Libyen: Namensliste der Kriegstreiber

Wer gedacht hatte, der US-Neokonservatismus sei mit der Wahl Obamas abgedankt, hatte sich sehr geirrt. Allenfalls die Berichterstatung über die bewährte, rührige Gruppe dieser US-Denktanker und Sessel-Militärstrategen lässt in Deutschland zu wünschen übrig. Man möchte hierzulande den Menschen offensichtlich die unermüdlichen, feurigen Kriegstreiber nicht zumuten – denn das könnte das hehre Bild von den edlen, weißen Rittern, die erneut unterwegs sind, um demokratische Werte in der Welt zu verbreiten und insbesondere (nach bewährtem Muster) Zivilbevölkerungen zu schützen, etwas verwackeln lassen.

Halten wir also die Tränen der Rührung zurück und die Augen und Ohren dafür offen:

Here comes … PNAC. Das Projekt für ein Neues Amerikanisches Jahrundert.

Erinnern wir uns: Das berüchtigte Strategiepapier hatte 1997 u. a. eine Umgestaltung des Nahen Ostens gefordert. Das Vehikel war die „Idee“ (!) des Krieges gegen den Terror gewesen, der erste Dominostein der Irak.

Natürlich war damit die Neuordnung des Nahen Ostens nicht abgeschlossen – das „Projekt“ hatte viel Weitgehenderes gefordert. Aber sehen wir uns zunächst ein Video vom 20.3.2011 des Politikkommentators (“Fox News”) und Neocon-Publizisten William Kristol („The Weekley Standard“), Sohn des „Godfather of Neoconservatism“ Irving Kristol, an:

Darin fordert der einflussreiche Kristol ungeniert „eher früher als später“ Obama zum Einsatz von Bodentruppen in Libyen auf.

William Kristol, Neocon und "Weekley Standard" Herausgeber

William Kristol, Neocon und "Weekley Standard"-Herausgeber (links im Bild)

Der Moderator fragt Kristol: „Können wir mit Gaddafi, der noch irgendwie an der Macht ist, leben? Er kann eine Menge Probleme machen.“ Kristol: „Nein, wir können Gaddafi nicht an der Macht lassen. Und wir werden Gaddafi nicht an der Macht lassen.“

Die Frage ist: Wer ist „wir“? Offensichtlich nimmt Kristol für sich in Anspruch, für die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika zu sprechen und spiegelt damit einen hyperplasierten Neokonservatismus, der bisher in den USA immer seinen Willen gekriegt hat: Früher oder später kamen die Einsatzbefehle.

Aktuell glühen die Drähte des Neocon-Netzwerkes wieder rot, denn man ist bemüht, den US-Präsidenten zum Handeln anzutreiben. Dabei scheuen sich die bewährten und bekannten Kriegstreiber nicht, sich selbst als „unabhängige Experten“ zu bezeichnen.

Ein aktueller Artikel des Neocon-Zentralorgans„Weekley Standard“ vom 15.3.2011 von Daniel Halper, ist überschrieben: „Experten drängen Obama in Libyen zu handeln.“

„Eine unabhängige [!] Gruppe von Außenpolitik-Experten schickte heute einen Brief an Präsident Obama und drängte die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bei den Männern, Frauen und Kindern Libyens zu stehen, die eine Zukunft in Frieden und Würde wollen. […] Um Amerikas Sicherheit willen und seiner Glaubwürdigkeit bei den Menschen, die überall Freiheit suchen, bitten wir Sie, so schnell als möglich zu handeln, um sicherzustellen, dass das libysche Volk und die Welt wissen, dass wir willens sind, unsere Prinzipien mit Handlungen zu untermauern.

Unterzeichner sind u. a. Bill Kristol, Bob Kagan, Liz Cheney [Ehefrau Dick Cheneys] und Leon Wieseltier. Der Brief wurde von der Foreign Policy Initiative [Nachfolgeorganisation des PNAC] unterstützt.”

Das moralintriefende Gewinsel um Krieg und die groteske angebliche Sorge um „zivile Opfer“ möge sich, wer will, in voller Länge im Original durchlesen. Eine Million zivile Tote – Kollateralschäden im Irak, haben immunisiert.

„Lieber Präsident Obama: Bedauerlicherweise muss die Internationale Gemeinschaft noch ernsthafte Aktionen einleiten, um eine moralische und humanitäte Katastrophe in Libyen zu verhindern, die libysche Opposition ist jetzt in der Defensive […] Wir fordern Sie auch auf, die Option von gezielten Luftschlägen gegen Regimeeinrichtungen zu prüfen, um zu versuchen, weiteres Blutvergießen zu verhindern. Die Vereinigten Staaten sollten auch sofort den Libyschen Nationalen Übergangsrat anerkennen und aller notwendigen Aktionen einleiten, um dessen Anstrengungen zu unterstützen, das Gaddafi-Regime abzusetzen.
Mit freundlichem Gruß”

Stephen E. Biegun
Max Boot
Ellen Bork
Paul Bremer
Scott Carpenter
Elizabeth Cheney
Eliot Cohen
Seth Cropsey
Thomas Donnelly
Michele Dunne
Eric Edelman
Jamie Fly
Reuel Marc Gerecht
William Inboden
Bruce Pitcairn Jackson
Ash Jain
Robert Kagan
David Kramer
Irina Krasovskaya
William Kristol
Tod Lindberg
Ann Marlowe
Cliff May
Joshua Muravchik
Michael O’Hanlon
Martin Peretz
Danielle Pletka
John Podhoretz
Randy Scheunemann
Gary J. Schmitt
Dan Senor
William Taft
Marc Thiessen
Daniel Twining
Ken Weinstein
Leon Wieseltier
Rich Williamson
Damon Wilson

Mit dieser Unterschriftenliste erhält man einen recht guten Überblick über einen Gutteil des auch nach zwei desaströsen Kriegen (Irak, Afghanistan) ungebrochen einflussreichen Neocon-Netzwerks der USA.

William Kristol persönlich forderte in seinem Hausblatt “The Weekley Standard” am 17.3.2011 sofortige Aktionen gegen Libyen – Kriege brechen nicht einfach aus, ihnen gehen Konzepte („Projekte“) und publizistische Kampagnen voraus.

Titel: „Besser spät als nie. Konservative sollten die Obama-Regierung weiter dazu drängen, in Libyen zu handeln.“

Einige Zitate: „Ed Morrissey von Hot Air [ein Neocon-Forum] ist verständlicherweise wütend und verärgert über den ‘Mangel an Führerschaft und die Unschlüssigkeit’ der Obama-Regierung in Sachen Libyen, ganz zu schweigen von ihrer ‘Schwäche und Inkomptenz’. Ich stimme mit dieser Wut und diesem Ärger vollkommen überein, und wenn ich die jugendlichen Enschuldigungen und seichten Erwägungen des Obama-Teams dafür lese, weshalb es bisher noch nicht eingegriffen hat […] machte mich das heute Morgen nicht nur einfach wütend, sondern fast krank.“

Der Spruch „Besser spät als nie“ treffe manchmal auch für die Kriegsführung zu, so Kristol weiter, er führt das Beispiel Bosnien und den Irak an „wo wir schon 1991 [!] hätten eingreifen sollen. Sicherlich wäre es besser gewesen, eher in Libyen zu handeln, wie so viele von uns dauernd gedrängt haben. […] Wir sollten die Obama-Administration nicht davon freistellen, heute oder morgen zu handeln, denn sie hätte schon vor zwei Wochen handeln sollen. Das Ergebnis in Libyen bleibt zu wichtig für US-Interessen (Gaddafi weiter an der Macht nach alledem, mit alle den Ressourcen, die er hat, ist ein Albtraum, was den Terror anbelangt und sogar Massenvernichtungswaffen, für die US-Prinzipien und die Zukunft des Nahen Ostens, als dass wir jetzt die Hoffnung aufgeben würden.“

Selbst die „Audacity of Hope“ (Obamas Buchtitel) wird bemüht, die Kühnheit also, auf einen Krieg hoffen zu können. Und dann zieht Kristol noch einmal alle Register: „Denn ein Versagen der Obama-Administration wird ein Versagen Amerikas sein, wofür wir noch lange einen Preis zahlen könnten.“

Ob Kristol und seine Mitstreiter ihren dritten “Full Scale”-Neocon-Krieg bekommen werden?

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12 Antworten zu “Libyen: Namensliste der Kriegstreiber”

  1. wml sagt:

    4 Star General Discusses Plan to Invade Libya (2007 video)

    http://vigilantcitizen.com/latestnews/4-star-general-reveals-plan-to-invade-libya-in-2007-video/

    Verlinktes Video:
    http://www.youtube.com/watch?v=bX7hMj2NKTc

    Vielen Dank für Ihre Artikel, Frau Beck!

    Gruß,
    W. Mueller

  2. Wer quält die Völker, nennt die Namen, die hier aus auserwähltem Samen …

    Huch, bloß net rassistisch werden, gell!

    Empfiehlt
    Konrad Fischer
    Bazifiest

  3. [...] Verbrecherbande der PNAC, die 2002 schon den US-Krieg gegen den Irak organisiert hatte, Druck gemacht, um Obama zum Krieg gegen Libyen zu [...]

  4. [...] Addendum 2: In the United States, essentially the same Zionist criminal gang of PNAC, which in 2002 organized the U.S. war against Iraq, organized now pressure on Obama to push him to war against Libya. [...]

  5. [...] Zionist criminal gang of PNAC, which in 2002 organized the U.S. war against Iraq, organized now pressure on Obama to push him to war against Libya. [Trackback URI]    [...]

  6. lupo sagt:

    Der PNAC, forderte auch den Kosovo Krieg und erhielt den Krieg, als Kompensation, für die Verweigerung des Irak Krieges im August 1998.

  7. jojo sagt:

    Kriegstreiber sind grundsätzlich die USA/Israel siehe letzte 60Jahre über 25 Länder platt gebommbt aber immer sind die anderen Schuld XD wer das glaubt echt leichtgläubig.

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