Archiv für den Monat Juli 2014

Pussy Riot for president oder for Nobel Peace Prize oder so

Mittwoch, 30. Juli 2014

Es liegt im Trend: Orden, Preise und Auszeichnungen für Gesinnungen und Meinungen zu vergeben, die irgendwie in die Richtung tendieren, welche die Preisverleiher für die angesagte Marschrichtung halten:

Hat jemand noch etwas Negatives gegen Russland vorzubringen? Ja? Es könnte preiswürdig sein. Ob schwachsinnig oder kriminell, es reicht allemal für den Hannah-Arendt-Preis der grünen Böll-Stiftung …

… der jetzt vergeben wurde an Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina – auch wenn die, im Gegensatz zu diesen beiden weiblichen „Max und Moritzen“ blitzgescheite politische Philosophin und Namensgeberin dort, wo sie jetzt ist, aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herauskäme.

Aber hatte nicht auch Heinrich Böll weiland zusammen mit Lew Kopelew schon vor Putin gewarnt? (weiterlesen…)

Westliche Wertegemeinschaft: Aktualisierter Wertekanon 2014

Samstag, 26. Juli 2014

Quelle: Götz Wiedenroth http://www.wiedenroth-karikatur.de/index.html

Nachfolgend wird allen Mitgliedern der westlichen bzw. transatlantischen Wertegemeinschaft und allen Aspiranten auf Mitgliedschaft die aus aktuellem Anlass upgedateten geschärten Werte zur Kenntnis gebracht mit der Aufforderung, diese mithilfe der “shared values app” direkt im Gehirn downzuloaden. (weiterlesen…)

Akif Pirincci und der Zyonismus

Mittwoch, 23. Juli 2014

Muhammed al-Chwarizmi, Erfinder des Algorithmus (Quelle: Wikimedia Commons)

Ich habe Pirinccis „Deutschland von Sinnen“ gelesen, mich größtenteils amüsiert, ob seiner derben Bodenständigkeit gekichert und empfand seinen üppigen, überschäumenden sprachlichen Orientalismus à la „Deutscher Mann, du bist das starke Geschlecht, in deinen Sehnen [meint er Händen?] ruht die Kraft und die Herrlichkeit des deutschen Landes …“ durchaus als eine stilistische Bereicherung für die deutsche Sprache.

Seine gezielten sprachlichen Tabubrüche („arschgefickt“ u. dgl.) halte ich in Notfällen, die es ja nicht wenige gibt, klar, als gezielte Maßnahme zum Unter- bzw. Durchbrechen des Bessermenschen-Speaks und zur Erzwingung von Aufmerksamkeit beim nicht selten komatösen Publikum für legitim, stelle bei mir selbst aber nach einigen Malen gewisse Ermüdungserscheinungen fest. Die Grenze zum Prolligen ist bisweilen überschritten, der edle Zweck kann nicht endlos mildernde Umstände erzwingen … (weiterlesen…)

Kriegstreiberei: MH 17 “A Game Changer” (II)

Montag, 21. Juli 2014

Hillary Clinton, die sich bereits warmläuft, um Obama im Amt zu beerben, war just am Tage der Flugzeugtragödie im New Yorker Studio bei Charlie Rose und konnte so als eine der ersten die schrecklichen Ereignisse kommentieren. Überraschenderweise (oder auch nicht, siehe vorheriger Blogeintrag!) stellte sie – strikt von der Tatsache ausgehend, dass es “die Russen” waren – Forderungen an Europa: (weiterlesen…)

Kriegstreiberei: MH 17 “A Game Changer?”

Sonntag, 20. Juli 2014

Im Zusammenhang mit dem tragischen Absturz des Fluges MH 17 (Flugstrecke von Amsterdam nach Kuala Lumpur) über ostukrainischem Territorium hörte man von Präsident Obama und einflussreichen Figuren der  US-Elite als unmittelbare Reaktion den Ausruf: “This is a game changer”!

Wie lautete eine angemessene deutsche Übersetzung dieses Ausdrucks?

Da wären

  1. Die Karten werden neu gemischt
  2. ein Wendepunkt
  3. starker Impulsgeber

als Möglichkeiten.

Inmitten eines ungeheuren Propagandatrubels der angelsächsischen Presse, der auch von der deutschen Medien, wenn auch in abgemilderter Form, mitgetragen wird, fällt es schwer, noch die Contenance und einen klaren Kopf zu behalten.

Genau dagegen haben sich einflussreiche Medien der westlichen Hemisphäre entschieden, wenn sie in ekelhaftester Kriegspropaganda-Manier Titel produzieren wie “Es war Putins Rakete” und daneben Bilder von süßen Babys setzen. (weiterlesen…)

Gaza, wie oft noch?

Freitag, 18. Juli 2014

Ein junger US-Amerikaner hielt während einer Demonstration in Jerusalem (2011), die die israelischen Demonstranten auch durch den arabischen Stadtteil führte und dort für Unruhe sorgte, eine kleine Ansprache:

“Israel besetzt das palästinensische Volk in meinem Namen, im Namen des Weltjudentums. Ich bin selbst amerikanischer Jude, und ich bin hier, um zu sagen, dass das völlig ungerecht und ethisch verwerflich ist. Und alle Völker dieser Welt werden nicht aufhören, bis diese Okkupation endet und das palästinensische Volk sein Recht hatte, das Recht auf Rückkehr, das Recht ohne Besatzung zu leben, und: Gleichberechtigung innerhalb Israels! Darum sind wir hier!

Ich sage dem israelischen Volk: Ihr müsst euch der Welt anschließen! An die einstimmige Weltmeinung! Die Welt hat entschieden, dass diese Besatzung nicht weiter gehen kann. Die Flüchtlinge können nicht bleiben, wo sie sind! Die Welt hat entschieden, dass sie alle nach Hause kommen müssen und die besetzten Gebiete frei sein sollen! Israel ist der Paria-Staat, Israel ist der Schurkenstaat! Und die Vereinigten Staaten, meine Regierung ist verantwortlich! Ich bin hier um zu sagen: Nicht in meinem Namen, nicht im Namen der amerikanischen Bürger!”

Schauen Sie jetzt was nach diesen Worten passiert … (weiterlesen…)

Fußball-WM 2014: Warum wir alle Versager sind!

Donnerstag, 17. Juli 2014

Die Rückkehr des "Blutkriegers", Quelle: youtube Still-Ausschnitt

Endlich ist sie vorbei, diese Fußball-WM! Wir sind Weltmeister?! Bin ich jetzt Weltmeister? Nö. Und das ist gut so.

Der aktuelle Ausbruch von schlimmstem Nationalismus auf der Fanmeile am Brandenburger Tor übertraf alle Befürchtungen und Klischees, die man über den notorischen Männer-Sport Fußball haben kann:

Angeblich harmlose Fans feierten „ihre“ Mannschaft, “ihre” „Fußballgötter“, aber wer da Augen hatte zu sehen, konnte unschwer erkennen, dass hier weniger der Ball rollte, sondern der alte, hässliche Nationalismus, verkleidet als moderner, weltoffener Patriotismus, aus seiner Stankhöhle kroch.

Und gerade weil dieser angeblich neue, unverkrampfte Patriotismus nett und unpolitisch daherkommt, sollte er umso mehr Anlass zur Wachsamkeit geben, damit deutlichen Anfängen gewehrt werden kann! (weiterlesen…)

Pädagogisch wertvoll: Familienausflug zur Christopher-Street-Day-Parade

Mittwoch, 09. Juli 2014

Moderne, zeitgemäße Kleinkindererziehung sollte so früh wie möglich, also sobald die Kleinen laufen können, dafür sorgen, dass Eltern mit ihren Sprösslingen dem Christopher-Street-Day beiwohnen — dieser Meinung ist zumindest Kathy Stolzenbach, in einem Artikel, der vom Generalanzeiger (Bonn, Köln) und dem Nachrichtensender NTV vertrieben wird: “Ausflug zum Christopher Street Day: ‘Mama warum muss der Mann an die Leine?‘” Aus den Augen und im Namen kleiner Kinder wird über das offensichtlich als pädagogisch wertvoll angesehene Straßenereignis als “Familienausflug” berichtet.

Sie kennen den CSD nicht? Nun, hier tummeln sich Exhibitionisten aller Couleur (meist vorgeschrittener Jahrgänge), mithin also Menschen, die unter Zeige- oder Zurschaustellungssucht lustvoll “leiden” und dabei offenbar erhebliche persönliche Befriedigung erfahren. Sich nackt oder halbnackt im sexuellen Kontext zu inszenieren, ist vor Erwachsenen im öffenlichten Raum teilweise toleriert, vor Kindern jedoch strafbewehrt — eigentlich… (weiterlesen…)