CFR-Chef Haass: USA vor Militärschlag in Syrien wegen angeblicher Chemiewaffen?

Nach dem verhehrenden Bombenanschlag im syrischen Geheimdiensthauptquartier in Damaskus am 18.7.2012, rief der bekannte US-Interviewer Charlie Rose am selben Tag (!) mehrere Personen zum Talk zusammen, darunter insbesondere interessant: Richard Nathan Haass, seit 2003 Chef des wichtigen Council on Foreign Relations (CFR), der faktisch die amerikanische Außenpolitik ausrichtet.

Haass gab in der Runde den Ton an, seine Prognose für Syrien war, am wahrscheinlichsten, eine Irak-ähnliche Situation des Zerfalls in Sektierertum. Hier seine wichtigsten Aussagen und Prognosen:

Haass: “Die USA machen damit weiter, was sie bereits tun. Ganz klar, die CIA hat Leute, die im Land arbeiten. Sie geben keine Waffen aus, aber sie stellen sicher, dass die Waffen, die Syrien aus arabischen Ländern erreichen, optimal und maximal genutzt werden,  sie geben Aufklärungsinformationen, koordinieren, sehen zu, dass die Waffen zu den richtigen Leuten kommen, dass die Sanktionen verschärft werden. Aber was ich auch gerne sehen würde, ist mehr Druck auf Russland von den arabischen Ländern, es kommt Kriegsverbrechen nahe.

Gegen die Leute, die das Regime immer noch unterstützen, wurden Drohungen ausgesprochen. Aber im Prinzip laufen die Dinge in die Richtung, die jeder haben will. Das syrische Regime hat die Kontrolle über viele Räume zwischen den größeren Städten verloren, weil man die Armee und die Geheimdienste dort konzentrieren muss, wo die meisten Einwohner sind. Und daher war dieser Bombenanschlag so bedeutsam, denn er war hinter der Mauer, wenn man so will.

Zwei Dinge also: Man wird sehen, dass das Regime zurückschlägt [breites Grinsen ca. bei Min.  8:09], um zu behaupten, dass man noch nicht geschlagen ist. Also tatsächlich wird man in der nicht allzu fernen Zukunft sehen, dass die Dinge noch schlechter werden, denn sie werden eine Botschaft an die Opposition senden wollen. Aber ich denke, wenn schließlich die Geschichte darüber geschrieben wird, so wird man sagen, dass dies ein Teil des Wendepunkts war, wo das Regime begann, die Macht zu verlieren. Die Desertionen werden noch zunehmen, was entscheidend ist. Schlussendlich ist dies das Vorspiel, und man kommt irgendwann zu dem wichtigsten Punkt, wo diese Typen irgendwann gehen und die Frage was dann? Werden wir ein absolut positives Szenario wie in Libyen sehen oder wahrscheinlicher eines, das dem Irak ähnelt im Sinne von Sektierertum? Wie man einst in Großbritannien über das Ancien Regime sagte: Jedermann war einverstanden, das Regime loszuwerden, aber dann zerstreitet man sich. Und das ist natürlich das eigentliche Problem.”

Auf die Frage, ob Baschar al-Assad chemische Waffen habe und sie benutzen werde:

“Natürlich hat er Chemiewaffen. Ich finde, die USA sollten so viele Geheimdienstinformationen über die Chemiewaffen sammeln, wie wir können, wo sie sind, in welchem Zustand sie sind. Und ganz ehrlich: Falls wir auch nur irgendeinen Grund hätten zu glauben, dass jene Waffen benutzt oder an eine Gruppe wie die Hisbollah oder sonstjemand weitergeleitet werden, bin ich in der Tat der Meinung, dass das ein starkes Argument für eine begrenzte Militäraktion dagegen ist, keine humanitäre Aktion im weiteren Sinne, sondern wir müssten so viele Waffen ausschalten, wie wir können, bevor sie benutzt werden oder gar in noch schlimmere Hände fallen, oder an eine Gruppe, sagen wir die Hisbollah, weitergegeben würden. So schlimm wie die Situation im Moment ist: Eine der Regeln über den Mittleren Osten lautet: Die Dinge müssen erst schlimmer werden, bevor sie noch schlimmer werden. Wir möchten diese Situation nicht sehen.”

Rose: Sie haben doch die Fähigkeit, das mit Spezialoperationen zu tun?

Haass: “Oder mit Drohnen. Oh, absolut! Oder mit speziellen Flugzeugen. Aber es geht um Aufklärung. Die entscheidende Frage ist, ob wir ausreichend und zeitnah Informationen haben, um das zu tun. Und ich würde ganz einfach sagen, dass das etwas ist, was wir uns gründlich anschauen sollten.”

Hier geht’s zum Originalinterview “Update on Syria” . Ich empfehle, sich Richard Haass’ Mimik bei ca. Min 8:09 und 14:04 einmal genauer anzusehen!

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2 Antworten zu “CFR-Chef Haass: USA vor Militärschlag in Syrien wegen angeblicher Chemiewaffen?”

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