EHEC für beendet erklärt – alles gut?

Die Affen fanden's gut: Gurken im Überfluss dieses Jahr...; Bildquelle unbek.

Die Affen fanden's gut: Gurken im Überfluss dieses Jahr ... (Bildquelle unbek.)

Seit Jahren sterben Zehntausende von Menschen in unserem Land an sog. Krankenhausinfektionen. Ca. 40.000 Tote sind es pro Jahr. Das ist jedoch den Medien nicht der Rede wert – es kann nicht mit einem schicken, neuen Virus- oder Bakteriumnamen verbunden werden und wird fast völlig totgeschwiegen.

Die “Welt”:Krankenhausinfektionen verursachen nicht nur viel Leid, sondern seien auch ein erheblicher Kostenfaktor.” (Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene). So könnte man es auch sagen.

Ein besonderer “Problemkeim” im Zusammenhang mit Krankenhausinfektionen ist das Bakterium Staphylococcus aureus. Bei einem hohen Prozentsatz der Menschen ist das Bakterium auf der Haut ohnehin nachweisbar und verursacht keinerlei Beschwerden. Bei einer verschleppten Wundheilung, bei eitrigen Prozessen oder z. B. Mittelohrvereiterung müssten dann aber bisweilen Antibiotika eingesetzt werden, um die Symptome in Schach zu halten, jedoch – das “Tierchen” S. aureus ist gegen die üblicherweise eingesetzten Antibiotika gefeit.  Hinzu kommt, dass es den Keim in verschiedenen Varianten gibt. Einer ganzen Gruppe von S. aureus steht eine ganze Wirkstoffgruppe von Antibiotica gegenüber, gegen die das Bakterchen mittlerweile resistent geworden ist.

Antibiotikaresistente S. aurei gehören zu den Hospitalkeimen, es gibt aber noch andere Vertreter, z. B. Clostridium difficile (lebt in der menschlichen Darmflora und kann ebenfalls antibiotikarestistent werden) und Pseudomonas aeruginosa.

Ich erinnere mich an einen kleinen Insektenstich im Bereich der unteren Wade bei einer Bekannten. Die Entzündung schritt stündlich voran, die Schwellung drang bis zur Leiste vor und das Zentrum des Stichs musste tief eingeschnitten werden, begleitet von einer tagelangen Chemotherapie, bis endlich ein Rückgang der Entzündung erreicht werden konnte. Die Diagnose war später “Staphylococcus aureus”.

Jetzt wurde die EHEC-”Epidemie” amtlich für beendet erklärt. War sie überhaupt eine “Epidemie”? Das Robert-Koch-Institut (RKI) ließ verlauten, 50 Menschen seien dem “aggressiven Bakterium” zum Opfer gefallen.

Traurig natürlich – aber sollte man angesichts der ca. 20.000 Grippetoten und der ca. 40.000 Krankenhauskeim-Toten pro Jahr nicht viel eher von “Epidemie” sprechen?

Die Medien spielten hemmungslos hoch, assistiert vom RKI, der nationalen Seuchenbehörde. Trotzdem konnte der verschreckten Öffentlichkeit nicht in einem einzigen EHEC-Todefall erklärt werden, welche Situation hinsichtlich evtl. Vorerkrankungen und Medikmenteneinnahme bei den Betroffenen vorlag. Und: Wie kam das für die Verdauung notwendige Darm-Bakterium aus der Familie der Escherichia Coli denn überhaupt in die Nieren, wo sie dann angeblich “Nierenversagen” auslösten? Rätselhaft.

Am Wegesrand des Medienhypes liegen blieben jedenfalls die Opfer: spanische Gemüsebauern, deutsche Sprossenzüchter und der Handel, der tonnenweise bestes Gemüse vernichtete.

Das Heckmeck um EHEC war offensichtlich attraktiver als sich über Zehntausende von Toten jährlich aufgrund von Antibiotika-Resistenzen Gedanken zu machen. Denn hier wird’s kompliziert: Man müsste über Sinn und Unsinn der oft viel zu vorschnellen Behandlung mit Antibiotika sprechen und deren routinemäßigem Einsatz z. B. in der Tiermast.

Aber das wäre zu kompliziert. Auch für die hochbezahlten Spezialisten, die mit ihrer zweifelhaften Jagd nach einem Bakterium die Welt zwar unterhielten, aber um keinen Deut voranbrachten.

P. S.: Wer sich für die ausführlichen Erklärungen des Fundamental-Kritikers und Mikrobiologen Dr. Stefan Lanka zum Thema EHEC interessiert, hier ist ein Link.

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