Zwei Helden der freien Rede

Erzengel Michael erschlägt einen Drachen mit dem Schwert. Spanische Illustration aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert (Quelle wikimedia commons)

Wenn die Medien hysterisch um Bombardierungen betteln und psychopathische Politiker sich in ihren grotesken Kriegstänzen immer schneller drehen, dann wären dies (eigentlich) die Stunden für Georg und Michael, das Schwert der Wahrheit und Vernunft zu ziehen und den Drachen in Notwehr abzustechen.

Michael, der Nationalheilige der Deutschen, und Georg sind beides christliche Heilige, die, ganz wie Siegfried den Fafnir, den Chaos-Drachen besiegten: den Lindwurm, der Menschenschädel in seinen Krallen umklammert hält und einen üblen Pesthauch ausströmt.

Wer hätte in unserer an (wirklichen!) Helden so armen Zeit noch die Cojones, die Bestie wenigstens wieder in ihre Stankhöhle zurückzutreiben?

Doch, Überraschung, George und Michael tauchten auf in Gestalt des unnachahmlichen Abgeordneten George Galloway, der im britischen Unterhaus vor der entscheidenden Abstimmung über die Syrienbombardierung eine funkensprühende Rede hielt. Galloway war Labour-Abgeordneter und vertritt heute eine linksgerichtete Partei, die sich aus Protest gegen den Irakkrieg von Labour abgespalten hatte.

Galloway besticht durch eine profunde Kenntnis der Situation und Geschichte des Nahen Ostens und des Islam. Sein schottischer Zungenschlag mit dem kräftig gerollten “r” ist ein Hörereignis. Nachfolgend seine Rede im britischen Unterhaus am 29.8., in der er sich vehement gegen eine Bombardierung Syriens wandte; sie dürfte zur Abstimmungsniederlage David Camerons am 30.8. beigetragen haben:

Premier Cameron: “Es ist mir klar, dass das britische Parlament keine Militäraktion sehen will und die Regierung wird sich danach richten“.

Hier noch ein rhetorisches und inhaltliches Feuerwerk Galloways in der Iran-Frage:

Es ist offensichtlich, dass es im deutschen Bundestag keinen Redner vom Format und der Durchschlagskraft eines George Galloway gibt. Allenfalls Sahra Wagenknecht kann man in seiner Liga sehen.

Dennoch tauchte auch in Deutschland ein Michael auf in Gestalt des Autors, Politikwissenschaftlers und Islamexperten Michael Lüders. Sicher, ein anderes Temperament, jedoch schaffte es Lüders sehr elegant inmitten einer schnatternden Talk-Runde (ARD 29.8.), einem stets unterbrechenden Beckmann und einem penetrant interventionslüsternen Stefan Kornelius (Auslandschef der Süddeutschen) äußerst unbequeme Tatsachen in Erinnerung zu rufen:

Es müsste noch wesentlich mehr Georgs und Michaels geben! Für Galloway und Lüders gibts in jedem Fall 5 Mut-Sterne und einen dicken Dank-Kuss.

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Eine Antwort zu “Zwei Helden der freien Rede”

  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Der Erzengel Michael ist der Bezwinger Satans, sein Name bedeutet “Wer ist wie Gott?” Die Michaels-Kapellen auf markanten Anhöhen sollten die aus der Erde kommenden Drachen bannen, d.h., die tellurischen Ströme. Ihm wesensverwandt ist der Heilige Georg als Drachentöter, d.h. der Bekämpfer des Bösen. Hieraus ergibt sich eine Verbindung zu dem geheimnisvollen al-Chidr dem Grünen, der identisch ist mit dem Propheten Elijas, welcher nach Vorhersage von Jesus Christus dem Messias vor dessen Wiederkunft zum dritte nmal (nach seinem Auftreten als Johannes er Täufer) auf der Erde erscheinen wird um mit Unterstützung des Erzengels Michaels die Göttliche Schöpfung in ihren Ursprungszustand zurück zu versetzen. Dieselbe Rolle wird im Islam dem Mahdi zugesprochen wie auch im Buddhismus dem Weltenlehrer Maitreya. Dann aber dürfte die staatliche Quassel- und Märchenstunde in dem von Adolf Hitler in die Welt gebrachten Fernsehen nebst Tagesschau (Premiere Olympiade 1936 in Berlin) an ihr definitives Ende angelangt sein.

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