Katrin Göring Eckardt und Elitenetzwerke

Katrin Göring-Eckhardt, die neue Grünen-Spitze zusammen mit Trittin – immer, wenn eine Person plötzlich gehypet wird, von einer neuen Mitte geredet wird, von Schwarz-Grün, von der Möglichkeit, dass die Thüringerin (als Präses der Evangelischen Kirchensynode, Mitglied im Rat der EKD und als Präsidentin des Evangelischen Kirchentages 2011) nun auch die Christlich-Konservativen ansprechen werde, sollte man zumindest in Erwägung ziehen, dass die Medienpräsenz auch etwas mit Deckung durch Netzwerke zu tun haben könnte.

Mir fiel der Stern in die Hände (48/2012, S. 46), ein Interview mit ihr:

Frage: “Sie waren im Vorstand der so einflussreichen wie konservativen Atlantik-Brücke.”

Antwort: “Ich bin mit ein paar andern Grünen in die Atlantik-Brücke, weil wir uns gesagt haben: Wir wollen das den anderen nicht überlassen. Aber das ist ohne große Bedeutung. Ich war noch nie bei einer Sitzung. Ich bin allenfalls ein stilles Mitglied.”

Ohne Bedeutung? Göring-Eckard tut so, als könnte man sich mal eben so in den Vorstand des Elitenetzwerks wählen lassen könne. Die Grüne saß jahrelang im Vorstand der Atlantik-Brücke (mindestens bis 2010), und sie will davon kaum etwas mitbekommen haben?

Wie glaubhaft ist das denn?

Bei Abgeordnetenwatch haben einige Bürger nachgehakt:

Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,

vielen Dank für die klärenden Worte zu Ihrer Mitgliedschaft im Verein Atlantik-Brücke. Stimmt die Auskunft von Wikipedia, dass Sie im Vorstand der Atlantik-Brücke engagiert sind und wie ist Ihrer Meinung nach diese dort (bei Wikipedia und auf der Homepage der Atlantik-Brücke) genannte Konstellation von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik zu bewerten?

Mit freundlichem Gruß
Hartwig Ammann

Sehr geehrter Herr Ammann,

es ist richtig, dass ich vor einigen Jahren in den Vorstand des Atlantik-Brücke e.V. gewählt worden bin. Dort engagiert sind Menschen aus Politik, Wirtschaft und zahlreichen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Die parteiübergreifende Zusammenarbeit ist dabei Zeichen der Bedeutung der atlantischen Freundschaft.

Mit freundlichen Grüßen
Katrin Göring-Eckardt

 

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Göring-Eckardt,

Sie schrieben am 11.5.09 mit Blick auf Ihre nicht näher beschriebene Tätigkeit für die “Atlantik- Brücke”:
“Ohne die Leistung früherer Brückebauer wären wir heute nicht, wo wir sind.”

Meinten Sie damit z.. B. die “Globalisierung”, die moralische und Finanzkrise, Afghanistan?

Was tun Sie auf der “Brücke” ganz konkret für die Bürger, welche Sie vertreten sollen?

Und was meinen Sie mit “Zeiten des Aufbruchs in der amerikanischen Politik”, was mit der “besonderen Bedeutung” für Sie?

Und schließlich: Wissen Sie noch, wie der Sachse die Parole aussprach: “Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen”?

Mit freundlichen Grüßen
W. Meißner

 

Sehr geehrter Herr Meißner,

gute transatlantische Beziehungen sind unverzichtbar. Nur gemeinsam wird es im Zeitalter der Globalisierung möglich sein, Herausforderungen wie dem Klimawandel oder der Wirtschaftskrise zu begegnen. Transatlantische Beziehungen müssen auch den Multilateralismus stärken. Es ist wünschenswert, dass sich die USA in diesem Sinne für starke Vereinte Nationen und andere handlungsfähige internationale Institutionen einsetzen. Eine starke UN-Reform wird nur mit Einverständnis der USA möglich sein. Ohne eine handlungsfähige UN wird es keinen effektiven Multilateralismus und keine globalen Fortschritte bei Friedenssicherung und Entwicklung geben. Die UN muss der zentrale Ort sein, wo EU und USA an einem Strang ziehen, um weltweite Kriseneinsätze und Friedensmission zu bewältigen. Mit Barack Obama deutet sich ein Umdenken der USA in Sachen Multilateralismus und eine Neuausrichtung insbesondere in der Menschenrechtspolitik an. Das ist sehr zu begrüßen.

Mit vielen Grüßen,
Büro Katrin Göring-Eckardt

 

Vor drei Jahren hatte die Politikerin also bereits zugegeben, dass sie in den Vorstand der Atlantik-Brücke gewählt worden war, warum jetzt so zögerlich?

Der Stern fragte sie auch nach einer neoliberalen Denkfabrik namens “Forschungsinstitut Zukunft der Arbeit”, wo sie als “Policy Fellow”, also als Politik-Stipendiatin gelistet ist.

Göring-Eckardt antwortete: “Nee, wenn die mit mir werben, ist das ein starkes Stück! Ich kenne die nicht, hab von denen noch nie gehört.

“Ja?”

“Ja.”

In der Tat sieht es so aus, als sei der Name der Grünen aus der Liste der Politik-Stipendiaten gelöscht worden, es taucht jedoch in der Suchfunktion nach wie vor im Zusammenhang mit “Policy Fellow”  und unter “Personal” auf.

 

 

Die Frage ist, warum Göring-Eckardt so zögerlich über ihre Mitgliedschaft in Elitenetzwerken Auskunft gibt.

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2 Antworten zu “Katrin Göring Eckardt und Elitenetzwerke”

  1. Es ist doch klar: Ohne die Anbindung an diese Netzwerke der Amis kann bei uns niemand was werden. Und besonders willkommen sind Studienabbrecher und Personen mit irgendeinem Makel, mit dem man sie gefügig machen kann. Ein eigenständig denkender Mensch ist da gar nicht erwünscht – nur so lässt sich der Kolonialstatus des von Deutschland übrig gebliebenen Rests zwischen Rhein und Oder perpetuieren. Wer sich damit nicht abfindet, wird im “Kampf gegen rechts” vernichtet, bei dem sich die von Göring-E. repräsentierte “Kirche” ja besonders hervortut! Offenbar ist sie die “Verbindungsperson” der Atlantikbrücke zu dieser “Kirche”, wie schon ihre Ämterhäufung andeutet. Da hat man dann alles “in einem Sack” – sozusagen ein “Komplettmenü”, frisch serviert für die Interessen der US-Globalisten!

  2. klean sagt:

    Ergänzend ist eventuell dieses Statement innerhalb einer Fragerunde unter den Grünen anläßlich der zur Urwahl stehenden Kandidaten noch ganz aufschlußreich – zusammenfassend würde ich es wohl neutrale Informationen erhalten Sie von meinem (nicht im Gespräch mit dem Bürger seienden) Sportverein schimpfen:
    “Ich bin, wie einige andere GRÜNE, Mitglied des Vereins Atlantik-Brücke. Die Atlantik-Brücke ist ein Verein, der – wie in seiner Satzung festgeschrieben – der Förderung der Völkerverständigung dient. Es handelt sich um einen eingetragenen Verein, der auf der Grundlage des Vereinsrechtes arbeitet (damit genauso demokratisch ist wie ein Sportverein o. ä.) und Konferenzen und Hintergrundgespräche zu außenpolitischen Themen, insbesondere den transatlantischen Beziehungen, anbietet. Das sind Themen, die für uns GRÜNE wichtig sind und zu denen wir mit JournalistInnen, Leuten aus der Wirtschaft und politischen MitbewerberInnen im Gespräch bleiben sollten, in diesem oder in anderem Rahmen. Es macht jedenfalls keinen Sinn, dies einseitig einem bestimmten politischen „Lager“ zu überlassen. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich, statt nur auf Wikipedia zu vertrauen, ganz einfach den Jahresbericht auf der Homepage der Atlantik-Brücke herunterladen.”
    Quelle: Katrin Göring-Eckardt

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