Der kleine Nacktprinz

Queen Victoria hält ihrem Sohn das Sündenregister vor (Quelle: Wikimedia Commons)

Prinz Harry, immerhin auf dem dritten Platz der englischen Thronfolge, wurde bei wüsten Rangeleien in einem Club in Las Vegas abgelichtet, beim Nacktbillard flogen die Bälle. Während die Herzilein-Presse empört tut, kann der informiertere Zeitgenosse ob dieser vergleichsweise harmlosen Bocksprüngen nur mit den Schultern zucken – außer man hängt der angestaubt-falschen Meinung an, Blaublütige  seien stets edler, asketischer und irgendwie feiner in Sitten, Gebrächen und Gebaren als das Gros der Bürgerlichen.

Man könnte jetzt unfair werden und auf eine gewisse genetische Vorbelastung des früh zum Halbwaisen gewordenen verweisen: Urgroßonkel Edward etwa schlürfte in seinem Pariser Lieblingspuff Le Chabanais, seinem Dauerdomizil, gern Champagner aus Badewannen, in denen sich zuvor “Damen” geaalt hatten. Oder den Sex-Stuhl für den oralen Gruppensex, den sich der königliche Lustmolch eigens in Paris hatte anfertigen lassen. (Er wurde von einem britischen Reporter vor nicht allzu langer Zeit tatasächlich aufgespürt, allerdings und Gott sei Dank frisch bezogen). Die letzte Geliebte in einer nicht enden wollenden Serie von Mätressen war Alice Keppel, die Urgroßmutter einer gewissen Camilla Parker-Bowles …

Edward machte seinen Landsitz Sandringham House zum Anziehungspunkt der Auschweifung und des Glücksspiels; erstmals durften auch amerikanische Dollar-Millionäre an den Lustbarkeiten teilhaben.

Dieses Mishmash erscheint uns heute selbstverständlich, wo die (angeblich) Schönen und Reichen mit den irgendwie Adeligen zu einer klebrigen Masse verpappt sind und auf den Putz hauen, wie wir, das einfältige Volk, es uns gar nicht vorstellen können.

Die abgestumpften Sinne dieser Herrschaften bedürfen heute noch ganz anderer Stimulationen, frei nach dem Motto: Dem Niedrigen schrankenlos geöffnet und im freien Fall im Tunnel einer Kloake, deren Boden durchgetreten ist, weswegen ein Aufprall auch nicht erfolgen kann.

Eine Daily-Mail-Reporterin schaffte es schon vor einem Jahr an den strengen Kontrollen der Türsteher vorbei, in einen der schmierigsten Londoner Clubs hereinzukommen: Der angesagte “The Box” in Soho. Der Eintritt kostet 75 Euro, das Reservieren eines Tisches mehrere tausend Euro.

Prince Harry, seine Cousinen  Beatrice and Eugenie, Model Kate Moss, die Schauspielerinnen Emma Watson and Keira Knightley, Rachel Weisz und Kollege Jude Law, Fußballstars und andere A-Promis wurden als Gäste hier gesehen.

“Was ich während  der folgenden Stunden sehe, hinterlässt keinerlei Zweifel: Die ‘erotische Unterhaltung’, die ich zu Gesicht bekomme ist nicht aufregend, scharf oder cool. Sie ist ganz einfach Hardcore-Pornographie der abstoßendsten Sorte”, schreibt Rose Harvey in ihrer lesenswerten Reportage vom 11.3.2011. Sie kann es nicht fassen, dass dies der Lieblingsort von Royalties und Berühmtheiten sein soll.

Das “Varieteetheater”-Konzept wurde von New York importiert, “Box”-Besitzer ist Simon Hammerstein, ein rauschebärtiger Karl-Marx-Wiedergänger, der jahrelang die Morgentoilette vergessen hat. Er wurde von Bühnendarstellern bereits vor 4 Jahren verklagt, da er sie in mit Hundekot verschmierte Ankleiden gesteckt, ihnen Drogen aufgedrängt und auf ihren Hinterteilen Striemen hinterlasssen hätte.

Die erotische Zauberschau steuert unter dem Jubel und dem Gefeixe der Zuschauer ihrem erotischen Höhepunkt entgegen: Ein Transsexueller drückt Objekte aus seinem Köper – der Daily-Mail-Reporterin dreht sich der Magen um. “Warum”, fragt sie sich, als sie das Etablissement angeekelt verlässt, “sehen die Privilegiertesten unserer Gesellschaft, Berühmtheiten und Adelige gleichermaßen, solch eine erniedrigende Erfahrung als amüsanten Spaß an?”

Dem “Spaß” von Adeligen, NATO-Militärs, Politikern und Reichen diente auch der Mädchenzulieferer Marc Dutroux, dessen Frau gerade vorzeitig aus der Haft entlassen und in ein Kloster bei Namur gebracht wurde. Die überlebenden Opfer gaben Unfassbares zu Protokoll: So schilderte z. B. die Zeugin “X3″ “Sexpartys in einem Schloss mit einem großen Park”, wo Kinder in geschlossenen Käfigen darauf warteten “dranzukommen”. Mit Doggen habe man Jagd auf nackte Kinder gemacht, die zuvor im Park freigelassen wurden (vgl. GA Bonn v. 29.8.12). Namen von prominenten Teilnehmern fielen, den Spuren (auch nach Deutschland) ging niemand nach.

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Auf zeitgeist Online hatte ich mich bereits ausführlicher mit dem belgischen Skandal auseinandergesetzt und auch die Links zu Zeugenaussagen angegeben.

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Eine Antwort zu “Der kleine Nacktprinz”

  1. Walter Dyroff sagt:

    Sehr geehrte Frau Beck,

    vielen Dank für diesen wieder einmal großartigen Beitrag.
    Dr. von Paleske schrieb in den “Nachrichten heute”

    http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/ehrenmitglieder-der-bilderberg-konferenzen-werden-sex-verbrechen-mit-k/

    Vicomte Étienne Davignon, Vizepräsident der Europäischen Kommission und Ehrenpräsident der Bilderberg-Konferenz…und dem belgischen König Albert II. in den Dutroux-Dossiers auf.

    Nach Aussagen von Zeugin X1,wurden “Parties mit minderjährigen im Hotel Cromwell in Knokke (welches inzwischen nicht mehr exisitiert) veranstaltet. Anwesend waren: Delvoie – Karel – X2 – Lippens – Van Gheluwe – Etienne Davignon. Die Mädchen wussten wohin sie gehen mussten und mit wem. Lipperts schlug die kleinen Mädchen. Verschiedene Meetings zwischen Karel und Davignon fanden im Memling Hotel mit den Lippens-Brüdern statt.”

    Wo blieb der Aufschrei der Kanzlerin, des Außenministers, der berühmten Barden die sich so effektvoll für Pussy Riot engagiert haben?

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