Guttenberg kündigt mehr Tote in den nächsten Jahren an – nicht nur in Afghanistan!

27. April 2010
Quelle: Bundeswehr/

Quelle: Bundeswehr/Bienert/Andrea Bienert

Gestern vermeldet die Presse, unser Verteidigungsminister habe auf der Trauerfeier für die vier zuletzt in Afghanistan gefallenen Soldaten im Ingolstädter Münster gesagt:

„Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein, nicht nur in Afghanistan.“ Und: Die deutsche Gesellschaft, „die diesen Dienst bislang allenfalls freundlich-distanziert zur Kenntnis nimmt“, müsse umdenken. Guttenberg stimmte die Öffentlichkeit auf weitere Tote ein und forderte mehr moralische Unterstützung für die Soldaten. Ein weiterer Bericht trägt die Überschrift: „Guttenberg bittet  Soldatenfamilien um Verzeihung“ (vgl. GA Bonn, 26.4.2010)

An diesen Berichten ist  Mehreres merkwürdig: Guttenberg kündigt Tod und Verwundung gleich für die nächsten Jahre an und nicht nur in Afghanistan. Weiterlesen »

Aufstachelung zu Angriffskrieg in Deutschland nicht strafbar (wenn der Angriff von einer anderen Armee als der deutschen verlangt wird)

18. April 2010

Vor etwas mehr als zwei Monaten hatte ich an dieser Stelle zu einem besonders eklatanten Beispiel von Kriegshetze Stellung bezogen, die in Teilen der deutschen Medienlandschaft immer salonfähiger wird.

Es handelte sich dabei um einen Welt-Online-Artikel des in dieser Sparte besonders geübten Daniel Pipes, „Obama sollte den Iran bombardieren“, in welchem er dem US-Präsidenten ganz ungeniert Ratschläge für den Angriff auf den nahöstlichen Staat erteilt und dabei zur Eile antreibt.

Ich hatte mir erlaubt, den Deutschen Presserat auf diese Entgleisung aufmerksam zu machen – der Rat wird noch tagen.

Gleichzeitig hatte ich bei der nächstbesten Staatsanwaltschaft (bei Online-Veröffentlichungen gilt der „fliegende Gerichtsstand“) Strafanzeige wegen Aufstachelung zu einem Angriffskrieg gegen die WELT und ihren Autor erstattet. Ähnlich lautende Strafanzeigen wurde ebenfalls von verschiedenen Lesern, unabhängig voneinander, erhoben.

Meine Anzeige wurde an die Staatsanwaltschaft Berlin weitergeleitet, und von dort erhielt ich am 30.3.2010 Post von Staatsanwältin Kamuf. Weiterlesen »

Blumendrachen

18. April 2010

Ich öffnete die Schreibtischschublade und sah, dass sie eine große braune Schachtel enthielt. Die Schachtel aus braunem Karton wirkte selbstgemacht, und tatsächlich las ich: „Oben“ und „Zum Öffnen die gummierten Klebestreifen aufschneiden und Schlitze anheben.“ Und: „Vorsichtig öffnen!“

Ich folgte der Anordnung, bemerkte aber, dass jemand den Schlitz schon geöffnet haben musste. Und dann sah ich etwas Blaues, Rundes, Selbstgemachtes aus Seidenpapier. Erstaunt untersuchte ich das knisternde Inneliegende: Es hatte die Form eines großen, gestielten Blattes. Auf das blaue  Blatt, das mit Seidenpapier auf einen Peddigrohrrahmen aufgezogen war, war eine Blume, wohl eine Rose, mit andersfarbigem Seidenpapier aufgeklebt; sie hatte 2 rautenförmige Seidenblätter als Stengel und in der Mitte des Rosenstiels klebte ein runder Seidenpapierpunkt, der eine sehr, sehr feine Paketschnur darunter festhielt.

Das Ganze war vorsichtig mit kleinen, altmodischen Tesafilmstreifen auf einer weiteren stabilen Pappe befestigt. Auf dieser Pappe stand geschrieben:

„Rosie-Drachen“
„Flugbereit“
„Einfach nur den Schwanz anbinden“

Über dem Wort „Rosie“ war eine Rose gemalt, die ähnlich wie die Seidenblume, nur kleiner, aussah.

Neben dem Drachen lag ein Briefumschlag. Ich öffnete ihn. Der Brief fing mit einem ummalten großen „R“ an. Der erste Strich der Initiale war als langstielige Rose gemalt, grün und rot. „Meine liebe Rosie“ stand da in riesigen Lettern. „’Besser spät als nie’, heißt es, doch das hier ist, glaube ich, lächerlich: WEIHNACHTSGESCHENKE!“ Wieder rankten um die Großbuchstaben Rosen.

„Ich habe das Gefühl, dass Du, als Du das letzte Mal in der Schule warst, mich gefragt hast, ob ich einen Drachen hätte, und ich gab Dir einen ziemlich kaputten – aber ich kann das beim besten Willen nicht mehr mit Sicherheit sagen. Ich meine mich jedoch daran zu erinnern, dass Du die Idee hattest, einen mit Deinen Kindern steigen zu lassen, um ein bisschen Spaß zu haben.Nun, hier ist der Spaß-Drachen!“

Die Schrift wirkte sehr ordentlich, fast penibel, aber auch „ausgeschrieben“ wie von jemandem, der viel schreibt. Sie hatte aber kleine „Schleifspuren“ zwischen den Wörtern – sie könnte zu jemandem gehören, der etwas erschöpft oder resigniert oder gar etwas kraftlos ist, diesen Brief also irgendwie fast mit seinen letzten oder  vorletzten Kräften schreibt. Weiterlesen »

Von Würmern und Störchen

16. April 2010

Ein Wurm, sagt man, hat im vergangenen Winter zugeschlagen und viele alte Palmen enthauptet: Da stehen sie, die meterhohen Stämme wie Säulen mit einem Rest Kapitell: Ein Jammer. Wie das Gewürm es geschafft haben soll und ob es wirklich stimmt, ist eine andere Frage, besonders, wie ein Wurm oder mehrer Würmer es anstellen, einen alten Palmenbaum derart zu unterminieren, dass ihm seine Lebenssäfte so abgegraben werden, dass aus seiner Krone nun keine grünen Palmwedel mehr treiben können…?

Die verdorrten Kronen sind jedoch dieses Jahr Schauplatz von etwas Unerhörtem, noch nie Dagewesenem – zumindest können sich die Alten an nichts dergleichen erinnern: Ein Storchenpaar hat einen dieser verwaisten Palmenhochsitze als Nistplatz auserkoren – und das an einem der heißesten Plätze Europas: An der verkehrsreichen Umgehungsstraße einer Kleinstadt im Hinterland der Costa del Sol.

Das Storchenpaar setzt damit ein ungeheuer mutiges, geradezu tollkühnes Zeichen, das dazu angetan ist, Kleinmut, Depressionen und andere Hilflosigkeiten auszutreiben, zumindest bei denjenigen, die sich von seiner An-Mut anstecken lassen können.

Das majestätische Nestbauunternehmen gerade an dieser Stelle bedeutet nämlich nichts Geringeres, als dass dieses tollkühne Paar, Herr und Frau Adepar, sicher sind, dass so viel Regen gefallen ist und noch fallen wird, dass all dieses Wasser, all die Herbizide und Pestizide, die sofort mit Einsetzen des Frühlings unbarmherzig auf alles niedergehen, was das grünt und blüht, soweit verdünnen kann, dass es genügend Frösche und Kröten geben wird, die das überleben, um sich dann anschließend als appetitliche Futterquelle für Adebar und den geplanten Nachwuchs zur Verfügung stellen zu können. Und dass der nahe liegende Fluss dieses Jahr nicht austrocknen wird, bevor noch irgendein Jungstorch geschlüpft ist. Weiterlesen »

Sahnejoghurt – wie immer (Tagebuchausriss)

06. April 2010

Ich habe alles vorgefunden, als wäre es gestern: Freude und Bedauern. Die Zeit muss ein Karussell gewesen sein mit einem Mittelpunkt, um den die Ereignisse glitten oder ritten oder war es vielleicht umgekehrt? Der Mittelpunkt kreiste um Dinge? Denn es gibt keinen erkennbaren Fortschritt, zumindest nicht linear. Scheinbarer Stillstand im Zentrum ängstigt mich, aber auch in der Peripherie.

Ich finde die rote Iris wieder, und es war gestern, ich finde ein neues, aufgegebenes Nest – leer, weil der Spalt zwischen Deckenbalken und Rollo zu schmal ist für irgend etwas Rundes, wie gehabt; die in einem offenen Betonkasten gefangen gehaltene Jagdhündin , die ca. viermal im Jahr zur Jagd herausgeholt wird, ist wie immer um diese Zeit mit Jungen niedergekommen – sie hat wieder aus ein paar Sägespänen versucht, ein Art Nest zu machen und ihre Jungen gesäugt, bis der Besitzer wie immer Ende der Woche zum Säubern des „Schweinestalles“ erschien und die Jungen gleich mit ausmistete. Seitdem hat die Hündin wie immer um diese Jahreszeit Fieber und Schüttelfrost, ein Gesäuge wie ein Felsbrocken und kriecht und windet sich vor Angst wie ein zertretener Wurm am Boden, den Schwanz soweit eingeklemmt, dass er unter der Brust herausragt.

Erneut stehe ich ratlos vor dem Verschlag und starre auf das dicke Vorhängeschloss. Selbst wenn es sich zertrümmern ließe, wäre es ein Einbruch. Und niemand braucht nervöse Jagdhunde, am wenigsten ich selbst.
Daher hole ich wie immer 10%igen griechischen Sahnejoghurt und schiebe ihn täglich unter dem Gitter durch. Vor Freude und Gier zerrt und beißt die Hündin in das Töpfchen, um es schneller hereinzuziehen, dabei verschüttet sie wie immer die Hälfte über ihren eigenen Kothaufen und in den feuchten, uringetränkten Sägespänen – aber es wird der Höhepunkt des Tages sein, auch ein leerer Joghurtbecher ist Ablenkung  und er kann wie immer nach allen Regeln der Kunst vollständig zernagt werden.

Mein Entsetzen gerät irgendwie zur Routine und die Routine ist nah an der Langweile. Angeödet frage ich mich, warum es immer noch Menschen gibt, die Hunde mit Schweinen, Schweine mit Hunden und beide mit geistlosen, zur Vernutzung und Verschleiß gedachten Gebrauchsgegenständen und sich selbst mit Menschen verwechseln.

Wie immer beehrt mich meine Katze Minze alle zwei Jahre um diese Jahreszeit – ein untrügliches Zeichen, dass die Ernährungslage hoffnungslos ist. Minze mit ihren grünblitzenden Augen genießt meine heimliche Bewunderung. Ein Ebenbild von Unabhängigkeit, Freiheitsliebe und Wildheit, manchmal Jahre unauffindbar, besonders, wenn ich mich mit Kastrationsgedanken trug, dann wieder aufgetaucht, als wäre alles gestern gewesen, schnurrend zu Zärtlichkeiten aufgelegt. Sie tut herum, ihren Schwanz  und ihr Hinterteilchen hoch aufgereckt, so als bedürfte es noch eines Hinweises darauf, was inzwischen mal wieder geschehen ist. Ich krame aus meinen Vorräten zwei Patébüchsen und ein Töpfchen griechischen Sahnejoghurt hervor. Minze frisst, schlingt und schleckt in rasendem Tempo und bleibt schließlich noch ein Weilchen benommen sitzen, um nicht zu bersten. Am nächsten Tag ist ihr Bauch um exakt den Umfang der zwei Dosen und des Töpfchens gewachsen.

Ich spähe nach oben und versuche im Dachgiebel das Einflugsloch der Bienen ausfindig zu machen, die mein Haus nun schon im dritten Jahr erfolgreich in einen Bienenstock verwandeln. Ich versuche mir auszumalen, wie es wohl da drinnen aussehen mag. Ich kann, mal wieder, nur mutmaßen. Irgendwie hatte ich erneut gehofft, die Bienen hätten den kalten, feuchten, wie-auch-immer Winter nicht überlebt – aber nein, da sind sie, wie immer geschäftig an der Arbeit. Es kann kein großer Stock sein, denn ich überhöre ihr „Aufstehen“ morgens um ca. 7:30 regelmäßig. Und abends wecke ich mit meiner Leselampe höchstens mal eine Biene, die aufgeschreckt durch die Decke gebrummt kommt und manisch das Licht umsummt, sodass ich unweigerlich meine Lektüre unterbrechen, wie immer zum bereit liegenden Lappen greifen und die nervtötende Summerin nach draußen befördern muss. Das hysterische Gebrumm und die Unterbrechung meiner wohligen Voreinschlafphase machen mich wütend. Doch immer wieder besänftigt mich der Gedanke an die vielen göttlichen Momente meines Lebens, die mir diese betriebsamen Wesen schenkten: mit schimmerndem, piemontesischen Akazienhonig, den ich mir zum Frühstück über ein par dicke Haferflocken, griechischen Joghurt und geschnittene Kiwis, Bananen, roten Pampelmusenstücken und Äpfel tropfen ließ, oder mit karamellartigem, zartgelben französischen Lavendelhonig, der, Ton in Ton, ein dick bestrichenes Butterbrot ziert oder der leicht harzige, dunkle Amazonashonig aus Brasilien, der irgendwie nach Orchideen, bunten Papageien und riesigen Urwaldpflanzen schmeckt.
Da ist es ja wohl das Mindeste, dass ich diesen Urheberinnen meines Honigglücks mein Haus als Refugium zur Verfügung stelle.

Dieses kleine Opfer muss es mir ja wohl – wie immer – wert sein.

Winnenden: Kein Licht ins Dunkel

12. März 2010

Gestern am 1. Jahrestag des Schulmassakers an der Albertville-Realschule in Winnenden geriet in der Medienberichterstattung völlig aus dem Blickfeld, dass zentrale Fakten nach der angeblichen Tat des Tim K. noch überhaupt nicht geklärt sind. So etwa die Tatsache, dass während des „Amoklaufs“ kein Schüler Tim K. erkannt bzw. identifiziert hatte.

Was gestern an diesem traurigen Jahrestag in den Medien „berichtet“ wurde, hatte daher auch nichts mit Fakten oder erkennbarer Anstrengung irgendeiner Recherche zu tun, für die man ja bereits ein Jahr Zeit hatte.

Stattdessen betätigten sich Zeitungen und Fernsehen als Hobby-Psychologen oder gar -Psychiater und das, ohne den „Patienten“ überhaupt gekannt zu haben. So als enthöbe sie ein traumatisches Ereignis der Pflicht, sich an Fakten zu halten. Gerade eine pietätvolle Haltung den Opfer-Angehörigen gegenüber würde das gebieten. Weiterlesen »

Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Joggen

02. März 2010

Ich bin Genussläuferin. Da kann es mich auch nicht anfechten, ermunternde Zurufe zu hören wie “Hey, das schaffst du!”, – da ruf ich ganz locker zurück: „Hab noch `ne Stunde vor mir, immer schön langsam angehen lassen.“ – oder „dein Hund läuft aber viel eleganter als du!“

Zum Glück bin ich keine zwanzig mehr, wo ich meinte, mit Männern mithalten zu müssen. Ich hab’s mir schon bewiesen. Ich muss nicht mehr um 6:30 vor dem Frühstück anderthalb Stunden durch den Wald laufen, um meine überschüssigen Energien loszuwerden, heute dürfen meine überschüssigen Energien Form annehmen, und zwar geschieht das zwangsläufig während des Laufens. Ich nehme an, das ist die westliche Form der Meditation, auf jeden Fall meine: Die Energien zum sinnvollen Fließen bringen. Im Lotus- oder Schneidersitz geht bei mir gar nichts. Weiterlesen »

Köln: Flutung wegen Hochwasser

27. Februar 2010

Wer dieser Tage am Rhein entlang spaziert, kann es, wie jedes Jahr um diese Zeit, beobachten:  Fast stündlich sieht man das Wasser steigen und reißender werden, man kann dem Fluss fast beim Anschwellen zusehen, eine hellbraune Flut brodelt vorbei und steht kurz davor, die Uferpromenaden zu erreichen, eine unübersehbare Menge von Plastikmüll mit sich führend: Schneeschmelze, Regen…

„Aktuell haben wir einen Grundwasserstand von 37,9 Metern. Bei 39,5 Metern wollen wir fluten.“ (GA Bonn v. 26.2.2010). Gemeint ist die U-Bahn-Großbaustelle in der Kölner Altstadt. Morgen, am Samstag, wird es dann soweit sein, bei einem Pegelstand von 6,50 Metern.

U-Bahnfahren ist doof: Langweilig, denn man sieht nichts, umständlich, denn man muss erst alles mühsam nach unten und dann wieder nach oben schleppen, wenn nicht Einkaufstaschen, dann wenigstens sich selbst, und es ist gefährlich und vor allem spät abends und nachts unheimlich. Im Zweifelsfall kommt einem trotz Überwachungskameras niemand zu Hilfe. Weiterlesen »

Margot Käßmanns Rücktritt: Hintergründe.

25. Februar 2010

Wenn man sich ansieht, mit welchen Themen Margot Käßmann, (frisch zurückgetretene ) Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischöfin von Hannover in den letzten Wochen in den Schlagzeilen stand, konnte man wissen, dass sie auf der „Roten Liste“ derer war, die über die Medien öffentlich „Schulnoten“ verteilen und zur Hatz auf in Ungnade gefallene Personen blasen; Margot Käßmann musste von nun an besonders vorsichtig sein. Offensichtlich war ihr das nicht bewusst genug…

Eine Kirche, die sich nicht einmischt und zeitgeistfromm ein angepasstes Mauerblümchen-Dasein führt, der Politik die Füße küsst und sich allenthalben selbst für inkompetent bei der Bewertung des Zeitgeschehens hält, braucht niemand mehr. Sie begibt sich selbst ihrer ansonsten wichtigen Funktion, dem Parteienstaat wenigstens ein gewissen Gegengewicht gegenüber zu setzen. Eine solche handzahme, rückratgebrochene, verzagte Kirche steht sicher nicht in der Nachfolge Christi und fällt zu Recht immer mehr in die Bedeutungslosigkeit. Was sich nicht zuletzt an Kirchenaustritten zeigt.

Es ging ein Aufatmen durch Deutschland, da es zum ersten Mal seit Jahren wieder eine hochrangige Kirchenvertreterin gab, die sich zu Weihnachten nicht nur in Gefühlsseligkeiten verfranste, sondern mit einigen Worten auch zu Afghanistan eine – längst überfällige  – gesellschaftliche Diskussion anstieß.

Typischer Vertreter einer politisch korrekten, fügsamen Kirchen(ein)richtung ist ein gewisser Herr Klose (SPD), dem die Frohe Botschaft weiß Gott nicht im Gesicht geschrieben steht.

Natürlich rügte er in BILD Käßmann scharf dafür, was sie an Weihnachten in ihrer vieldiskutierten Weihnachtspredigt gesagt hatte und forderte, sie solle sich auf die Verkündigung des Wortes Gottes beschränken.

Beschränken? Beschränken? Wie beschränkt muss man sein, um so etwas Umfassendes als Beschränkung zu bezeichnen? Wie wär’s mal mit diesem Wort Gottes: „Du sollst nicht töten!“, Herr Klose. Ist das für sie eine beschränkte Aussage? Wehe der Politik, wenn die Kirchen plötzlich wieder das ernst nähmen, was in den Evangelien steht! Weiterlesen »

Ssänk ju for träffelling wiss doitsche bahn

25. Februar 2010

Möchten Sie helfen? Ja? Wem? Der Deutschen Bahn, dabei, wieder Deutsch zu sprechen und somit kundenfreundlicher zu werden.

Nach langen Jahren des „Denglisch“ ist man dort allerdings unsicher geworden, wie die einzelnen Dienste auf Deutsch noch hießen. Daher kann es hilfreich sein, sich als Kunde an einer öffentlichen Rückübersetzung mit geeigneten, sachdienlichen Übersetzungsvorschlägen zu beteiligen. Hier klicken.

Vor allem für folgende Begriffe sucht man eine geeignete deutsche Übersetzung:
Service Point
Service Hotline
Call a bike
Kiss & ride
Park & rail
Call-a-bike
Sleep-on-train

Bitte beteiligen Sie sich! Helfen Sie der Deutschen Bahn dabei, wieder kundenfreundlicher zu werden.
DANKE. Es erwarten Sie als Dank für Ihre Mühen: Eine Menge Freifahrtscheine ins Grüne und Blaue!!!

Dresden 13.-15. Februar

17. Februar 2010
Dresden am 15.2.1945; Quelle: Wikipedia Commons

Dresden am 15.2.1945; Quelle: Wikipedia Commons

Die Demonstrationen am gestrigen Tag in Dresden am 65. Jahrestag der völligen Zerstörung dieser Kunststadt an der Elbe mit einer Unzahl von Toten zeigen:

Deutschland ist krank: geistes- und gemütskrank.

Denn es gibt ganz offensichtlich nicht einmal mehr den kleinsten gemeinsamen Nenner: Trauer. Tote betrauern, Krieg betrauern, den Untergang einer Stadt betrauern.

In Deutschland ist es, wie man sah, nicht möglich, gemeinsam zivilisiert und in Würde den Jahrestag im Gedenken an den Untergang aber auch die Wiederauferstehung einer Stadt zu begehen. Ausnahmslos alle kochten an diesem Tag irgendein Süppchen.

Die Rechten wollten wie immer Präsenz zeigen, Fahnen schwingen, markige Sprüche klopfen und sich wichtig tun: „kein Vergeben – kein Vergessen“. Die Linken und Autonomen, wie immer das Recht für sich beanspruchend Nazismus zu verhindern, wollten dafür oder dagegen Mülltonnen in Brand zu setzen und Autos von Rechten umzustürzen. Die Antideutschen wollten Israelfahnen schwingend „Bomber Harris do it again“, nie wieder Deutschland“ und „keine Opfer, sondern Täter“ rufen und die Offiziellen wollten Gutmenschen sein. Dafür machten sie eine Menschenkette mit Friedensgebet und setzten ein „Zeichen“: „Für gleiche Rechte aller Menschen“, „Für Toleranz und gegen Rechts“ und „Gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus“.

Die Bürgermeisterin gedachte der etwa 25.000 Opfer, was wieder einige Tausend weniger als in den Vorjahren waren, und bezeichnete die Menschenkette als ein „Zeichen gegen Intoleranz und Dummheit“, und Ministerpräsident Tillich gedachte vor allem dem Krieg, der von deutschen Boden ausging, so als würde man dies nicht an den restlichen 364 Tagen des Jahres hören können. Weiterlesen »

En und Innen protestierenInnen gegen den Krieg (SoldatenInnen) in Afghanistan

14. Februar 2010

Gerade bekam ich die Einladung zu einer Demo in Berlin, Thema Afghanistan bzw. ganz aktuell die zugesagte Truppenaufstockung durch Deutschland. Ich las; alles soweit richtig – aber irgendwas störte mich an dem Text…

Ich habe nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass eine allzu beflissene grammatikalische Gender-Korrektheit , wie in diesem Aufruf besonders grotesk angewendet, das Inhaltliche in den Hintergrund drängt, ja dieses sogar konterkarieren kann.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es den Autoren mehr um eine Demonstration von gender correctness (einer Unterabteilung der political correctness) geht, als um das große Ziel „Frieden“.

Ich stelle dabei im linken Lager generell, und darüber hinaus, immer mehr eine schablonenhafte Kleinkariertheit und korinthenköttelnde Spießbürgerei fest, die ein Gefühl von klaustrophobischer Enge vermittelt. Ja, ich habe sogar das Gefühl, dass diese besondere Form des „Gutschreibs“ dem Denken und präzisen Formulieren abträglich ist. Weiterlesen »

Eiszeit oder: Gruß vom Angorahasen

13. Februar 2010
Hattu mal ein warmes Höschen?

Hattu mal ein warmes Höschen?

Stirnrunzelnd betrachte ich den dicken Plastiksack mit der Aufschrift WEG! Ebay/Second Hand. Hmmmm.

Ich öffne bedächtig den mit einem alten Wollgürtel zusammengebundenen Knoten und beginne, den Inhalt zu sichten. Neben mir habe ich den Fotoapparat und natürlich eine Schächtelchen mit verschiedenen unerträglichen Parfumpröbchen bereit gestellt: „Dunest“, „Gloria sowieso“, „Gino Ginelli und „Bruno Babane“ usw., um den möglicherweise auftretenden Geruch nach Moder/Motten/Sporen zu übertünchen, bevor ich die frisch  besprühte Ware ablichte,verpacke und für den Versand vorbereite…

Ich ziehe die ersten Wollpulover heraus; allesamt mit hohem, eng sitzenden Kragen, wie sie niemand mehr erleiden mag, aber super Qualität, gute alte Markenware, wo keine Fäden heraushängen, engmaschig gestrickt, hochmerzerisiert, nichtfilzend, Merino usw., eben aus der guten alten Zeit, die irgendwann in den Achtzigern aufhörte, als östliche Ware den Kleidermarkt eroberte.

Bin ich denn blöd, denke ich bei mir. Da kaufe ich mir wegen der anhaltenden Kälte wollne Unterhemden für 20-40 Euro das Stück und hier liegen feingestrickte Pullis im Sack. Einfach den engen Kragen rausschneiden, schnipp-schnapp, einen neuen, bequemeren Ausschnitt reinschneiden und mit Zick-Zack flink umsäumen – fertig! Weiterlesen »

“Rules of Deception” (Die Regeln der Täuschung) oder: Wie man den Krieg herbeischreibt

13. Februar 2010
Regeln der Täuschung

Regeln der Täuschung

Vor etwa drei Wochen begleitete ich einen Freund in einen englischsprachigen Buchladen eines großen spanischen Einkaufszentrums. Während er bestellte Bücher abholte, schlenderte ich leicht gelangweilt umher und griff mir ein Buch aus dem Regal: RULES OF DECEPTION (Regeln der Täuschung) von Christopher Reich, einem amerikanischen Autor.

Ich schlug es auf und las: „Die Schweiz wurde 1291 gegründet und betrachtet sich selbst als die älteste kontinuierlich funktionierende Demokratie der Welt …“
Der Thriller eines amerikanischen Autors spielte also in der Schweiz. Das kam mir interessant vor, und ich kaufte das knallrote Ding.

Gleich von der ersten Seite an entwickelte das Buch einen Sog, der Prolog erreicht sogar literarisches Niveau. Durchweg kurze Kapitel umfassen jeweils nicht mehr anderthalb bis zwei Seiten, wodurch das Buch ungeheuer schnell getaktet wird. Jedes neue Kapitel ist mit einem Perspektive- und Schauplatzwechsel verbunden, was es ungemein spannend macht. In solcher Perfektion hatte ich diese Erzähltechnik zum letzten Mal bei Ruth Rendells „Sprich nicht mit Fremden“ bewundert. Reich verfolgte und verwob jedoch nicht nur zwei Erzählstränge, sondern bis zu sieben!

Jonathan Ransom, ein amerikanischer Arzt, der mit seiner Frau für „Ärzte ohne Grenzen“ in Genf arbeitet, verliert diese durch einen tödlichen Unfall bei einer Skitour in der Nähe der Schweizer Furga Nordwand; sie erleidet einen Beinbruch, er muss sie im dichten Schneetreiben zurücklassen, um Hilfe zu holen, nur um schließlich festzustellen, dass sie unterdessen versucht hat, sich weiterzubewegen und in eine Gletscherspalte gefallen ist…
Der verstörte Ehemann fährt allein zurück ins Hotel und findet unter den persönlichen Dingen seiner Frau auch einen Gepäckabholschein. Und damit beginnt der Albtraum: Weiterlesen »

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