitsichtige von der Nase weg und lese:

“Für eine neue Liebe
ist es nie zu spät”
Ah ja!
“Jetzt Imker/In werden
und Bienen halten.”
www.deutscherimkerbund.de

Nun, ich denke, aus diesem Grunde und vielen anderen, werden ich dann wohl bald „Imker/In“ werden.

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3 Antworten zu “Biene Maja schlägt Alarm: Deutsche Imker sterben aus!”

  1. Es ist ein fataler Irrtum, daß wir mehr Imker brauchen. Das ist der wohlbekannte 101Dalmatiner-Effekt, der nach Filmen oder wie 101Dalmatiner oder Findet Nemo auftritt. Plötzlich will jeder einen Dalmatiner oder einen lustigen Fisch haben – ohne jedoch zu überlegen, ob der künftige Tierhalter auch das Fachwissen mitbringt. Die Züchter werden überrannt, die Zoohandlungen gestürmt, aber ein Jahr später ist der süsse kleine Dalmatiner plötzlich ein großer Hund und die Tierheime füllen sich mit Hunden.

    Man tut nichts für Bienen, indem man sich einen Bienenstock kauft und diesen dann mangels Fachkenntnis verludern läßt. So wird man zu einer Infektionsquelle für die Nachbarschaft. Und von solchen Imkern haben wir mehr als genug.

    Was gebraucht wird, ist eine fundierte Ausbildung auch bei den Freizeitimkern. Ähnlich wie bei den Jägern oder Anglern sollte sich jeder angehende Imker erst einmal einer theoretischen und praktischen Ausbildung mit Prüfung unterziehen, bevor er auf die Bienen losgelassen wird.

    Bienen sind zu wichtig, als daß man sie zum Spielzeug verkommen lassen kann.

  2. Friederike Beck sagt:

    Der Aufruf, dass sich mehr jüngere Leute für die wichtige Imkerei interessieren sollten, kommt von den Imkern, Herr Maresch. Es versteht sich wohl von selbst, dass nur ein besonders törichtes Wesen sich “als Spielzeug” einen Bienenstock zulegen würde. Gibt es sowas überhaupt? Ich habe z. B. vor, mir überhaupt keine Bienenstöcke “kaufen und ggfs. verludern” zu lassen, sondern selbstverständlich erst einmal eine Ausbildung bei den Imkern der Umgebung zu absolvieren, eine Imker zur Hand zu gehen u. dann später ggfs. meinen Garten jemandem für Bienenstöcke zur Verfügung zu stellen. Wäre das o.k. für Sie?

  3. dirk sagt:

    Lieber Herr Maresch,

    in der Tat sind “wilde Imker” ein Problem, da sie Krankheiten verbreiten. Wenn ein Wildcat z.B. eine Faulbrut hat, sich nicht auskennt und womöglich mit seinen Völkern noch wandert wäre das der worsed case – und das ist sicherlich schon häufig vorgekommen.
    Aber das Problem gibt es schon seit vielen Jahren und es ist ein Problem, dass durch uneinsichtige alte Griesgrame verursacht wird, die keine ausreichende Krankheitsbehandlung durchführen etc. (das haben wir immer so gemacht ist die häufugste Antwort), die jungen hingegen sind in der Regel auf dem neuesten Stand.

    Die Jungimker, die heute in die Imkerei einsteigen sind überwiegend im Imkerbund organisiert. Sie nehmen im Gegensatz zu den alten Herren regelmäßig an Kursen teil. Auch sind die jungen in der Regel bereits nach wenigen Saisonen in Sachen Varoatosebehandlung und Früherkennung von Krankheiten und Seuchen viel weiter als ihre Kollegen im Rentenalter. Schlicht deshalb, weil sie besser vernetzt sind, Warnungen von Seuchenherden sie schneller erreichen und sie durch den Imkerbund eine heute bessere Ausbildung bekommen als in allen anderen Generationen. Zwar ist niemand Fehlerfrei und mir sind zu Beginn auch Fehler unterlaufen, aber in Sachen Varoabehandlung und Nosemaprävention lassen sich inzwischen die älteren Herren von mir beraten.
    Der Imkerbund braucht dringend Nachwuchs! Die Biene wird ohne Imker aussterben. Und wie lange sollen denn die alten Männer ihrer Ansicht nach noch machen? Unser Verein hat ein Durchschnittsalter von fast 70 und da drücke ich mit meinen 29 Jahren den Schnitt schon erheblich. Die Herren werden in den nächsten Jahren aufhören, weil sie es einfach nicht mehr können. Und dann gehen die 4000 von ihnen betreuten Völker einfach unter und das Wissen verloren, da niemand da ist, dem sie es weitergeben können . Sicherlich kein Einzelfall.

    Ich stimme Ihnen zu, dass wir keine Wildimker brauchen können. Die braucht niemand. Aber junge Leute, die ein ernsthaftes Interesse an der Bienenhaltung haben, sich bevor sie Tiere anschaffen über den Imkerbund ausbilden lassen und dann beginnen erste Erfahrungen zu sammeln um irgendwann nach ein paar Jahren vielleicht mehr als 20 Völker zu betreuen, die sind in der derzeitigen Situation Gold wert.

    Ohne den Imker stirbt die Biene in unseren Breitengraden aus. Das ist sicher und leider sterben im Moment bereits die Imker aus.

    Danke Frau Beck für ihren Blogbeitrag

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