Pussy Riot for president oder for Nobel Peace Prize oder so

Es liegt im Trend: Orden, Preise und Auszeichnungen für Gesinnungen und Meinungen zu vergeben, die irgendwie in die Richtung tendieren, welche die Preisverleiher für die angesagte Marschrichtung halten:

Hat jemand noch etwas Negatives gegen Russland vorzubringen? Ja? Es könnte preiswürdig sein. Ob schwachsinnig oder kriminell, es reicht allemal für den Hannah-Arendt-Preis der grünen Böll-Stiftung …

… der jetzt vergeben wurde an Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina – auch wenn die, im Gegensatz zu diesen beiden weiblichen „Max und Moritzen“ blitzgescheite politische Philosophin und Namensgeberin dort, wo sie jetzt ist, aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herauskäme.

Aber hatte nicht auch Heinrich Böll weiland zusammen mit Lew Kopelew schon vor Putin gewarnt?

Jedenfalls erhielten die beiden “Ladies” den Preis, weil sie „trotz Verfolgung an ihrem Widerstand gegen die reaktionäre Wende in Russland festhalten“, so die Stiftung. Die beiden Mitglieder der Gang „Pussy Riot“ wären ansonsten zu recht längst vergessen, da sie nie etwas zu sagen hatten und nie etwas Eigenständiges produzierten.

Dies behauptet zumindest der „spiritus rector“ der Gruppe „Voina“ (Krieg), der Tolokonnikowa und ihr Mann sich seinerzeit andienten.
Das Paar versuchte ab 2008 an besagte Fachgruppe für Provokation anzudocken, sie zu imitieren und nachzuäffen – sehr zur Unzufriedenheit der eigentlichen „Voina“-Provokateure, die sich ausgenutzt und verhohnepiepelt fühlten:

In meiner Gegenwart schlugen sie nie eine einzige Idee oder Aktion vor. Sie haben nie kreative Arbeit gemacht. Sie waren mit Selbst-Promotion beschäftigt“, sagt 2011 verbittert der Provokationskünstler  Alexej Plutser-Sarno. Er ist eine Art geistiges Oberhaupt der Gruppe und immer irgendwo im Bild, bei ihren denkwürdigen Aktionen und Politstunts zu sehen, meist mit hohem Zylinder:

2008: Fuck for the Heir - Medved’s little Bear (Ficken für den Nachfolger, Medwedjews kleiner Bär), Live-Sex-Akt im Moskauer Naturkundemuseum; hinten rechts: Plucer-Sarno.

Die prämierte Nadeschda Tolokonnikova tat bei dem Event im neunten Monat schwanger mit und kam nur zwei Tage später mit ihrer Tochter nieder.
In einem Interview mit dem harten Kern der Aktivisten von Voina am 13.10.2011 porträtieren diese Tolokonnikowa als täppisch und ein Hindernis bei der Durchführung der Provokationen. Gleichwohl präsentierten sie und ihr Ehemann sich als eigentliche Autoren, Anführer und ideologische Initiatoren des Ganzen. Wenn es einmal keine Kameras gab, verloren die beiden augenblicklich jedes Interesse an der Mitarbeit an einem Stunt.

Schließlich wurde das Pärchen Ende 2009 aus „Voina“ ausgeschlossen, weil es einen Aktivisten an die Polizei verraten hatte, um darüber auf der Stelle Interviews geben zu können. (Der Verratene erhielt später ein Jahr Gefängnis.)

„Voina“-Mitglied Oleg Worotnikow über Pjotr, den Ehemann von Tolokonnikowa:  „Er ist so unmoralisch, dass er nicht einmal verstand, warum wir so aufgebracht waren, über das, was er sagte. Er sagte uns: ‚Seid ihr bekloppt? Das ist so eine gute Gelegenheit und ein unglaubliche PR für uns. Ich habe schon dutzende Interviews gegeben!‘

Das Kampfpärchen hatte jedoch nicht nur einen Aktivisten verpfiffen, um sich besser in Szene setzen zu können, sondern laut „Voina“ auch seine persönlichen Dinge, Laptop, Geld etc. an sich gebracht, woraufhin man einstimmig im Dezember 2009 Konsequenzen zog.

Das Urteil ist hart: Tolokonnikowa und Wersilow seien „Provokateure und Plagiatoren“. Damit war das Kapitel des umtriebigen Pärchens bei „Voina“ aber noch nicht beendet: Laut „Voina“ brachen die beiden nach ihrem Ausschluss in ein geheimes Lager der Gruppe ein, stahlen Materialien und gingen damit auf Europa-Tournee, gaben Interviews und präsentierten sich als Sprecher und Initiatoren der Proteste.

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Ende 2011 gründete sich „Pussy Riot“, wieder mit Tolokonnikowa und ihrem publicitygeilen Ehemann Wersilow als Sprecher im Hintergrund eigens, um zur anstehenden russischen Präsidentenwahl Krawall gegen den Kandidaten Wladimir Putin zu veranstalten – unter tatkräftiger Unterstützung des Moskauer BBC-Büros und dessen Reporter Steve Rosenberg.

Die Ziele der „Punk Band“ deck(t)en sich wie durch unsichtbare Hand mit westlichen Sanktionsforderungen gegen Russland – ob es den Boykott der Winterspiele in Sotschi betraf oder den Boykott russischen Öls bzw. Erdgases. Das war Tolokonnikowas erste Forderung, kaum 2013 vorzeitig aus dem Straflager entlassen.
Damit ist sie reif für weitere Ehrungen, Preise und Auszeichnungen durch die westliche Wertegemeinschaft.

Die Verleihung des Martin-Luther-Preises des „unerschrockenen Wortes“ der Stadt Wittenberg scheiterte letztes Jahr nur knapp nach Protesten.
Umso wichtiger wäre nunmehr die Verleihung des Friedensnobelpreises an die drei Grazien – besser als Obama sind sie allemal, da sie keine Kampfdrohnen losschicken, sondern bekanntlich selbst welche sind. Das ist auszeichnungswürdig! Frieden den Krawallmuschis: Krieg dem, na Sie wissen schon wem! Oder haben Sie es noch immer nicht kapiert?

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Einige versuchen  Russland mit genau dem Rezept zu spalten, das sie zur Vernichtung der ehemaligen Sowjetunion angewendet haben. Derartige Pläne stammen von den Feinden des russischen Volkes. Sie versuchen es so lange, bis die russischen Bürger mit eigenen Händen ihre Heimat zerstören“.
(Wladimir Putin, Januar 2012)

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Hier noch eine absolut preiswürdige Anti-Putin-Aktion von “Voina” vom Juli 2013:
„Europe sucks“ or „Obama suckled Putin’s dick!“

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2 Antworten zu “Pussy Riot for president oder for Nobel Peace Prize oder so”

  1. walter dyroff sagt:

    Sehr geehrte Frau Beck,
    vielen Dank für diese ausgezeichnete Recherche.
    _Es liegt im Trend: Orden, Preise und Auszeichnungen für Gesinnungen und Meinungen zu vergeben, die irgendwie in die Richtung tendieren, welche die Preisverleiher für die angesagte Marschrichtung halten:_
    Ein kleiner Hinweis an Ihre geschätzte jüngere Leserschaft.
    Wer verleiht die Preise?
    z. B. Als die CIA Pasternak den Nobelpreis gab
    aus FAZ 12.02.2009.
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/doktor-schiwago-als-die-cia-pasternak-den-nobelpreis-gab-1767222.html
    Lehrreich ist auch die ARTE-Sendung: “SPIN- Doktoren”.
    Besonders ab Minute 43-44 in Teil 2.
    “Medienarbeit .. ist zentraler Bestandteil eines Krieges…..den Krieg zu verkaufen, darauf kommt es an.
    Teil 1
    https://www.youtube.com/watch?v=aQ1l310rNBw&html5=1
    Teil 2
    https://www.youtube.com/watch?v=Rq8ayBBv3aA&html5=1
    Oder:
    Was haben Heinrich Böll, Carola Stern, Gerd Ruge und Theo Sommer mit der CIA zu tun?
    http://www.arbeiterfotografie.com/medien/2006-11-29-cia-fuer-die-freiheit.html
    Wer sich das “reingezogen” hat, schaltet viele ÖR Sendungen ohne schlechtes Gewisen sofort ab.
    Das sind z.B. Tagesschau, Tagesthemen, die unsäglichen Morgenmagazine,
    Kontrovers im Deutschlandfunk, “Talks” auf Phönix usw, usw.

  2. Friederike Beck sagt:

    Danke für die Hinweise. Dazu passt auch: The Cultural Cold War: The CIA and the World of Arts and Letters von Frances Stonor Saunderes, gibt’s auch auf Deutsch

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