Atomdesaster in Japan und brisante Geologie

19. März 2011
Pazifischer Feuerring; Quelle Wikimedia Commons

Pazifischer Feuerring (Quelle: Wikimedia Commons)

Mittlerweile sind wir schlauer:

Hätte jemand vor der Atomkatastrophe in Japan gefragt, wieviele Atommeiler das Land besitze, wieviele Menschen hätten die richtige Antwort gewusst?

Wer hätte gewusst, dass es in Japan, einer Weltregion, die traditionell zu den am meisten von Erdbeben betroffenen Gegenden unseres Planeten gehört, 55 Atomkraftwerke gibt, sowie weitere 11, die im Bau sind.

Eine “Anti-Atom”-Bewegung ist, so hören wir, in Japan gänzlich unbekannt. Die Nuklearenergie wird also offensichtlich in völliger Übereinstimmung mit der großen Mehrheit der Bevölkerung ausgebaut.

Das ist zumindest erstaunlich – auch deswegen, weil Japan ja 1945 schreckliche Erfahrung mit dem Abwurf zweier amerikanischer Atombomben machte, die es aber offensichtlich in seinem Streben nach Nuklearenergie überhaupt nicht beeinflussten. Weiterlesen »

Vorwort – ohne Worte

28. Februar 2011

Einleitung – nicht kommentiert

Dissertation Original
„E pluribus unum“, „Aus vielem eines“ – so lautete das Motto, unter dem vor über 215 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden. Ein Motto, das programmatisch zu verstehen ist. “E pluribus unum”, “Aus vielem eines” – so lautete das Motto, unter dem vor rund 200 Jahren die amerikanischen Staaten zur Union zusammenfanden, und dieses Motto ist programmatisch zu verstehen.
Das Land, das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat, eröffnet erst auf dieser einheitlichen, gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit. Das Land, das wie kein anderes den Pluralismus auf seine Fahnen geschrieben hat, eröffnet erst auf dieser einheitlichen, gemeinsamen Basis den Spielraum für die Entfaltung von Vielheit.
Sich zu einer Nation zu vereinigen, die ursprünglich autonome Vielfalt gegen einen von der Zentralregierung gewährten Pluralismus einzutauschen bedeutete indes Verzicht; Sich zu einer Nation zu vereinigen, die ursprüngliche autonome Vielfalt gegen einen von einer Zentralregierung gewährten Pluralismus einzutauschen bedeutete natürlich Verzicht;
die bisher unter losem Konföderationsdach weitgehend selbständigen Einzelstaaten mussten um des Gemeinsamen willen den Anspruch auf das Eigene zurückschrauben und Souveränitätsrechte abgeben.
Hinweis: auf Seite 016 geht es aus gleicher Quelle weiter.
die bisher unter losem Konföderationsdach weitgehend selbständigen Einzelstaaten mußten um des Gemeinsamen willen den Anspruch auf das Eigene zurückschrauben und Souveränitätsrechte abgeben.
Übernommen aus: Dr. Barbara Zehnpfennig, “Das Experiment einer großräumigen Republik”, FAZ, 27. November 1997.
Link: www.faz.net/-01oqth
Dokumentiert in: http://my.opera.com/raphman/blog/guttenberg-und-zehnpfennig Scan bei faz.net

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Glühbirne: Im September kommt das Aus

27. Februar 2011
Kommt: Die giftige Quecksilber-"Energiesparlampe"

Die giftige "Quecksilberglühbirne"

Viele von uns verdrängen es: Die beliebte, umwelt- und augenfreundliche Glühbirne wird nach dem Willen der EU dieses Jahr im September endgültig sterben.

Das Sterbelämpchen leuchtet für folgende Typen:

  • die 100 und 75  Watt-Birne (klar)

sowie ALLE mattierten Glühlampen,

  • 25 W,
  • 40 W,
  • 60 W,
  • 75 W

Wer bei sich schon einmal eine “Energiesparlampe” eingedreht hatte, wird es bemerkt haben: Die Lebensdauer hält nicht das, was sie verspricht. Diese persönliche Erfahrung von manch einem wurde jetzt von Ökotest in einer Versuchsreihe überprüft. Fazit: Die Lebensdauerangaben der Leuchtmittelhersteller entsprechen nicht der Realität. Angeblich leben die “Energiesparlampen” nämlich 12 mal länger als eine herkömmliche Glühbirne. “Falsch”, sagt Ökotest. Weiterlesen »

Ge-”peakt”? – oder doch nicht? Riesige Gas- und Erdölfunde im Mittelmeer sind Konfliktstoff

03. Februar 2011

In zeitgeist (Print wie Online) sind bereits mehrfach Beiträge zur abiotischen bzw. biotische Entstehungstheorie der Kohlenwasserstoffe (Erdöl, Erdgas, Kohle) erschienen. Ziel war, die Frage zu diskutieren, ob wir es wirklich mit einer drohenden Verknappung oder eher mit einer “angedrohten” Verknappung zu tun haben.

Unlängst hatte meine Wenigkeit versucht, mir und den Lesern mit dem Artikel “Sind wir alle Geisel von ‘Peak Oil’?” (Teil1 und Teil2) und dem Bericht: “Heimliche Bohrungen: Run auf nicht-konvenionelles Gas in Detschland hat längst begonnen” eine Übersicht über den aktuellen Stand der Dinge zu verschaffen.

Die Vertreter der fossilen, also der biotischen Enststehungsteorie unserer Energiereserven, bringen als eines ihrer wichtigsten Argumente vor, dass es seit geraumer Zeit nicht mehr gelänge, wirklich große Erdöl- oder Gaslagerstätten zu entdecken. Die Förderung werde zudem immer komplizierter und teurer.

In den verlinkten Artikeln hatte ich bereits einige Beispiele dafür angeführt, dass dieser Behauptung nur bedingt zuzustimmen ist: Weiterlesen »

Friede Springer gründet 3. Stiftung! Im Vorstand: Merkel-Ehemann

03. Februar 2011
Merkel-Ehemann im Kuratorium der neuen Springer-Stiftung;Quelle wikimedia commons

Merkel-Ehemann im Kuratorium der neuen Springer-Stiftung (Foto: Wikimedia Commons)

Stiftungen haben vor allem zwei Funktionen: 1. Sie sind ein Steuersparmodell. 2. Man kauft sich mit ihrer Hilfe Einfluss.

Davon gibt es im Hause Springer offensichtlich noch nicht genug, denn Friede Springer gründet zusätzlich zu den bereits bestehenden, der Herz- und der Axel-Springer-Stiftung, noch eine weitere – die Friede-Springer-Stiftung.

(WELT vom 29.1.2011): “Berlin (dpa) – Verlegerin Friede Springer hat eine Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Kunst, Kultur und Bildung gegründet. Das Startkapital der Friede Springer Stiftung betrage 80 Millionen Euro, wie die Organisation am Montag mitteilte. Das Geld stamme aus dem Privatvermögen der Witwe von Axel Springer. Vorstandsvorsitzende der Stiftung mit Sitz in Berlin ist Friede Springer selbst. Im Kuratorium sitzen neben ihr auch der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sowie die derzeitige Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Marianne Birthler. Die neue Stiftung ist unabhängig von der Friede Springer Herz Stiftung und der Axel Springer Stiftung.”

“Welt am Sonntag: Wie wird die neue Stiftung strukturiert sein? Und wer entscheidet?

Friede Springer: Es gibt ein Kuratorium, dem sechs Persönlichkeiten angehören: Marianne Birthler, der Mediziner Manfred Gahr aus Dresden, der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, Christoph Markschies, Joachim Sauer (hervorg. F. B.) und Eric Schweitzer vom Vorstand der ALBA Group. Sie sehen: ein breites Spektrum, ein wirklich hochkompetentes Kuratorium. Es wird die Anträge beraten. Die letzte Entscheidungsmacht behalte aber ich mir vor, das Kuratorium hat eine beratende Funktion. Die Stiftung wird ganz klar vom Verlag getrennt sein, sie wird keine Unternehmensstiftung sein. Sie ist allein mein persönliches Projekt und völlig unabhängig vom Verlag. Das Kapital der Stiftung stammt allein aus meinem Vermögen.

Welt am Sonntag: Wie hoch ist das Startkapital Ihrer Stiftung?

Friede Springer: Es beträgt 80 Millionen Euro. Da Stiftungen ja nur mit den Erträgen operieren dürfen, werden jährlich vermutlich zwei Millionen Euro zur Vergabe zur Verfügung stehen.”

Somit ist klar, dass Angela Merkels Ehemann, Prof. Dr. Joachim Sauer, im Vorstand der Stiftung sitzt. Weiterlesen »

Dioxin? Da gackern wir uns einen.

29. Januar 2011

sabinchenIm jüngsten Skandal um Dioxinfunde in Eiern, Hühner- und Schweinefleisch fiel auf, das die Rücksichtnahme auf die EU mittlerweile dazu geeignet ist, ein schnelles Eingreifen auf nationaler Ebene z. B. mit einer Deklarations- und Versicherungspflicht bei den Futtermittelherstellern zu behindern. Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Aigner erschien als Ministerin “ohne Land”, ohne Zuständigkeit, als Ministerin der freiwillig ausgeübten Selbstbeschneidung ihrer vom deutschen Volk an sie übertragenen Befugnisse.

Der Hinweis auf die Notwendigkeit “europäischer Regelungen” gilt mittlerweile als Standardausrede für Denkfaulheit und Duckmäusertum vor der vermeintlich allmächtigen, all-kompetenten, jedoch nicht demokratisch gewählten EU-Kommission.

EurAktiv, das Portal für europäische Nachrichten, Hintergründe und Kommunikation, lobte in einem Artikel vom 14.1.2011 ausdrücklich, dass Aigner laufend brav nach Brüssel Bericht erstattet habe: “Aigner verwies darauf, dass ihr Ministerium seit dem Ausbruch des Dioxin-Skandals ‘laufend an die EU-Kommission berichtet’ habe. ‘Die Kommission hat uns bescheinigt, dass unser Handeln hervorragend war’, so Aigner.”

Wie peinlich ist das denn? Sind wir hier in der Schule? Dieser Trend dazu, vor der EU-Kommission zu kuschen und zu kreuzbuckeln, sich “Bescheinigungen” ausstellen zu lassen, riecht nach neuem Untertanengeist, den wir doch gerade erst überwunden glaubten. Die EU-Kommissare sind von den einzelnen EU-Regierungen eingesetzte, hochbezahlte Beamte, die sich in einem Dauerzustand der Amtsanmaßung gegenüber demokratisch gewählten Ministern befinden, den letztere auch noch befördern. Weiterlesen »

Gorch Fock in schwerer See

24. Januar 2011
Die Gorch Fock

Die Gorch Fock

Falls ich ein Mann wäre, hätte ich vielleicht auch seinerzeit versucht, auf so ein schönes Schiff zu gelangen – aus purer Abenteuerlust und weil ich das Meer liebe. Aber ich bin einer Frau: von 28 Tagen bin ich mindestens sieben relativ unpässlich, lasse zum Beispiel Gegenstände fallen, hab schon mal Kopfschmerzen und bin etwas schlechter Laune; außerdem bin ich nicht ganz schwindelfrei, aber das Wichtigste:

Ich lasse mich von Männern (oder Frauen) ungern anschnauzen (also “Befehle erteilen”); weiterhin lasse ich mich von Männern ungern nötigen oder zwingen – (genannt  “Befehle ausführen”); auch schlafe ich gerne aus und möchte nicht müde oder unfit einen Berg oder eine Takelage heraufgejagt werden; dies nennt sich auch “Ausbildung” bei der Bundeswehr bzw. der Marine, – wäre nicht gegangen.

Auch hätte ich mir nie zugetraut, mit an die sechzig knackigen Mannsbildern auf dem Höhepunkt ihrer Potenz monatelang auf einem Schulschiff mit noch einigen wenigen weiteren Geschlechtsgenossinnen auszuhalten, ohne auszuflippen.

Bei der Marine gingen schon immer Gerüchte darüber um, mit welchen Zusätzen das Essen auf den Schiffen versetzt werden müsste, um dem Triebstau beizukommen. Ein Marinesoldat erzählte mir mal vor Jahren grinsend etwas von Brom. Wenn jetzt von angeblichen sexuellen Angeboten auf dem Ausbildungsschiff Gorch Fock  die Rede ist, finde ich das im Grunde nur normal, merkwürdiger wäre nur noch ihr Ausbleiben gewesen. Das wäre dann der Beweis für Brom in den Brötchen gewesen.

Man lese einmal den Artikel “Erstmals setzt Marine Frauen in U-Booten ein” mit der anschließenden Diskussion durch …

Und den Artikel “Gorch Fock gilt als schwimmender Puff” (Express).

Auf der “Gorch Fock” sind innerhalb der letzten Jahre zwei Kadettinnen zu Tode gekommen. Die eine war im November letzten Jahres aus der Takelage in den Tod gestürzt, die andere vor drei Jahren über Bord gegangen und ertrunken. Diese traurigen Vorkommnisse sind merkürdigerweise in der Mediendiskussion kein Anlass, einmal grundsätzlich über die Rolle der Frauen beim Militär nachzudenken. Ob es nicht sein könnte, dass es eine Fehlentscheidung war, Frauen in allen Bereichen der Militärausbildung zuzulassen? Weiterlesen »

Stuxnet, Siemens und der Cyber-Krieg gegen den Iran

19. Januar 2011

Seit einigen Tagen macht „Stuxnet“ erneut Schlagzeilen: Der Computerwurm hatte bereits im vergangenen Jahres für Rätselraten gesorgt. Zunächst wurde gemutmaßt, er sei ausschließlich gegen die Atomanlagen des Iran gerichtet, dann fürchtete man, das Problem könne viel größere Kreise ziehen.

Grund: Weltweit sind unzählige Industrieanlagen (z. B. atomare Wiederaufbereitungsanlagen, Kraftwerke allgemein, Automobilindustrie, industrielle Fertigungsanlagen) mit einem speziellen Kontrollsystem der Firma Siemens ausgestattet, das über das Windows-Betriebssystem läuft. Der üble Computer-“Lindwurm“ sei in der Lage, Steuerungs- und Produktionsprozesse zu manipulieren, gleichzeitig aber eine falsch-positive Rückmeldung zu liefern, dass alles in bester Ordnung sei, während in Wirklichkeit z. B. die Zentrifugen einer nuklearen Wiederaufbereitungsanlage gerade heiß liefen. Überdies könne Stuxnet unbemerkt Daten und Informationen stehlen.

Im November vergangenen Jahres waren bereits zehntausende Infektionen bekannt geworden. Über die Urheberschaft des Virus wurde nur gemunkelt. Bereits am 24.9.2010 hatte die Newsplattform news.discovery.com gemeldet: „Stuxnet wurde für das ‘Supervisory Control and Data Acquisition (SCADA) Systems’ von Siemens, das weithin für das Management von Wasserversorgung, Ölbohrtürmen, Kraftwerken und anderen Industrieanlagen genutzt wird, maßgeschneidert. […] Sobald Stuxnet in ein Computersystem eingedrungen ist, sucht es nach irgendeinem der drei Siemens-SCADA-Reglern [Programmable Logic Controllers] (PLCs), die Funktionen wie die Kontrolle der Turbinengeschwindigkeit managen […] wenn es einen Treffer gab, übernahm Stuxnet automatisch die Kontrolle des PLC und versteckte alle Veränderungen vor den Arbeitern, die das System managen oder damit arbeiten.“

Seit September letzten Jahres machte immer wie der Hamburger Sicherheitsexperte Ralph Langner mit seiner Analyse des Wurmangriffs von sich reden. Zdnet.de meldete darüber am 22.9.2010: „Der Wurm, der den Computer mit der Siemens-Software WinCC Scada befällt, wurde im Juli entdeckt. Er kann dazu genutzt werden, Industrieanlagen fernzusteuern. Er dringt über vier Sicherheitslücken in Windows ein, von denen Microsoft bisher zwei geschlossen hat – eine in der Windows-Shell und eine im Druckerwarteschlangendienst.Bei seiner Analyse beruft sich Langner unter anderem auf einen Screenshot eines Rechners in der Buschehr-Anlage, der die Siemens-Anwendung ausführt. ‘Mit den Erkenntnissen, die wir jetzt haben, ist es offensichtlich und beweisbar, dass es sich bei Stuxnet um einen direkten Sabotageangriff mit sehr viel Insiderwissen handelt’, schreibt Langner auf der Website seines Unternehmens. Der Angriff basiere auf einer Kombination mehrerer Zero-Day-Lücken und gestohlenen Zertifikaten. ‘Das wurde von einem hoch qualifizierten Expertenteam zusammengestellt, das über spezielle Erfahrungen mit Kontrollsystemen verfügen muss. Das ist kein Hacker, der im Keller seines Elternhauses sitzt.’ Seiner Ansicht nach deuten die für einen solchen Angriff benötigten Ressourcen darauf hin, dass es sich bei dem Initiator um einen Nationalstaat handelt.

In jedem Fall eine erstaunliche Erkenntnis aufgrund eines Fotos von einem Buschehr-Bildschirm! Hier das von Langner gemachte Foto. Weiterlesen »

Sarrazin-Lesung ungekürzt

11. Januar 2011

Der andauernde Erfolg eines der (oder schon “des”) meistverkauften Sachbücher der letzten Jahrzehnte weckt  Neid und Missgunst, besonders bei Vertretern der schreibenden Zunft. Beim SPIEGEL wird die Entstehung des Buches als “Unfall” umgedeutet, und der Verlag und natürlich die 1,2 Mio. Leser im Nachhinein benörgelt und gerügt. In humorloser, korinthenköttelnder Manier besorgte das Jan Fleischhauer (Heft 51/2011, S. 40 ff.): “Zu erzählen ist die Geschichte eines Ungeheuers zwischen Buchdeckeln, das alle überwältig hat – den Autor, die Kritiker und erst recht den Verlag, der es freisetzte.”

Jan Fleischhauer. Sarrazin-Buch - verhängnisvoller Zufall; Quelle: wikimedia commons

Jan Fleischhauer. Sarrazin-Buch - "verhängnisvoller Zufall" (Bild-Quelle: Wikimedia Commons)

Fleischhauer zeichnet ein bejammernswertes Portrait des Chefs der DVA (Deutsche Verlagsanstalt), Thomas Rathnow, vom Erfolg des Buches “Deutschland schafft sich ab” völlig überrumpelt, ja gezeichnet. “Er will sich nicht öffentlich von dem Autor distanzieren, der ihm so viel Geld einbringen wird, dass er davon schlecht verkäufliche Bücher finanzieren kann. Aber er schafft es auch nicht, den Text richtig zu verteidigen.”

Dumm für den Spiegel, dass der DVA-Chef den Pudding macht und sich nicht an die Wand nageln lässt. Ist doch eigentlich auch nicht nötig nach den Verkaufszahlen. Fleischhauer beklagt Rathnows Interviewverweigerung und sein Sträuben, sich von dem eigenen  Bestsellerautor zu distanzieren. Wenn der Spiegel jemanden zur öffentlichen Selbstgeißelung und Selbstbezichtigung bittet, muss man als Verlagschef dem Begehren doch mannhaft Folge leisten, dachte sich Fleischhauer wohl. Wenn nicht, nun, so muss es sich bei dem Buch um “die Geschichte eines verhängnisvollen Zufalls” handeln. Jaja, doch doch, und jetzt beginnt die Spiegelgeschichte vor falschem Mitleid zu triefen: “Ein Griff, von dem andere Verleger ein Leben lang träumen und der ihm [Rathnow] nun den Schlaf raubt. Ein Lektor hatte Sarrazin in einer Talkshow gesehen und draufhin angeschrieben, ob man nicht  einmal reden wolle. Niemand habe ahnen könne, was daraus wird, sagt Rathnow erschöpft. Den Namen des Kollegen möchte er lieber nicht nennen, der Mann will sich nicht auch noch in der Presse wiederfinden.

Der Verlag habe sich eigentlich einen Text über den deutschen Sozialstaat gewünscht. “Von Ausländern sei am Anfang nie die Rede gewesen, sagt der Verleger” … Und so nahmen die Erschröcklichkeiten ihren verhängnisvollen Verlauf.

Der Interviewer, ein verkappter Chefankläger, dem Interviewten fehlt jedes Zeug zum Widerstandskämpfer, da kommt Mitleid auf, unversehens assoziiert man zwei Weicheier beim Eiertanz, das kann nicht gut gehen! Weiterlesen »

Gang über den Görlitzer Friedhof

06. Januar 2011
Teilansicht Görlitzer Friedhof

Teilansicht Görlitzer Friedhof

Der Friedhof der Stadt ist eine eigene Stadt mit einer endlosen Friedhofsmauer aus Ruhestätten in allerlei Stilarten, mit neugotischen, klassizistischen oder Jugendstilelementen, zwei bis drei Kilometer lang mindestens, schätze ich, ihn zu umrunden dauert ungefähr eine Stunde, er umfasst ein repräsentatives Verwaltungsgebäude aus leuchtenden, rostroten und dunkellila Klinkern, eine verfallene zierliche Kapelle, mehrere Eingänge mit Torbögen; an seinen Rändern beginnt er auszufransen und sanft in Wald überzugehen, immerhin sieht man die Grabsteine und Steinmetzarbeiten noch gut, wenn sie sich auch bereits neigen und Namen nicht mehr zu erkennen sind.

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Schon als Kind mochte ich Friedhöfe, wegen der geheimnnis-vollen Stille, der hohen Bäume und den hin und wieder geflüsterten Erklärungen zu einzelnen Stätten und Grabplatten; ich glaube, hier bekam ich schon als Fünfjährige anhand besonders kurzer Lebensdaten ein Gespür für die Katastrophen der Geschichte: Geschichte als die große Zermalmerin, so wie es einem meiner Vorfahren widerfuhr, der als Kind in den Transmissionsriemen eines Walzenstuhls geriet. Weiterlesen »

“Heatball” – oder elektrischer Widerstand

14. Dezember 2010
Quelle: Deesillustration.com

(Quelle: Deesillustration.com)

Über das “Aus” der beliebten, billigen und augenfreundlichen Glühbirne nach dem Willen der EU, wurde an dieser Stelle schon einiges geschrieben. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass es nun als Trostpflaster sog. “Heatballs” gibt (vgl. auch den Beitrag “Die Glühbirne ist tot – es lebe der Heatball!” in zeitgeist-Heft 30). Der “Hitzeball” ist keine Lampe. Passt aber in die gleiche Fassung wie die Glühbirne; er ist zum Heizen gedacht, das steht auch extra drauf!  – schön, dass man dabei auch noch in seinem gesunden, weil dem Sonnenlichtspektrum ähnlichen Licht lesen kann. Und das ohne nervenschädigende Quecksilberemissionen.

Der Heatball muss nicht in den Sondermüll: Wenn er kaputt geht, kehrt man ihn einfach zusammen. Geht eine Energiesparlampe kaputt, müssen ihre Überreste nach Anlegen einer Atemschutzmaske entsorgt werden, der Teppich o. ä., wo das Missgeschick passierte, muss sorgfältig herausgeschnitten werden.

Umso mehr empört eine Meldung der Presse (Generalanzeiger Bonn, 11./12.12.2010), dass seit Wochen (!) 40.000 Heatballs aus China am Flughafen Köln/Bonn vom Zoll festgehalten werden! Zwei Ingenieure aus Niederzier wollten sie nach Deutschland importieren. Die Bezirksregierung Köln beauftragte in dem Streit um die Hitzebällchen den Verband Deutscher Elektroingenieure mit einem Gutachten: Sind die Heatballs Kleinheizgeräte oder Glühbirnen? Weiterlesen »

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