Heute war ein trauriger Tag

Bildausschnitt: Merkel in Frankfurt bei Graumann mit komplizierter Handgeste, Vorsicht, schwierig nachzumachen.

… denn wir wurden verleumdet, und das von unserer eigenen Regierungschefin. Was war passiert? Eigentlich gar nichts. Angela Merkel hatte lediglich erstmals die Ratsversammlung des Zentralrats der Juden, die in Frankfurt a. M. stattfand, besucht und klagte dort, in Deutschland gebe es “ein hohes Maß an Antisemitismus“, wie die “Welt” vermeldete.

Im gleichen Atemzug drückte sie  “ihre Freude darüber, dass es in Deutschland wieder ein so reichhaltiges jüdisches Leben” gebe.

Damit hat Merkel völlig recht, eine Veröffentlichung des Zentralrats der Juden vom September 2009 zieht über den erfolgreichen Zuwachs an jüdischen Gemeinden und jüdischem Leben in Deutschland nach dem Fall der Mauer Bilanz:

“Das Jahr 1989, das die deutsche Einheit eingeläutet hatte, bedeutete auch für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland eine Zäsur. Der zu diesem Zeitpunkt bereits erkennbare Umbruch in der Sowjetunion löste bei jüdischen Sowjetbürgern nicht nur Freude, sondern auch Angst vor erstarkenden Manifestationen des Antisemitismus aus. Für viele von ihnen wurde Deutschland ein Zufluchtsort.

Wir halten fest: Deutschland wurde für Juden aus der ehemaligen Sowjetunion zum sicheren Zufluchtsort (ganz unabhängig davon, ob die Behauptung von erstarkendem Antisemitismus in Russland seinerzeit stimmte oder nicht).

Weiter: “1991 beschlossen Bund und Länder eine offizielle Zuwanderungsregelung für Juden aus der UdSSR. Im Rahmen der einschlägigen Bestimmungen fanden die Zuwanderer in der Bundesrepublik Aufnahme als so genannte Kontingentflüchtlinge. Insgesamt sind in den beiden letzten Jahrzehnten 220.000 Menschen im Rahmen der ‘jüdischen Zuwanderung’ nach Deutschland gekommen.

Mit Recht darf man sich also mit den Juden freuen, dass es wieder so ein reges Gemeindeleben und viele Neugründungen gibt:

“Heute zählen die jüdischen Gemeinden rund 120.000 Mitglieder – das Vierfache des Standes von 1989. In vielen Städten, vor allem in den neuen Bundesländern, wurden Gemeinden neu gegründet. In vielen Städten Deutschlands wurden neue Synagogen gebaut. Zwei Rabbinerausbildungsstätten haben ihre Pforten eröffnet: das liberale Abraham-Geiger-Kolleg und das orthodoxe Hildesheimersche Rabbinerseminar. Inzwischen sind mehrere in Deutschland ausgebildete Rabbiner ordiniert worden. Andere kamen aus dem Ausland, um die jüdischen Gemeinden zu betreuen. Gegenüber 1989 hat sich die Zahl der Gemeinderabbiner verdreifacht.

Merkels “hohes Maß an Antisemitismus” – worauf gründet es sich also? Sie führt die Debatte über Beschneidungen an. Dabei ist sie lediglich Ausdruck von selbstverständlicher Diskussionskultur in einer Demokratie, die ja wohl kaum Gesetze auf Bestellung oder Zuruf produzieren kann, oder?

Zuvor hatte Dieter Graumann, der Vorsitzende, antisemitische Ausfälle im Internet beklagt. Reicht das? Jeder Internetnutzer weiß, dass es Trolle gibt, die in Kommentarforen und andernorts ihre Duftmarken setzten, neben (Agents) Provokateuren und anderen drolligen Akteuren, von denen ein Gutteil vermutlich  dienstlich unterwegs ist; eine überschaubare Anzahl von Pseudonymen ist so manchen Orts auch ein gewisses Indiz …

War das schon alles?

Fazit: Es ist beschämend, wie eine Regierungschefin ihr eigenes Land verleumdet, um dann Graumännern die Aktentasche zu tragen und sich Fleißpunkte abzuholen. Sie verstößt damit gegen ihren geleisteten Amtseid: Nicht zuletzt werden ihre Behauptungen auch im Ausland gelesen und verbreitet und tragen dort zu einem verzerrten Deutschlandbild bei.

Fast noch besorgniserregender sind jedoch Merkels weitere Ausführungen anlässlich ihres Besuches in Frankfurt (auch unter dem Aspekt, dass sie selbstverständlich davon auszugehen scheint, bei der Ratsversammlung des Zentralrats handele sich um eine Art israelische Landesvertretung, die er ja wohl kaum sein kann, nach bisherigem Verständnis zumindest):

Mit Blick auf die Bombardierungen des Gazastreifens (und aus dem Gazastreifen, die Todesrate  Palästinenser versus Israelis betrug ca. 150:1) sagte Merkel laut “Welt”: “Noch einmal betont die Kanzlerin, dass Israel das Recht auf Selbstverteidigung habe, ja, dass diese sogar die Pflicht einer jeden Regierung sei – eine deutsche Regierung könne in einer vergleichbaren Situation auch nicht anders handeln als die israelische es getan hat.”

Die deutsche Regierung hätte nicht anders gehandelt? Diese Aussage ist surrealistisch:

Ist es erkennbar oder denkbar, dass Deutschland in Gebiete anderer Völker militante Siedler entsendet, ganze Landstriche einer Blockade unterwirft, serienweise UN-Resolutionen ignoriert oder die für die Versorgung von 1,7 Millionen Eingepferchten (davon ca. ein Viertel Flüchtlinge) notwendigen Tunnel zerstört, UN-Schulen bombardiert oder überhaupt eines der dicht besiedeltsten Gebiete der Welt bombardieren würde, was so wäre, als wenn Frau Merkel anordnete, das Stadtgebiet von München oder Berlin zu bombardieren?

Aber das würde sie wohl in einem vergleichbaren Fall machen.

Versprochen ist versprochen.

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3 Antworten zu “Heute war ein trauriger Tag”

  1. Infoliner sagt:

    Ich sehe hier im Land schon eine ganze Menge Antisemitismus, zB. beim Umgang mit den Palästinensern (Semiten), seitens der kontrollierten Medien, aber auch seitens politischer Täter (also Politiker). Trotzdem hat “Merkel” recht, wenn sie sagt, daß es hier auch nicht anders gemacht werde mit der Selbstverteidigung, jedenfalls in so weit die BRD sich als Nachfolgestaat des Dritten Reiches versteht. Es gibt aber auch Unterschiede: Damals kapierte etwa ein Viertel der Bevölkerung, was gespielt wurde. Dieser Anteil ist seitdem dramatisch geschrumpft. Sei doch nicht so vorsichtig, liebe Verfasserin, sondern nenne Roß und Reiter deutlich in Deinem Denkzettel hier.

  2. Lux sagt:

    Guter Artikel.

    Diesbezüglich möchte ich an den Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetz erinnern, dem doch die Kanzlerin angeblich verpflichtet sein sollte:

    (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Feuer lässt sich niemals in Papier einwickeln.

    Schönen Tag noch!

  3. Adept sagt:

    ““(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.”

    DOCH ! Wenn Du Deutscher bist und die Meinung vertrittst, dass es auch in 200 Jahren noch ein Deutschland mit Deutscher Sprache und Kultur geben mußt, gilt:
    Du hast die falsche Herkunft (1)
    die falsche Sprache (2)
    die falsche Herkunft (3)
    die falsche Rasse (4)
    deshalb m u ß t Du benachteiligt werden.
    Falls du ein Mann bist, gilt das zusätzlich. (5)

    Auf der CDU-Bundesversammlung wurde eine 22-jährige Türkin, die seit 2 Jahren Deutsche ist, auf einen Spitzenplatz gehievt.
    Aus der Verfassung des Bundeslandes NRW wurde auf Antrag eines Geburtstürken das Wort Deutsch aus der Verfassung gestrichen.
    Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, wurde das von den Politschergen aka PalramentarierInnen zu 100% goutiert.

    Unsere gekaufte Republik wird ferngesteuert und wir, die Bevölkerung, systematisch entrechtet.

    Was hat das mit Antisemitismus zu tun ?
    Reines Ablenkungsmanöver !

    Die Muslimfront versteckt sich hinter den Juden.
    Die Zigeuner werden ebenso seit einiger Zeit wiederbelebt zum gleichen Zweck.
    Wie war das noch mit dem Verfassungsschutz und der NPD ? Woher kam nochmal die Pistole der Mörder?
    Mir ist im Moment nicht klar, ob die NPD im Auftrag des Verfassungsschutzes gemordet hat oder der Verfassungsschutz selber. Zufälligerweise mußte ja gesetzlich vorgeschrieben alles geschreddert werden zu diesem Thema……
    Uns Deutschen muß täglich erklärt werden , dass wir unwürdig und gefährlich sind für eine eigene Meinung und weshalb wir schuften für den Rest der Welt.

    Was meint Merkel mit “ein hohes Maß an Antisemitismus“?
    Bei uns gibt es eine Wut auf Politik und Masseneinwanderung….aber keine auf Juden !
    Und das ‘hohe Maß’ soll sie besser den Bayern auf dem Oktoberfest lassen – Prost Mahlzeit.

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