Cheng zum Wulff-Skandal

Erst vor kurzem bekam ich einen Krimi der “Cheng”-Reihe von Heinrich Steinfest geschenkt, einem österreichischen Autor, der in Stuttgart lebt. Weil es Band 3 war, wollte ich dann doch auch noch die beiden ersten Bände haben.

Ich betrachte mich als ziemliche Krimiexpertin und was nicht gleich von Anfang an zieht, kommt bei mir sofort fort …

Kurz und gut: “Cheng – sein erster Fall” spielt im Wien, ist zuweilen zum piepen komisch, streckenweise völlig surreal, voller Sprachwitz und überrascht immer wieder mit tiefschürfenden, meist recht bösartig-knackigen Statements zu Gesellschaftlichem, zur Kunst, zum Zeitgeschehen.

Jedenfalls fand ich da ein paar Sätze, die sehr zutreffend sind, was das “Aufdecken” von Skandalen durch Journalisten angeht, auch im gegenwärtigen “Wulff-Skandal”:

Das sogenannte Aufdecken von Skandalen funktioniert nur, ist es ein von den maßgebenden Stellen sanktioniertes bzw. initiiertes. Die Aktivitäten der Aufklärungsjournalisten, später dann der Justiz, harmonieren stets mit den Interessen der Machtstrategen.

Skandalaufdeckungen und Skandlaufbereitungen dienen der Demontage im Grunde längst Demontierter.

Sie dienen der Eitelkeit der bezahlten Aufdecker, der Unterhaltung des Publikums, sie dienen als Beweis für die Märe der Selbstreinigungskraft der Demokratie, vor allem aber dienen sie der Vertuschung der Gegenwart.

Kein aufgedeckter Skandal ohne Aufdeckungsplanung durch hohe und höchste Stellen. Kein Journalist gerät durch Zufall oder durch Recherchen an sein angebliches Beweismaterial, sondern es wird ihm von den Skandalplanern zur Verfügung gestellt. Wer tatsächlich glaubt, man könnte außerhalb der Skandalplanung maßgebender Stellen einen Skandal aufdecken, einfach so wild drauflos aufdecken, als wäre Aufdecken so frei wie die Kunst, der – so hätte man zumindest früher gesagt – gehört nach Russland geschickt.”

Nachsatz 30.1.2012:

Stufe 2 (s. o. ) des Skandals ist erreicht: Die Justiz ist nunmehr am Zuge. Die Staatsanwaltschaft Hannover durchsuchte mehrere Stunden das das Büro des ehemaligen Wulff-Sprechers Glaeseker im Bundespräsidialamt. Mitgenommen wurden schriftliche Unterlagen und Computerdaten. Glaeseker wird Bestechlichkeit vorgeworfen. Man schlägt den Hund und meint den Herrn?

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2 Antworten zu “Cheng zum Wulff-Skandal”

  1. zapperlot sagt:

    Jepp – stimme zu ! Auch die Watergate – Affaire war eine von den Machtstrategen gewollte.

  2. MartinP sagt:

    Liebe Frau Beck!

    Das ist ein ganz toller Blog! Weiter so, Sie sind eine der wenigen, die begriffen haben, was im Moment läuft.

    Viele Grüße,

    MartinP

    P.S. Info.kopp-Verlag.de

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