Sind Adelige degenerierter? Z. B. schießen.

Die Erklärung, warum sich Froilan in den Fuß geschossen hat ... (Quelle: privat)

Aus Spanien erhielt ich nebenstehendes Foto mit dem Kommentar: “Die Erklärung, warum sich Froilan in den Fuß schoss“. Gemeint ist der 13-jährige Enkelsohn des spanischen Königs Juan Carlos, Felipe Juan Froilán, der sich auf dem Landsitz seines Vaters,  Jaime de Marichalar, beim Spiel mit einer Handfeuerwaffe in den Fuß schoss.

Der erneute Beweis dafür, dass man in royalen Kreisen Waffen selbstverständlich als Spielzeuge betrachtet, gemahnt an Juan Carlos’ eigene Vita: Der 18-jährige hatte bereits ein Jahr auf einer Militärakademie absolviert, als er 1956 “aus Versehen” seinen vier Jahre jüngeren Bruder Alfonso in den Kopf schoss. Die spanische Königsfamilie weilte damals im Exil im portugiesischen Estoril. Eine Untersuchung des Todesfalls durch die portugiesischen Behörden fand nie statt, Juan Carlos’ Vater versenkte die Tatwaffe persönlich im Meer und soll seinen Sohn aufgefordert haben: “Schwör mir, dass du es nicht absichtlich getan hast!

Der jetzige spanische König wurde damals als Ziehsohn des spanischen Diktators Franco in Spanien ausgebildet; in einem Deal mit Franco wurde festgelegt, dass der Sohn Juan Carlos, nicht der Vater, Francos Nachfolge antreten sollte.

Der ungeklärte Schießunfall wird ein wohlgehütetes Geheimnis bleiben, nicht jedoch die Tatasache, dass der spanische König nicht gerade helle ist: Ich sah selbst im spanischen Fernsehen, wie er nach den großen Sommerferien einen Kindergarten wieder eröffnete und dafür vom Blatt ablesen musste, um den Kinderchen ein paar Begrüßungsworte zu entbinden.

Filmausschnitt.König Juan Carlos bei der Elefantenjagd 2006

Zu mehr Zurückhaltung im Königshaus, was Waffen anbelangt, führte der frühe Tod des 14-Jährigen Infanten Alfonso nicht. Spanien empört sich zur Zeit ernsthaft über sein Königshaus: Kürzlich hatte der König angesichts von horrender Arbeitslosigkeit besonders unter jungen Leuten die Nation noch zur Geschlossenheit und Solidarität gemahnt. Bald danach verabschiedete er sich jedoch selbst in einen Safari-Urlaub nach Botswana, wo ein geschossener Elefant mit 37.000 Euro zu Buche schlägt. Die weitere Großwildjagd wurde jedoch durch einen Bruch der königlichen Hüfte beim Herabsteigen von einer Leiter verunmöglicht.

Das Schweizer Portal 20 minuten äzte dazu:
Für Empörung sorgt ausserdem, dass Juan Carlos Ehrenpräsident der spanischen Sektion der Umweltorganisation WWF ist, die Elefanten als bedrohte Art einschätzt. ‘Er hatte eine Genehmigung’, versuchte Jeff Ramsay den Jagdtrieb seines Vorgesetzten zu verteidigen. Kein Wunder, dass der Regierungssprecher diesen Umstand so betont: 2004 soll der Royal nämlich mit anderen Blaublütern und Bonzen wilde Bären erlegt haben, die unter Schutz standen. Der Tatort: die rumänischen Karpaten.

Unter der Führung des früheren Tennis-Managers Ion Tiriac, der Boris Becker unter seinen Fittichen hatte, schoss die Gruppe demnach 185 Bären, obwohl nur 550 insgesamt in dem Gebiet leben: Die Abschussquote ist mehrfach übertroffen worden. Auf Juan Carlos’ Konto sollen neun tote Tiere gehen, berichtete damals  [27.1.2005] ‘Radio Free Europe’. Unter seinen Trophäen war demnach auch eine trächtige Bärin. Der WWF hatte die Jagd damals kritisiert, doch der Einspruch störte den Ehrenpräsidenten der Organisationen offenbar nicht.

Das Nachrichtenportal des Senders berichtet weiter, dass Bärenjagd unter der alten Kommunistenelite schon sehr populär war, bei den Zahlen der erlegten Tiere überträfe die “Noveau Riche” die alten Kader jedoch bei weitem: Unter den Beteiligten am besagten Jagdexzess waren u. a. Wirtschaftsführer Wolfgang Porsche, Klaus Mangold (DaimlerChrysler) und Lebensmittelmogul Julius Meinl.

Lazlo Szabo-Szeley, der rumänische Präsident der Natur- und Tierschutzorgansisation des Landes, brandmarkte das Geschehen als “systematische Ausrottung des rumänischen Wildbestandes”.

Schon im darauffolgenden Jahr juckte Juan Carlos wieder der rechte Zeigefinger: Der König brach erneut zur Bärenjagd, diesmal in die russische Vologda-Region, auf.  Jagdsaufseher Sergei Starostin beklagte sich anschließend gegenüber der Zeitung ‘Kommersant’ über das un-waidmännische Procedere, das vom spanischen Königshaus sogleich dementiert wurde: Ein zahmer Bär namens Mitrofan sei von seinen Besitzern erst mit Honig und Wodka gefüttert und dann auf einem Feld ausgesetzt worden, wo er zur königlichen Beute wurde. “Natürlich war das schwer angetrunkene Tier ein einfaches Ziel. Seine Hoheit Juan Carlos tötete Mitrofan mit einem Schuss.” (vgl. BBC-Bericht v. 20.10.2006 )

Nachfolgend ein Film, über Jeff Rann, der Großwildjagd-Unternehmer, den König Juan Carlos buchte: (Achtung, nichts für zartbesaitete Gemüter!)

Dabei ist Don Juan Carlos beileibe kein Einzelfall. Fast alle Adelshäuser Europas frönen der Jagd. Die allseits beliebte Caroline von Monaco reitet in Südfrankreich selbstverständlich zur Jagd aus und nahm dazu auch oft ihre minderjährgen Kinder mit.

Hier ein Originalton von 1985: “Prinzessin Caroline von Monaco war gut gelaunt und gut zu Fuß. Warm verpackt im Lodenfrey Look, Moonboots an den zarten Füßchen, einen Kashmirschal um das schöne Gesicht geschlungen und darauf einen schicken breitrandigen Jägerhut gedrückt, gehörte sie zu den wenigen Damen, die bei der traditionellen Treibjagd des Fürsten von Thurn und Taxis mit auf die Pirsch gingen … Bei diesem Auftakt zur Wildschweinjagd blieben Adel und Hochfinanz unter sich. Dem relativ kleinen Kreis, etwa 35 ‘Grünröcke’, zum Teil in charmanter Begleitung, gehörten Vertreter der Familien Schaumburg Lippe, Sayen Wittgenstein, von Jugoslawien, von und zu Kuttenberg, von Campenhausen und natürlich, als Stargast, Fürst Rainier von Monaco mit seiner ältesten Tochter Caroline an. Der monegassische Konsul Liegel mit Gattin, der amerikanische Botschafter Richard Burt, Erbprinz SalmSalmRhede, Mikel Tolemache und Mr. Brinsley Motto gaben der Runde, die von den leitenden Herren der Fürstlichen Verwaltung ergänzt wurde, zusätzlich Glanz. Der Reeder Niarchos, der vor Jahren schon einmal auf die Sauen im Thiergarten anlegte, sagte ab.”  Ergebnis der Jagd: 73 tote Sauen.

Auch die britische Royal Family ist jagdaffin: Prinz Charles mag trottelig wirken und meist wie ein ökologischer Gutmensch dargestellt werden, er verteidigte das “Jagdregal” jedoch vehement. 2002 kam es in London zu einer Großdemonstration pro fox hunting von 400.000  Jagdfreunden. Prinz Charles soll den passenden Aufruf an Tony Blair damals verfasst haben, sein Sohn Prinz William bestieg das Dach des St. James Palastes, um die Menschenmenge besser beobachten zu können, auch Stiefmutter Camilla war pro Fuchsjagd und Dianas Bruder Earl Spencer marschierte bei der Demo mit.

Treibjagden auf Füchse sind in einigen Ländern immer noch erlaubt, z. B. in Frankreich. Der erste, der dies unterband, war in Deutschland ein gewisser Adolf 1934, in England geschah Entsprechendes erst unter Tony Blair 2005.

Filmausschnitt: König Juan Carlos als Großwildjäger 2006

Beim skandalösen Sohn des letzten italienischen Königs, Victor Emmanuel von Savoyen, artete die Jagdleidenschaft indes zur Menschenjagd aus: Er schoss im Exil in der Schweiz anfänglich nur Kühe von der Weide und musste anschließend dem Bauern Geld zur Satisfaktion zahlen. In seinem Haus in Genf hatte sich der Adelige und Vertreter einer italienischen Hubschrauberfirma eine Schießbahn eingerichtet. Als 1978 bei einem Yachtausflug vor der Insel Cavallo bei Korsika junge Touristen sein Gummibötchen ausliehen, um des Nachts zu den Yachten überzusetzen, sah er Rot, holte seinen Elefantenkarabiner und schoss in die Boote, wobei er einen jungen Deutschen im Schlaf derart verletzte, dass diesem ein Bein amputiert werden musste und er nach vier Monaten Todeskampf starb.

Der Savoyer verhinderte dann mit seinen Anwälten und Beziehungen, dass ein Strafprozess zeitnah stattfand. Erst 1991 kam es in Paris zu einem Prozess und – einem Freispruch bzw. nur einer Verurteilung wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Als der Prinz Jahre später wegen Vergehen u. a. im Zusammenhang  mit Glücksspiel und Prostituierten im italienischen Potenza in Untersuchungshaft saß, prahlte er vor zwei Mitgefangenen, er habe die französischen Richter verarscht und erklärte, wie er damals geschossen habe. Das wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Die Freigabe des Videos konnten Anwälte erst nach Jahren erwirken. Letztes Jahr wurde das Tatgeständnis des Vittorio Emmanuele aus dem Knast zu einem des meist geklickten italienischen Videos bei youtube:

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