Kölscher Klüngel wie er leibt und lebt: Arsch huh Zäng ussenander…

Köln, Arsch Huh Konzert 2012

“Arsch hoch und Zähne auseinander” – propagandistische Übertreibung schlägt zuweilen ins Surrealistische um. Da waren sie wieder, 20 Jahre danach: die Kölschrocker mit türkischen Bands und Figuren der Kölner Politprominenz vereint am 9.11.2012 in Köln beim Konzert gegen “Neonazis und Rassismus” und, das ist neu: “gegen Ausgrenzung”.

Das Gespenst einer vermeintlich relevanten Neonazi-Gefahr und einer behaupteten Fremdenfeindlichkeit in Köln unter einer irgendwie bedeutsamen Mehrheit der Bevölkerung musste wieder einmal als Werbeplattform und Marketingidee  für verschiedene Rockgruppen und Künstler herhalten, die meisten mittlerweile in die Jahre gekommene geistige Alt-68iger mit einer 6 vor dem Komma. Athrose und Schlaganfall sind dort bereits ein Thema aber frisch und ungebrochen der Wille, “rechtes” Gedankengut, die “braunen Horden” zu bekämpfen, “den Arsch hoch zu kriegen, bevor es zu spät ist”, (zitter).

Wolfgang Niedeggen von BAP, Botschafter der Stiftung “Integration gelingt spielend”, die Höhner, Bläck Föös, alles altbekannte Namen – Kölsche Tradition eben. (Niedecken wurde übrigens gerade von Michel Friedman für seinen Einsatz ausdrücklich belobigt, wofür er natürlich nur bedingt etwas kann).

Der Ventilator der Jubiläumskonzerter, der dem Aufgepasst-Machtübernahme-von-rechts-droht-Feindbild frische Luft zufächelt, ist Pro-Köln/Pro-NRW etc., das versprengte Häuflein der vor Moscheen Demonstrierenden, Mohammedkarrikaturen und israelische Flaggen Hochhaltenden.

(Aproposito und hörens: Wie können das eigentlich Neonazis sein? Aber egal, dä schou mass gou onn.)

Dabei – esu räscht beseije: Die Kölschbarden grenzten sich doch eindeutig ab und andere “Minsche” aus: Indem sie Kölsch sangen!, was ja nun beileibe nicht jeder Kölner mehr versteht, geschweige denn vom Türkisch der osmanischen Rocker…obwohl man zum diesjährigen zwanzigsten doch extra ein neue Motto hinzugenommen hatten: “Gegen Ausgrenzung” und “ein Zeichen setzen” wollten.

Schon das erste Konzert 1992 hatte keinerlei Kölner Bezug: Es war als Protestveranstaltung gegen Ausländerfeindlichkeit in Rostock-Lichtenhagen gedacht aber natürlich auch in ganz Deutschland und Kölle überhaupt.

Zwanzig Jahre “Arsch huh”: Zwanzig Jahre Selbstverliebtheit, gutmenschliche Rituale, Kölschtümelei? “Eine Stadt, eine Bewegung, ein Gefühl”? Ein O ein Ei ein Ü?

Schön wärs, aber warum immer nur selig vereint sein im Negativen, im gegenseitigen Schulterklopfen bei der Ablehnung von etwas, dass man für “Arsch Huh” erfinden müsste, wenn es nicht schon da wäre. Im Stadtrat mit 5 Sitzen vertreten, von 90 Sitzen insgesamt! Hannibal ante Portas also.

Das Kölner Bullewa-Blatt (Dr)Express, notorisch Gerüchte verbreitend aber politisch extrem korrekt, gab den Ton an, jubelte tagelang und vermarktete mit.

Nichts gegen politische Songs, aber ermüdende schwarz-weiß Plattituden über eine bevorstehende braune Machtergreifung? Die Herren! (Damen sind nämlich hemmungslos in der Minderzahl), bevor ihr von Rechten schwafelt, runkelt doch mal eure Rüben! Gerade entsteht vor Eurer Nase in Köln beim Verfassungsschutz die neue Superbehörde: Das Antiterrorzentrum. Dieser neue Überwachungsalbtraum einer Behörde, die versagt haben will (Stichwort: Pleiten, Pech und Pannen, Hühnerhaufen), jedoch viel eher im Verdacht steht, eine knallharte Strategie der Spanung gefahren zu haben, überdies seit Monaten die Öffentlichkeit mit Schredderaktionen erfreut, einer andauern Spuren-Wisch-und-Weg-Aktion.

Dieser Verfassungs-”Schutz” ist über Jahre Amok gelaufen und hat Schande über Deutschland gebracht, soviel steht fest. Und zur Belohnung kommt jetzt in Köln beim Bundesamt für Verfassungsschutz die neue Superbehörde, statt dieses Amt im Rhein zu entsorgen. Und das schönste ist: Dass alles in eurem Windschatten entsteht, ihr haucht dem so richtig Leben ein, denn ihr habt euch seit zwanzig Jahren kein bisschen weiter entwickelt und glaubt diesen Driss, vielleicht ist einfach in der Platte ein Riss?, die Nadel in der Endlosschleife? Helden im Kampf gegen – ja wen eigentlich? Die fünf Ritter der Pro-kosnuss mit der Mohammed-Karikatur?

Wie lange muss sich Köln noch von euch anklagen und bezichtigen lassen? Wielange wollt ihr noch die Bibabutzmänner sein?, die singenden Heinzelmännchen aus Köln, die sich mit offenem Hemd tapfer-todesmutig den “braunen Horden” entgegenwerfen?

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD): „Der Widerstand gegen Rechts muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen. Und Köln hat mit diesem Abend klare Kante gezeigt. Einfach Klasse.“ Wahlwerbung nennt sich sowas. Kampf gegen ein Phantom. Selig verblödet. Entenjagd.

Deutschland hat die höchste Bevölkerungsdichte Europas (neben der Schweiz) und die höchste Zahl von Einwanderern weltweit. Arsch Huh Informiert Üch.

In vielen Kölner “Veedeln” wird schon längst kein Kölsch mehr gesprochen, genießen wir’s daher solange es noch da ist. Lassen wir den Kölschrockern also doch einfach ihr Spielzeug, die erfundene Windmühle, gegen deren Windmühlenflügel sie seit Jahren tapfer anrennen, unsere Lokalmattadoren.

Isch wünsch mir ewer nur eens: Kölschrock pur, ohne nix und jar nix dazo.

Denn auch ohne Zeichensetzerei: Im Dialekt lässt sich so Vieles besser und knackiger ausdrücken.

Nachfolgendes Lied der Gruppe Köster & Hocker wurde beim “Arsch Huh”-Konzert uraufgeführt, den Song gibt’s natürlich auch auf dem neuen A. Huh-Album  Ein wunderbares Beispiel für einen tollen, nahezu unübersetzbaren Kölschen Text.

Darin heißt es:

Und mein Chef hört Woodie Guthrie
Alte Protestlieder sind in
Kann man sich heute gut mit sanieren
Es muss nur gepflegt gesungen sein”

Wirklich nur “alte” Protestlieder?

 

LEIS RIESELT ET HÄTZ
Text: Gerd Köster. Musik: Frank Hocker. Interpret: Köster & Hocker

Wor nit jede Jeck ens anders
Un loot jede Jeck elands
Ich hatt jedaach dat wör Jesetz
Nit nur ne Spruch ohne Substanz

Dr Breuers Jupp wööd jään hatt blose
Hätt ävver nit die Fott dozo
Hä schängk op klein Schmarotzer
Die jrosse sin für ihn tabu

Un minge Chef hürt Woody Guthrie
Ahl Protesleeder sin in
Kanns du dich hück joot met saniere
`t muss nur jefleech jesunge sin

Respek es en Hur – hängk an Wedder un Budget
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie

Mer trenne Alkohol vum Bier
Un Zucker vun dä Taat
Doch keiner kritt dat Schläächte
Vum Joode freijelaat

Am Himmel oose Jötter
Lötsche Salz us all dä Stään
Pisse dir en et Jeseech
Un behaupte dat wör Rään

Un merke deit dat jeder
Mancheiner söök dä rächte Wääch
Weil wenn hä en dr Kurv hängk
Es ihm jede Leitplank rääch

Hä singk:
„Weg met fremde Schiffe mer han selver schwere See“
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie
Jebete un Jebröll – neue Hass – en ahl Idee
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie

`ch wor jestern noch om Schrottplatz
Dä Schrottmann hät jesaat
Für fuffzich Kilo Hätzstöbb
Jiddet ne Hätsch Fong un e Derivat

Die Bank die sühste nie – nur dat Jriene vum Croupier
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie

Un statt däm Hätz wuchert de Jall
Saach mir:

Kütt do bal ne Knall
Kütt do bal ne Knall / Leis rieselt et Hätz
Kütt do bal ne Knall / Leis rieselt et Hätz….

Wer bei der Übersetzung etwas Schwierigkeiten hat: Hier gibt’s den hochdeutschen Text.

 

 

 

 

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4 Antworten zu “Kölscher Klüngel wie er leibt und lebt: Arsch huh Zäng ussenander…”

  1. Neukunde sagt:

    Die korrekt politrockenden BAP-Parolen waren mir schon immer suspekt. Kölns ungemütliche Markenzeichen sind Zeltinger (authentisch), Can und Stockhausen (avantgardistisch).

  2. Lars sagt:

    konkrete zahlen zur einwanderung wären nicht schlecht.
    die letzte zahl,die mir im kopf ist, dass 2011 300.000 netto zugewandert sind, illegale nicht inbegriffen. die meisten davon aus ost-europa wie rumänien.
    was das angebliche phantom rechtsradikalismus betrifft: schauen sie sich bitte mal in ost-deutschland um, da sieht die lage ganz anders aus.
    eine kriminell verfehlte einwanderungspolitik gibt es, aber auch wachsenden rechtsradikalismus, wahrscheinlich auch dank dank dieser politik. ist ja wahrscheinlich sowieso alles gewollt so, destablisierung usw.

  3. Lars sagt:

    “…Deutschland hat … die höchste Zahl von Einwanderern weltweit…” quelle?

  4. Friederike Beck sagt:

    wer sich genau mit der Enstehung des sog. Rechtsradikalismus, aber auch anderen Formen des Radikalismus auseinandersetzt (das war aber nicht Inhalt dieses Bogbeitrags), wir auf das seltsame Treiben von “Diensten” stoßen, auch und gerade in den Bundesländern der ehem. DDR. Wenn man sich dort anschaut, wie der R’radikalismus nach der Wende begann, so waren es Westimporte als gezielte Scharfmacher mit Verfassungsschutzhintergrund, weswegen ich mich auch in mehreren Blogbeiträgen der Forderung anschloss: “Verfassungsschutz abschaffen”, =Extremismus abschaffen.

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