Kommt die Monarchie in Libyen? Oder: Ein falscher Prinz für einen falschen Krieg

In einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender Fox-News, ausgestrahlt am 12.4.2011, wird der Weltöffentlichkeit der libysche “Prinz Idris Al-Senussi” präsentiert, Mitglied der königlichen Familie, die 1969, als Muhammar al Gaddafi die Macht ergriff, ins Exil gehen musste. Prinz Idris habe sich schon “Jahrzehnte lang”  für die Opposition engagiert.

Der Interviewer kommt schnell auf den Punkt: Der vermeintliche Prinz, der angeblich mit Menschen “on the ground”, also vor Ort in Kontakt steht, darf bei Fox-News für ganz Libyen sprechen; unter der königlichen Flagge (“one flag, one state”) werde das Land bald wieder vereint sein, so der libysche Blaublütler.
“Prinz” Idris wendet sich dramatisch an die USA und die NATO. Es fehle an Munition und Training, die NATO und die USA müssten sich mehr engagieren. Das libysche Volk erwarte von den USA als Hauptmacht hinter der NATO mehr “Einmischung”. “Bitte verstärken sie ihre Militäroperationen” (“Please step up your military operations”), “gebt uns Waffen, damit wir die Macht ergreifen und Gaddafi loswerden können.”

Die Bitte des Prinzen könnte klarer nicht sein. Es gibt nur ein Problem: Der Mann ist kein Prinz, sondern ein Hochstapler, was jeder mit einem Minimum an Recherche herausfinden kann. Er lebt in London und Rom, war seit 1969 nicht mehr in Libyen, hat mit Öl- und Gasgeschäften zu tun. Zu seiner royalen Fantasiegeschichte gleich mehr.

Fernsehbilder zeigen die libyschen Rebellen immer mit ein und derselben Flagge – der des früheren Königs Idris al Mahdi el Senussi. Libyens königliche  Historie geht kurzgefasst so:
Das Land wurde 1911/12 nach einem italienisch-türkischen Krieg italienische Kolonie. 1943 wurden die Italiener und die ihnen zur Seite getretenen Deutschen jedoch von den Engländen besiegt und Großbritannien – nunmehr Vormacht im Nahen Osten – setzte 1951 kurzerhand Idris aus der Familie der Sanussi (die ihren Ursprung bis ins 8. Jhd. n. Chr. ableiten) als König ein.
Idris, der britische Marionettenkönig, bedankte sich mit großzügigen Konzessionen aller Art an die Briten: Sie duften Luft-, Land- und Marinestützpunkte in den Provinzen Tripolitanien und der Cyrenaika einrichten. 1954 erhielten auch die US-Amerikaner eine Luftwaffen-Basis in Wheelus. Außerdem gewährte Idris ab 1959, nach der Entdeckung großer Erdölvorkommen, großzügige Ölbohrlizenzen für ExxonMobil, Eni, AGIP und BP.
Doch dann kam 1969 Gadafi und weitere 50 Offiziere: Sie setzten den König bemerkenswert unblutig ab und alle fremden Militärbasen mussten aus Libyen verschwinden. BP wurde kurzerhand verstaatlicht und aller verbliebenen ausländischen Erdölfirmen mussten ab sofort viel höhere „Bohrgebühren“ entrichten.

Der “Großneffe” des letzen libyschen Königs ebenfalls mit Namen “Idris” und Thronanwärter hat nunmehr seinen Willen erklärt, in seine Heimat zurückzukehren. Der Sanussi-er favorisiert eine konstitutionelle Monarchie.

Laut einem Artikel der New Vork Times v. 29.3.1991 ließ “Prinz” Idris bereits vor 20 Jahren ca. 600 Rebellen von amerikanischen Geheindienstberatern ausbilden, um das Regime Gaddafis zu destabilisieren. Nach dem damaligen Fehlversuch kümmerte sich Prinz Idris weiter um die Kämpfer. Im Februar dieses Jahres bekräftigte der in Rom stationierte “Prinz” Idris, es wolle “im geeigneten Moment” nach Libyen zurückkehren. Die “Worldtribune” meldete am 21.3.2011, vor der Operation Odyssey Dawn sei Idris bereits zweimal zu Gesprächen mit hohen Regierungsbeamten und Kongressmitgliedern nach Washington gereist. Britische, französische und saudische Offizielle hätten ebenso mit Versuchen zur Kontaktaufnahme begonnen.

“Prinz” Idris heißt mit vollem Namen Seyyid Idris bin Abdullah al-Senussi. Der verstorbene libysche König hatte jedoch keine Kinder. Der von den Medien und westlichen Regierungen hofierte “Thronanwärter” steht in keinerlei Verwandtschaftverhältnis zu dem verstorbenen Monarchen: Allerdings war die dritte Ehefrau seines Vaters eine Nichte des Bruders des alten Königs …

Das hielt den umtriebigen “Prinzen” und Geschäftsmann jedoch nicht davon ab, in den 1990er in London Hof zu halten und Kontakte zu knüpfen. Das Spiel ging eine Zeitlang gut, Idris suchte die Nähe von Parlamentariern, von Nobeligen wie Prinz Michael von Kent, dessen Sekretär er für Lobbyarbeit in eigener Sache einspannen wollte. Bis die Blase platzte und es zu einem Gerichtsverfahren kam, in dessen Verlauf auch eine Adelsexperte für ein genealogisches Gutachten hinzugezogen wurde. David Willimason ließ laut “Royalty” (The Prince and the Pretender) Vol. 14 No.2 1995 verlauten: “Prinz Muhammad Al-Senoussi ist der rechtmäßige Erbe.” (Letzterer ist Großneffe des Königs). Vor Gericht in London musste sich Idris  als Betrüger und Hochstapler bezeichnen lassen.

Pech also für Idris. Sollten dies Fox- und CNN-Reporter nicht wissen, die Idris immer wieder einladen? Natürlich, sie wissen es. Aber solange er den Interessen der Kriegs-Rufer nützlich ist, wird man ihn sicher noch weiter sein Spiel spielen lassen.

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