Podiumsdiskussion zur “Compact”-Premiere in Berlin am 6. Dezember

Compact Nr. 1

Compact Nr. 1

Am 6. Dezember heißt es “fertig – los” für ein gewagtes publizistisches Experiment:

Der Startschuss für “Compact”, ein neues Monatsmagazin mit Jürgen Elsässer als Chefredakteur. Wer ihn und seine Aktivitäten kennt, weiß bereits, dass der bekannte Buchautor und Mitbegründer der “Volksinitiative” keine Berührungsängste hat und tatsächliche oder gefühlte Denkverbote ihn fast magisch anziehen.

Mit “Compact” soll offensichtlich versucht werden, eine schon lange gehegte Idee von einer “Querfront” (wohlgemerkt innerhalb des demokratischen Spektrums) ins Werk zu setzen. Diese publizistische “Kontaktaufnahme” könnte sich interessant gestalten: Denn Elsässer plant nicht nur Publizisten aus dem linken und rechten Spektrum an den (Redaktions) Tisch zu bitten – sondern, da man schon einmal dabei ist – sollen auch Muslime und Islamkritiker mit von der Partie sein.

Das Compact-”Menü” hat es also in sich, und man darf gespannt sein, wie sich die Herren (ist die Damenwelt nicht etwas unterrepräsentiert?) so in der Manege vertragen werden.

Aber: Ist in der schwierigen Medienlandschaft überhaupt Platz für ein neues Printmagazin? Die altbekannte Printlandschaft hat ja bekanntlich mit Auflageneinbußen zu kämpfen …

Falls man nicht gerade zum zufriedenen (Noch-)Abonnentenkreis allseits bekannter Nachrichtenmagazine gehört, wird man sich einen Neuzugang durchaus vorstellen können: Allzuviele belangvolle Themen wurden im Rahmen der freiwilligen Selbstzensur der Medien zu Reiz- und Tabuthemen erklärt und das interessierte Publikum mit jahrelanger Berichterstattungsverweigerung genervt. Darauf reagierte es verschnupft und mit Abstinenz und Leseverweigerung, was sich in den  sinkenden Auflagezahlen korrekt wiederspiegelt. Der anhaltende  Erfolg des Sarrazin-Buches bzw. der entsprechenden Debatte, zeigte beispielhaft, was passiert, wenn die Nase einmal gründlich durchgeblasen wird: Es lässt sich wieder freier atmen und diskutieren.

Auch wenn man nicht in allen Teilen  übereinstimmen muss, so war die besagte Debatte an sich doch der lang ersehnte “Plop”, der das Abgehen eines Pfopfes bezeichnete, den die “Qualitätsmedien”  im Namen der politischen Korrektheit auf so viele Dinge zu stopfen pflegen.

Vor diesem Hintergrund erscheint Compact plötzlich gar nicht mehr so gewagt: Wir haben es in Deutschland schließlich mit einem Lesepublikum zu tun, dass lange Jahre gefrustet wurde und gegenüber der politisch korrekten Presse Ermüdungserscheinungen zeigt. Gleichzeitig ist es zunehmend mündiger, selbständiger und besser denn je über das Internet informiert, was die Entfremdung von alten Lesegewohnheiten fördert – aber natürlich auch einen Risikofaktor darstellt.

Zur Premierenfeier in Berlin sind zeitgeist-Autor Oliver Janich, bekannt u. a. auch durch Artikel in “Focus-Money”, Journalist und Buchautor, Gründer der “Partei der Vernunft”, Sulaiman Wilms, Herausgeber der Islamischen Zeitung, und Dieter Stein (Chefredakteur der “Junge Freiheit” eingeladen. Kann sowas gutgehen?

Janichs “Partei der Vernunft” schlug unlängst im Zusammenhang mit “Stuttgart 21″ die Unabhängigkeitserklärung Baden-Württembergs oder ein Beitrittsgesuch an die Schweiz vor. Ein stark dezentraler Staat wird favorisiert.

Kann das Elsässer gefallen, der gerade für die Stärkung der europäischen Nationalstaaten und ihrer Instrumente gegenüber EU- und Finanzdikaturt plädiert? Kann Sulaiman Wilms ein Bundeskanzler Sarrazin, wie auf dem Titelbild von “Compact” Nr. 1 provokativ vorgeschlagen, gefallen? Er ist Herausgeber einer niveauvollen islamischen Zeitung, die sich, egal ob 11. September, Sarrazin-Debatte, Geldpolitik und Zinsproblematik oder Kulturelles, um einen erfrischend eigenen Standpunkt bemüht. Dieter Stein, Chef der Wochenzeitung “JF”, führt seinerseits seine Publikation in letzter Zeit immer mehr in wertkonservativ-katholische Gefilde, neben den ansonsten bevorzugten nationalkonservativen Weide-Gründen.

Welche Schnittmengen es da wohl gibt?

Die Links-Rechts-Arithmetik wird bekanntlich dazu benutzt, die anstehenden Probleme in unserem Land nicht zu lösen. Das Schema ist ein Herrschaftsinstrument in den Händen derer, die gerne hätten, dass sich nichts ändert. Und ein treffliches Mittel, Denkfaulheit, geistige Trägheit, ja Lähmung zu befördern: Lagerdenken ist geeignet, Probleme zu verfestigen und Lösungen zu verschleppen. Das heißt nicht, dass man nicht eine klare Meinung vertreten sollte. Was ist diese jedoch wert, wenn sie nie wirklich auf den Prüfstand kommt, nicht ernsthaft und ehrlich dem frischen Wind anderer widerstreitender, konkurrierender Ansichten ausgesetzt wird? Zitat “Compact”: “Wichtig ist nur: Die Tabus müssen fallen. Sonst stirbt dieses Land an intellektueller Austrocknung.”

Das Experiment beginnt am 6. Dezember um19:30 Uhr im Ratskeller Schmargendorf, 14199 Berlin (Nähe Ku’damm). Der Titel der Podiumsdiskussion zur Feier der Compact-Premiere lautet: “Sarrazin – der nächste Bundeskanzler? Was eine neue Volkspartei erreichen kann.”

Eine formlose Anmeldung beim Veranstalter wäre vermutlich angebracht.

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2 Antworten zu “Podiumsdiskussion zur “Compact”-Premiere in Berlin am 6. Dezember”

  1. Martin sagt:

    Ich bin der Ansicht, dass ein neues monatliches Magazin durchaus seine Chancen hat, zumal mit Jürgen Elsässer ein bekannter Redakteur dahintersteht. Erfreut stelle ich in gut sortierten Zeitungsregalen fest, dass sich Publikationen wie “Zuerst” und “Hintergrund” offensichtlich auch am Markt halten, wobei wohl ersteres sehr eisigen Gegenwind zu überstehen hat. Daraus leite ich ab, dass es sehr wohl Bedarf an gegen den Strich gebürsteten Zeitungen gibt. Nicht jeder tummelt sich schließlich im Internet.

    Aber ein Wort zu Sarrazin: Es ist bezeichnend für dieses Land, dass eine gewaltige journalistische und mit viel Werbeaufwand betriebene Kampagne aus dem Hause Bertelsmann verfängt, während authentische und praxisbezogene Schilderungen von einer Jugendrichterin mit Namen Heisig, beinahe geräuschlos hintenrüberfallen. Da fragt man einmal mehr: Qui bono?

  2. Friederike Beck sagt:

    Naja, Kirsten Heisigs Buch ist natürlich etwas anders gestrickt und nicht so ein “Opus” wie das Sarrazinsche. Außerdem ist die Ärmste ja leider verstorben. Dennoch hielt sich das Buch doch sehr lange auf Spitzenplätze. CUI Bonio, wem nützt es? Dss wird man noch sehen.

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