Folter mit Elektroschocks als Erziehungsmaßnahme für Problemjugendliche in den USA

Manchmal stolpert man im Netz über Dinge, die man zuerst gar nicht glauben kann: Im US-Bundesstaat Massachusetts gibt es ein Erziehungsheim mit angegliederter Schule, das Judge Rotenberg Educational Center, welches das Verhalten von Problemjugendlichen “korrigiert” – mit besonderen Mitteln. Zu den Eingewiesenen zählen u. a.  autistische, extrem aggressive oder autoaggressiven  Kindern und Jugendlichen oder auch solche mit ADHS-Problemen.

Anlässlich des Rückzuges des Gründers und Chefarztes mit 78 Jahren letztes Jahr im Mai, ließ die Klinik euphorisch verlauten: “Matthew Israel ist nicht nur eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Verhaltenstherapie, sondern er ist auch eine heroische Gestalt für Tausende von Familien, die durch diese Tür des JRC schritten als ihrem letzten Hoffnungsschimmer.”

Zunächst wird deutlich, dass es sich bei dem Judge Rotenberg Educational Center um eine Art “Endstation” handelt. Es geht um schwere Fälle, die auf Anordnung des Gerichtes dort “behandelt” werden. Dabei wird klar, dass alle Jugendichen bereits eine Vorgeschichte haben: Sie wurden mit Medikamenten  “behandelt”, und, dergestalt “austherapiert”, in diese Endstation überwiesen.

Der derzeitige Skandal konnten nur aufkommen, weil Videobeweise  aus dem Jahr 2002, die bisher von einem US-Gericht “versiegelt” worden waren, nun kürzlich freigegeben wurden.

Die Videos sind erschütternde Beweise dafür, wie Verhaltensauffälligkeit nicht ursächlich, an die Wurzel des Übels gehend, sondern erst mit Medikamenten bzw. Psychopharmaka und dann mit Elektroschocks behandelt werden. Davon gibt es in der besagten Einrichtung offensichtlich zweierlei Arten: Mittels eines Helms, der dem Opfer übergestülpt wird und in Form von Bandagen (siehe 2. Video), welche die Insassen immer tragen müssen und wobei die Elektroschocks über die Haut gegeben werden. Alles diese Maßnahmen werden rund um die Uhr von einem Kontrollraum aus mit diversen Kameras überwacht, ebenso wie die Zimmer der Insassen, die keinerlei Privatsphäre haben.

Eine Fotoreportage aus 2011 von R. Friedman zeigt die Schock-Transmitter des Klinik-Personals, die mit entsprechenden Empfängern am Körper der  Jugendlichen verbunden sind, sodass Mitglieder des Stabes jederzeit Elektroschocks auslösen können.

Vielsagend ist auch die von Friedman abgelichtete  “Vernügungs- bzw. Belohnungsmeile” für die folgsamen Patienten: Sie besteht aus einem Nachbau aus dem Film “The Wizard of Oz”.

Das, was wie das Skript zu einem schlechten Hollywood-Schocker wirkt, ist im Prinzip sehr primitiv: “Unerwünschtes” Verhalten in der Definition des Centers wird mit Elektroschocks behandelt – die Problemjugendlichen werden im Endergebnis gewaltsam zu bestimmten Verhaltensweisen konditioniert – über Schmerzvermeidung  bzw. Verhalten, das Schmerzvermeidung impliziert. Ein Konzept, das in der Wissenschaft aus Rattenversuchen bekannt ist…

Dabei ist zu bedenken, dass wir es hier mit behinderten und/oder schwer traumatisierten Menschen zu tun haben! Die Therapie am JRC wird vom Staat mit 200.000 Dollar pro Jahr und Patient vergütet. Die Klinik setzt offensichtlich neben Elektroschocks gänzlich auf  Higtech (z. B. elektronisch überwachte Fixierhalterungen für die Hände ). Es ist nichts davon zu lesen, dass etwa Tiere in die Therapie mit eingebunden würden, obwohl schon lange bekannt ist, dass gerade in besonderen Problemfällen die Anwesenheit von Tieren (z. B.  Katzen) Wunder wirken kann; sie ist stress- und angstlösend. Deswegen erwägt man jetzt in den USA im regulären Strafvollzug Katzen zuzulassen, wie vor wenigen Tagen durch die Medien ging.

Der Mann, der das alles wie selbstverständlich erzählt (3. Video), ist der Leiter der Klinik, Dr. Matthew Israel, ein Mann mit eiskalten Augen. Er berichtet wie neben den Elektroschocks auch positive Reize gesetzt werden: Die Insassen dürfen in einem Kliniksshop z. B. shoppen gehen… Israel präsentiert in seinem Werbevideo für seine Klinik auch dankbare Eltern, die lobend erwähnen, dass ihre Kinder jetzt ohne Medikamente auskämen, und am Ende sogar zwei erfolgreiche Fälle. Letztere lassen jedoch in gewisser Weise ahnen, was mit den Jugendlichen dort durch die Elektroschock-Therapie letztlich geschah…

Wie zu lesen ist, gibt es eine laufende Untersuchung der Menschenrechtsabteilung des US-Justizministeriums; diese ist jedoch noch zu keinem Entschluss gekommen.

Nachfolgend ein Film, in dem die von einem US-Gerichts jetzt freigegegeben Videobeweise zu sehen sind.. Der Junge, dessen Mutter den Bundesstaat verklagte, wurde am betreffenden Tag 31 Mal geschockt! Es wurden Stromstärken von 45 Miliampere angewandt, die potentiell tödlich sein können. Diese “Behandlung ” gab es für Vergehen wie In-die Kleider-Schneuzen oder sich weigern, die Kleider abzulegen.

(Warnhinweis – verstörende Sequenzen!)

Hier eine Reportage der Amerikanischen Gesellschaft für Autismus:

Hier ist ein Video, das nicht eingbettet werden kann. Der Leiter der Klinik, Dr. Matthew Israel, beschreibt darin  die Vorzüge der Elektroschocktherapie (“aversives”= von: abneigen, abschrecken) und lässt am Ende zwei Therapierte selbst zu Wort kommen, die die Elektroschock-Behandlung loben. Dr.  Israel berichtet auch, wie er sich für seine “Theapiemaßnahmen” absicherte: Die Eltern der Jugendliche mussten ihr Einverständnis erteilen, ein Gericht musste diese beschließen, nachdem es die Meinung eines Gutachters eingeholt hatte, verschiedene Kommissionen, darunter eine Menschenrechtskomission, mussten zustimmen. Es war alles korrekt.

http://www.youtube.com/watch?v=zytPCVL-AVg&feature=related

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7 Antworten zu “Folter mit Elektroschocks als Erziehungsmaßnahme für Problemjugendliche in den USA”

  1. Scheint jedenfalls wirksamer zu sein als die deutsche Kuscheljustiz.

  2. Friederike Beck sagt:

    bei Behinderten, Autisten, Jugendlichen mit ADHS etc. sollte ja wohl Therapeuten zum Einsatz kommen und nicht die Justiz?!

  3. Iphraim Simon sagt:

    @ Dr. Klaus Miehling: Verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche, die unter Umständen geistig behindert oder psychisch krank sind, mit Elektroschocks zu traktieren, erscheint Ihnen also als legitimes Mittel, dem von Ihnen beklagten Werteverfall in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken? Diese Art von Gewalttätigkeit findet Ihre Zustimmung? Sie sind kein ethisch-moralisch motivierter Idealist, sondern ein fanatischer, verklemmter Querulant!

  4. Iphraim Simon sagt:

    Mit dieser Aussage haben Sie sich nun endgültig als ernstzunehmender Kritiker sozio-kultureller Umstände disqualifiziert und als bigotten Heuchler entlarvt. Konzentrieren Sie sich doch einfach weiterhin auf das Komponieren von Blockflötensonaten und verschonen Sie den Rest der Menschheit mit Ihren reaktionären Ansichten und Ihren pseudowissenschaftlichen Thesen zur zeitgenössischen Musik. Sich über das destruktive Potential von Ihnen so bezeichneter “Gewaltmusik” zu ereifern (das sich meiner Meinung nach auch in manchen klassischen Werken der Musik finden lässt, wie auch in anderen künstlerischen Ausdrucksformen, letztendlich ist es eine Frage der Rezeption und Verarbeitung) und aber gleichzeitig die unmittelbare Gewaltausuebung einer Elektroschockbehandlung sogenannter “Problemkinder” gutheißen, ist meines Erachtens nicht sehr glaubwürdig, bzw. integer.

  5. Wirklich bemerkenswert, was Sie aus einem einzigen kurzen Satz herauslesen, um mich diffamieren zu können; und das offenbar nur, weil Sie meine Thesen zu einem hier gar nicht diskutierten Thema ablehnen.

    Schon dem Wort “Kuscheljustiz” hätten Sie entnehmen können, dass ich mich auf die Behandlung von Straftätern, nicht von geistig Behinderten bezog.

  6. Iphraim Simon sagt:

    Selbst wenn Sie sich dabei nur auf die Zwangsbehandlung jugendlicher Straftäter bezogen haben, offenbaren Sie mit dieser Aussage eine fragwürdige Einstellung zu solcherlei staatlich angeordneten “Therapiemassnahmen”. Woraus schliessen Sie eigentlich die “Wirksamkeit” einer solchen Behandlung? Liegen Ihnen dazu etwa auch entsprechende Statistiken vor, zur Jugendkriminalität im US-Bundesstaat Massachusetts?

  7. “Israel präsentiert in seinem Werbevideo für seine Klinik auch dankbare Eltern, die lobend erwähnen, dass ihre Kinder jetzt ohne Medikamente auskämen, und am Ende sogar zwei erfolgreiche Fälle.”

    Daraus habe ich geschlossen, dass die Behandlung wirksamer zu sein “scheint” (beachten Sie die angemessen zurückhaltende Formulierung!) “als die deutsche Kuscheljustiz”. Wobei mir klar ist, dass die im Artikel beschriebenen Maßnahmen nicht nur an Straftätern durchgeführt werden.

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