Chemiewaffeneinsätze durch die USA – nur zur Erinnerung und nur ein Beispiel

Agent Orange: Eine vietnameische Mutter mit ihrem schwer geistig und körperlich behinderten Kind. Die Opfer bezahlen für den Chemiewaffeneinsatz der USA 1965-71 noch heute (Quelle: wikimedia commons)

Wenn man (wie ich) einige Zeit Nachrichten und Internet fern blieb und sich dieser Tage wieder “zuschaltet”, so könnte man meinem, auf dem Planeten der Affen gelandet zu sein.

Man droht einer zeitlichen Desorientierung zum Opfer zu fallen: Fand in der Zwischenzeit ein Zeitriss, ein Fehler in der Matrix statt, wo wieder imperiale Attitude, falsche Glorie und arroganter kolonialer Kriegsgeist in London und Paris wabern? Ist neunzehntes Jahrhundert?

Oder haben wir 2003, da US-Geheimdienste mit gefälschten Beweisen den Weg für eine Koalition der Willigen frei machten, mit deren Hilfe man einen Weltbösewicht bestrafte und dabei gleich ein ganzes Land in unermessliches Unglück stürzte? Oder ist Sommer 1914, die letzten Sonnentage vor dem Weltenbrand?

Dadaistische Politik in Washington für ein mehrheitlich infantiles Publikum, die moralische Empörung über Verbrechen mimt, die keiner Beweise mehr bedürften, wird in Berlin und andernorts in Europa, diesem Nasenpopel Obamas (frei nach Gottfried Benn), mit der Feierlichkeit von Konfirmanden andächtig gefolgt. Es geht um Empörung zeigen, Zeichen setzen, schwachsinnig sein.

Leute, die in der Vergangenheit nichts dabei fanden, ganze Länder zur zerstören, mit Chemiewaffen zu vergiften, ihre Nachkommen zu verkrüppeln und ihre Kulturgüter zu vernichten, schwingen sich wieder einmal auf die Palme, um mit explosiven Bananen nach dem neuen “Menschheitsverbrecher” zu werfen, eine oberlehrerhafte “Strafaktion”, einen “Denk”- oder “Strafzettel” zu verpassen.

Die anschließende Reaktion auf die angekündigte “humanitäre” Bombardierung zur Rettung der Bevölkerung habe man, obwohl der angebliche Unhold keineswegs international isoliert ist, so im Griff, dass man der Weltöffentlichkeit beschwichtigend die freudige und beruhigende Ankündigung machen darf, dass er nichts dagegen unternehmen werde.

Nochmal: Der syrische Unhold war so verrückt und unlogisch, bei Ankunft der UN-Inspektoren trotz militärischer Erfolge Giftgas einzusetzen, ist nach Luftschlägen dann aber plötzlich wieder völlig rational und ernüchtert, sodass er im Endergebnis, nach reiflicher und logischer Überlegung, nicht zurückschlagen wird.

Freilich, falls diese äffische Einschätzung daneben liegen sollte, so werden wir danach alle Banane sein, durch eine unkontrollierbare Kettenreaktion aus unseren Sesseln und Betten gerissen werden und, na so was, doch nicht etwa den 3. Weltkrieg ausgelöst haben?

Gegen diese um sich greifende moralische Auf- und Entrüstung hilft nur Gedächtnis, sich zu erinnern: An die Chemiewaffe Agent Orange z. B., die als Entlaubungsmittel von den USA von 1965-1971 im Kampf gegen Vietnam eingesetzt wurde, aber auch in Teilen von Laos und Kambodscha.

Das Internationale Rote Kreuz schätzte im Jahr 2002 die Zahl der Opfer, die durch die Chemieangriffe (Versprühungen) der US-Luftwaffe noch immer unter bleibenden Schäden zu leiden haben, auf EINE MILLION Vietnamesen.

Das Gift wurde jedoch nicht nur aus der Luft, sondern sogar von Booten den Ufern entlang gespritzt. Nachfolgend eine historische Aufnahme des Chemiewaffeneinsatzes:

Agent Orange war und ist teratogen, verändert also das Erbgut derjeniger, die mit dem Herbizid in Kontakt kamen möglicherweise so stark, dass es bei Nachkommen zu Missbildungen und geistigen Behinderungen kommt. Noch heute werden in den ehemals besonders betroffenen Gebieten Kinder mit furchtbaren Verkrüppelungen geboren, laut Rotem Kreuz waren es 2002 100.000 Kinder.

Jack B. Weinstein, US-Bundesrichter (Quelle: wikimedia commons)

Wer jetzt dächte, die Opfer wären ähnlich der ebenfalls gesundheitlich betroffenen US-Soldaten entschädigt worden, der liegt falsch. Die Sammelklage der vietnamesischen Opfer wurde 2005 in den USA glatt abgewiesen, Agent Orange sei keine “chemische Kriegführung” gewesen und habe daher nicht gegen internationales Recht verstoßen.

Der New Yorker US-Bundesrichter Jack B. Weinstein fällte dieses Schandurteil.

Agent Orange war jedoch nicht die einzige in Vietnam eingesetzte Chemiewaffe: Die US-Truppen versprühten auch das ebenfalls toxische “Agent Blue” über vietnamesischen Reisfeldern, um eine Hungersnot auszulösen.

Die Genfer Konvention verbot schon 1925 den Einsatz derartiger biologischer und chemischer Waffen.

Das war jedoch kein Grund für die USA, sie nicht einzusetzen. Oder den Opfern heute eine wenigstens symbolische Entschädigung zu zahlen.

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5 Antworten zu “Chemiewaffeneinsätze durch die USA – nur zur Erinnerung und nur ein Beispiel”

  1. dusted sagt:

    Es scheint ein fester Bestandteil der US-Kriegsführung zu sein, für erhebliches Leid auch lange nach dem Krieg zu sorgen.

    Alleine im Irak wurden ja schon mehrere hundert Tonnen “Depleted Uranium” verschossen und der Ort auf der Erde an dem im Moment die meisten Kinder mit ähnlich schrecklichen Missbildungen geboren werden ist Basra.

    Diese absolut grausame Kriegstaktik, Länder für Generationen zu verseuchen, setzt sich bis heute fort und es scheint mit voller Absicht zu geschehen.

    Nur wer will dem US-Imperium Einhalt gebieten ?

    Den Niederlanden droht eine Invasion bei Anklage eines US-Schergen vor dem internationalen Gerichtshof.

    Es wird viel Druck auf Journalisten ausgeübt das Thema “Depleted Uranium” aus der Öffentlichkeit zu verdrängen und raus zu halten – Frieder Wagner, der sich lobenswerterweise sehr engagiert hat das Thema bekannt zu machen ( https://www.youtube.com/watch?v=9szFOPly3Y4 ), könnte da bestimmt ein schönes Liedchen dazu singen.

    Nur Unmenschen können so bösartig sein, die Bevölkerungen – in oft genug aufgrund von Lügen angegriffenen Ländern wie Vietnam und Irak – höchst giftigen und genschädigenden “Waffen” auszusetzen, die so furchtbare Folgen haben das einem wirklich schlecht werden kann, wenn man mal bei Bildersuche “Depleted Uranium” oder “Agent Orange” eingibt.

    Das ist eins der größten Verbrechen überhaupt was in der Hinsicht angerichtet wurde und heute noch wird – ohne das die “freie Presse” auch nur halbwegs angemessen darüber berichtet, wenn die “Befreier” mit tonnenweise höchst giftigen, strahlenden Atommüll um sich schießen und bomben.

    Gut das es mit dem Internet eine Alternative zu den “embedded journalists” gibt, so das sich jeder ein Bild davon machen kann, welche Folgen die Kriege der “Befreier” haben und mit welcher Heimtücke und Skrupellosigkeit ganze Bevölkerungen auf Generationen vergiftet werden.

    Daher auch herzliches Danke an der Stelle für den Beitrag.

    Man kann/will sich gar nicht vorstellen, wie niederträchtig und menschen- und lebensverachtend man sein muss, um solche “Waffen” einzusetzen.

    John Lennon hatte wohl Recht…….wir werden offensichtlich wirklich von Wahnsinnigen regiert.

    Liebe Grüße @lle

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Der Erfinder des Giftgases war bei den IG Farben der jüdisch-emanzipierte Fritz Haber http://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Haber; SEINE EHEFRAU CLARA IMMERDAR hat sich aus Protest dagegen (“du öffnest die Pforten der Hölle!”) erschossen: http://de.wikipedia.org/wiki/Clara_Immerwahr WIE SO VIELES, HABEN DIE AMIS auch diese Erfindung aus Deutschland klassiert. Wer die Hintergründe beleuchtet haben möchte, der studiere dieses aktuelle Video: Andreas von Bülow über “covert operation” und deren Erahnung durch den Laien http://www.alpenparlament.tv/video/covert-operation-und-deren-erahnung-durch-den-laien/ ERGÄNZEND DAZU (siehe Kommentar): Aufklärung anstelle Kolonialismus – Thierry Meyssan
    http://www.politaia.org/terror/aufklarung-anstelle-kolonialismus-thierry-meyssan/

  3. dä pief sagt:

    der christ rudolf steinmetz kommentiert obigen artikel lediglich, um die religionszugehörigkeit einer person zu erwähnen, die den Angaben zufolge “das giftgas” erfunden hat.
    “die amerikaner” haben diese erfindung, die deutschland zusteht und nur von ihnen genutzt werden dürfte, klassiert. was heißt klassiert in diesem zusammenhang?

  4. Ben sagt:

    Hallo, das ist schrecklich was ich wieder sehen musste, wie schnell selbst ich vergesse. Die Welt war immer schon von Menschen gepeinigt die nicht an einen Liebenden Gott glaubten sondern sich dem Teufel verschrieben haben. Das ist meist am deutlichsten sichtbar bei Kriegen, die Möglichkeiten wachsen aber es gab Grausamkeiten seit dem Sündefall siehe Kain und Abel… es gibt Hoffnung In Christus Jesus , ja es wird schlimmer, die Bibel prophezeit das auch so und es ist so deutlich wie nie zuvor (Global) …Gott ist es nicht egal, es wird ein Gerechtes Gericht geben , dür alle, doch Jesus ist der weg. Noch ist Zeit , kehrt um.
    Johannes 3,16

  5. heello.com sagt:

    heello.com…

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