Hochwasser Sachsen 2010: Von Luftnummern und Lügen

01. Oktober 2010
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8.8.2010: Venedig in Deutschland; Nikolaivorstadt in Görlitz

Gestern morgen (29.9.) rufe ich in Görlitz an: Nichts – die Leitung ist tot. Nicht schon wieder! Nach tagelangen Regenfällen erneut Hochwasser, kein Strom, kein Trinkwasser?

Rückblick:
Am 7. August ist ein Ehepaar aus Görlitz zu einer Feier nach Dresden eingeladen. Seit Tagen hatte es geregnet, die Neiße führt Hochwasser. Noch scheint jedoch nichts irgendwie bedrohlich. Sie fahren mit dem Auto um ca. 15 Uhr an der Neiße entlang und sehen in der Nähe der neuen Brücke, die in den polnischen Ostteil der Stadt führt, wie die Besitzer eines ufernahen Restaurants bereits Sandsäcke stapeln. Den Ehemann beschleicht ein ungutes Gefühl, er möchte lieber zu Hause bleiben, fährt aber dann doch nach Dresden und denkt bei sich: „Die sind aber ängstlich!“ Später wird deutlich, dass die Polen etwas wussten, was man ein paar Meter weiter auf dem anderen Ufer der Neiße noch nicht wusste, jedoch wissen konnte: Dass aufgrund von starken Wasserfällen im nahen Gebirge das Hochwasser der Neiße sehr schnell noch weiter steigen würde.

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8.8.2010: Görlitz Nikolaivorstadt; ein aufblasbares Schwimmbecken als Gondel

Das junge Ehepaar kehrt abends nach Görlitz zurück: Sie können ihr Haus aber nur noch über ein Fenster „betreten“, eine riesige Flut drückt gegen die Haustür, die nicht mehr zu öffnen ist, alles ist stockfinster, sie waten durch das eiskalte Wasser, man kann kaum etwas sehen, der Strom ist bereits abgestellt, kein Telefon, kein Wasser, außer dem, das im Haus unaufhörlich steigt.

Zwischen 18 und 19 Uhr war der „Witkastausee“ im nahen Radomierzyce (Radmeritz) gebrochen. Er staut das Flüsschen Witka (Wittig) auf, das in die Lausitzer Neiße führt. Radmeritz liegt auf polnischer Seite ca. 10 km südöstlich von Görlitz. Der Damm des Staussees besteht aus einem einfachen mit Gräsern bewachsenen Erdwall. Nicht grade das, was man „auf dem neusten Stand der Technik“ nennen würde. Weiterlesen »

Das geheimnisvolle Leben der Babys: Der Film

29. September 2010

Babys – gestern ging ich schnell mal in den seit kurzem angelaufenen Film des französischen Regisseurs Thomas Balmès.

Der Film ist ein Dokumentation mit vier Hauptdarstellern, die nicht sprechen – noch nicht. Er begleitet vier Babys in vier verschiedenen Weltgegenden von ihren ersten Momenten an.

Nun ist es ja grundsätzlich so, dass Kinder der Erwachsenenwelt einen Spiegel vorhalten, manchmal sogar einen grotesken.

In der Art, wie wir Erwachsene  Babys vom ersten Augenblick an behandeln, wird deutlich, wer wir selbst eigentlich sind, wie wir die Welt sehen, was wir glauben zu wissen von der Welt und was wir meinen, an die Kinder weitergeben zu müssen.

Ponijao, Bayar, Mari und Hattie aus Namibia, der Mongolei, Japan und San Francisco haben in der Kamera eine unauffällige Begleiterin, sie schaltet sich nie ein. Sie nimmt aber konsequent die Perspektive der Winzlinge ein: Bodenperspektive, weite Horizonte … Irgendwie erinnerte mich der Dokumentarfilm in diesem Punkt an den Film „Mikrokosmos – Das Volk der Gräser“.  Auch darin werden wir mit den Geheimnissen einer uns nur scheinbar vertrauten Welt der Insekten bekannt gemacht, die in einigen Sequenzen wie vom anderen Stern scheint. Weiterlesen »

Der Euro vor dem Zusammenbruch: Rückschau auf die Berliner Aktionskonferenz vom 25.9.2010

27. September 2010

Der Euro vor dem Zusammenbruch, Wege aus der Gefahr, Aktionskonferenz. Eingeladen hatte die “Volksinitiative” unter Federführung des bekannten Buchautors und politischen Querdenkers Jürgen Elsässer.

Die Liste der Referenten erwies sich als Publikumsmagnet, denn an die 700 Teilnehmer bevölkerten in Berlin-Oberschönweide die kuhl-heruntergekommene Rheinbeckhalle mit Industriecharme, der perfekte Versammlungsort für Menschen, die schon länger wissen, dass etwas in unserem System völlig schief läuft und dies auch – jeder auf seine Art – in gewichtige Worte fassten. Man wollte aber offensichtlich von der Analyse, dem Reden und Bücherschreiben und den Verfassungsklagen einmal wegkommen; daher der Name „Aktionskonferenz“.

Jürgen Elsässer sieht sich als Querdenker und so erscheint es nur logisch, dass er immer wieder eine „Querfront“ anregt, eine Opposition jenseits des politischen Rechts-Links-Schemas. Natürlich hat er sich dabei als ehemaliger Kommunist – Linker ist er noch immer – nicht nur Freunde gemacht. Elsässer beweist, dass man eine politische Heimat haben aber trotzdem mit Menschen anderer politischer Couleur diskutieren und an der Lösung von Problemen arbeiten kann, falls man nicht eingebaute Scheuklappen und Denkverbote mit sich herumträgt.

Dass dies funktionieren kann, dafür war die Konferenz am Samstag ein deutlicher Beweis; denn unterschiedlicher konnten die Teilnehmer gar nicht sein: Das Spektrum verlief von konservativ rechts bis links, von akademisch bis selfmade-man, von Ost und West bis alt und jung. Weiterlesen »

Erschütterndes Video: Im Flugzeug über dem Golf von Mexiko

28. Juni 2010

Das folgende Video, was ich gerade im Netz fand, ist die schrecklichste Dokumentation der Ölkatastrophe, die ich bisher sah:

Ich finde keine Worte …

BP soll angeblich solche Videos entfernen.

Die folgende Dokumentation trug ebenfalls diesen Vermerk.

Ein britischer Journalist spricht vor Ort mit Überlebenden der Bohrinsel-Katastrophe. Diese Leute waren bisher quasi gar nicht in den Medien präsent, und wenn man das anhört, was sie hier im Interview berichten, weiß man warum … Weiterlesen »

Biene Maja schlägt Alarm: Deutsche Imker sterben aus!

28. Juni 2010

Biene Maja; Quelle Wikimedia CommonsIm Prinzip wissen wir wohl alle, wie wichtig die Honigbienen sind. Aber die Zahlen sind dennoch immer wieder beeindruckend:

  • 80 % unserer gesamten heimischen Blütenpflanzen werden von Honigbienen bestäubt.
  • Ohne den Beitrag der Bienen würde der Ertrag im Obstanbau z. B. um 75 % sinken. Bienen bestäuben u. a. Stein- und Kernobstbäume, Beerensträucher, Raps, Erbsen, Bohnen, Klee, Luzerne, Kohl, Möhren und alle Arten von Blütenpflanzen.
  • Daher bemisst sich der Wert der Bienen nicht nur an ihrer Honigleistung, sondern an ihrer Bestäubungsleistung und damit an ihrem Beitrag für die Erhaltung der Artenvielfalt.
  • Um den Nektar für 1 Pfund Honig einzusammeln, legen die Honigbienen eine Strecke zurück, die dem dreifachen Erdumfang entspricht.
  • Deutsche Bienen (z. Zt. zu erkennen an den schwarz-rot-goldenen Fühlerschonern) decken mit ihrer Arbeit ca. 20-25% des deutschen Honigbedarfes.
  • Jeder Deutsche isst durchschnittlich 1,3 Kilogramm Honig im Jahr

Über 80.000 Imker gibt es derzeit noch in Deutschland, sie haben aber, und das ist besorgniserregend, ein Durchschnittsalter von 65 Jahren. Es fehlt an Nachwuchsimkern und -innen.

1952 gab es allein in Westdeutschland noch 182.000 Imker mit 2,1 Millionen Bienenvölkern.

1972 waren es noch 87.100 Imker mit über einer Million Völkern.

Die letzte Zählung des Deutschen Imkerbundes mit Sitz in Wachtberg bei Bonn im Jahr 2009 ergab eine Zahl von 81.500 Mitgliedern mit rund 614.000 Völkern.

Ein insgesamt besorgniserregender Trend! Weiterlesen »

Hopi-Prophezeiung über das Öl-Desaster im Golf von Mexiko?

28. Juni 2010
Ölteppich im Golf von Mexiko; Quelle: NASA

Ölteppich im Golf von Mexiko (Quelle: NASA)

Gestern habe ich mich für zeitgeist Online ziemlich nüchtern mit dem Öldesaster im Golf von Mexiko befasst, heute mache ich es an dieser Stelle ganz emotional – und stelle mir einige Fragen, von denen vermutlich die wenigsten beantwortet werden können.

Wer, wie ich, als Kind fast jedes Buch von Karl May gelesen hat und bei Winnetous Tod heiße Tränen vergoss, weiß natürlich, dass der Weiße Mann oft mit gespaltener Zunge redet und Böses tut, der Rote Mann dagegen oft edel ist.

Beinahe jeden Morgen gehe ich denselben Weg am Fluß entlang, meine Hündin einige Meter vor mir oder hinter mir. Fast immer spüre ich schon vorher die Stelle, wo er am Flussufer sitzt und seinen Hund beobachtet. Er ist ein äußerst kleinwüchsiger, kompakter südamerikanischer Indio, unter seiner roten Baseballkappe, die auf einem Kopf wie festgewachsen erscheint, fällt hinten ein tiefschwarzer Zopf heraus. Der Mann war Musiker und ist jetzt für irgendjemanden Hundehüter, eine kleine, beeindruckende Energieknolle mit rollendem “R”.

“Man hat Mutter Erde in den Leib geschossen”, sagt er kurz und grimmig, “jetzt ist sie am Verbluten.”

Tja, so kann man das wohl sehen. Wie aber kriegt man bloß diese Blutung zum Stillstand?

“Die Erde gibt ihr Blut und ihr Wasser freiwillig. Alles, was sie noch tief unten verborgen hält, ist nicht gut für den Menschen, bringt Unheil”, sagt er noch. Weiterlesen »

Beschwerde beim Deutschen Presserat gegen DIE WELT hat Erfolg!

26. Juni 2010

logoAm 3.2.2010 erschien auf WELT-Online der berüchtigte Aufruf von WELT-Autor Daniel Pipes “Obama sollte den Iran bombardieren”. Ein besonders eklatanter und abstoßender Fall von Kriegshetze in einem deutschen Medium. WELT-Autor Pipes empfahl die Bombardierung speziell zur Verbesserung der schlechten Umfragewerte des amerikanischen Präsidenten.

An dieser Stelle hatte ich den WELT-Artikel vorgestellt und anschließend auch mein Beschwerdeschreiben an den Deutschen Presserat vom 4.2.2010.

Hierin führte ich aus, dass der WELT-Aufruf zu einem Angriffskrieg weder vom Grundgesetz noch vom geltenden Pressekodex abgedeckt sei.

Und:
“Als Deutsche erfüllt es mich mit besonderer Scham, dass 65 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges von deutschem Boden, sprich von einer deutschen Tageszeitung [DIE WELT-online] , wieder zu einem Angriffskrieg aufgerufen werden kann. Wehret den Anfängen!”

Heute erhielt ich nun Post vom deutschen Presserat, die Beschwerde vom 4.2.2010 war endlich am 24.6.2010 beantwortet worden. Hier der Wortlaut des Schreibens: Weiterlesen »

Voll fies – voll süß

22. Juni 2010
Tigerbabys

Tigerbabys

Eine traurige Wahrheit, bisher verdrängt, kam durch die Initiative des “Bundesverbandes Menschen für Tierrechte” in die Schlagzeilen: Überzählige, nicht gebrauchte Tiere werden in Zoos oft einfach nur aus Platzgründen getötet (Populationsmanagement durch Tötung).

Die Tierrechte-Organisation hatte sich auf die Hinterbeine gestellt, nachdem der Magdeburger Zoo im Mai 2008 drei lebensfähige Tigerbabys eingeschläfert hatte, weil ihr Vater kein reinrassiger Sibirischer Tiger war, sondern ein Gentest etwas Blut des Sumatra-Tigers ergeben hatte. Weiterlesen »

Bild dir deine Meinung: Finkelstein versus Pollak über den Gaza-Vorfall

20. Juni 2010
Norman Finkelstein: streitbar, umstritten

Norman Finkelstein: streitbar, umstritten (Quelle: Ben Heine, Tlaxcala)

Im Fernsehkanal von “Russia Today” wurde kürzlich eine heftige Debatte zum Thema “Gaza – wer ist schuld?” ausgestrahlt:

Dabei ging es hoch her zwischen Professor Norman Finkelstein, Politikwissenschaftler und Sohn von Holocaustüberlebenden, Autor von “Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird” und “Antisemitismus als politische Waffe: Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte” und (sein jüngstes Buch) “A Farewell to Israel: The coming break-up of American Zionism” (deutsch: “Ein Lebewohl an Israel: Das bevorstehende Auseinanderbrechen des amerikanischen Zionismus”, noch nicht übersetzt) und Daniel Pollak, Co-Direktor der Zionistischen Organisation Amerikas für Regierungsbeziehungen.

Hier einige Kernaussagen der beiden Kontrahenten:

Finkelstein (F): “Israel hat sich schwerer Verbechen schuldig gemacht. Die Gaza-Blockade ist ein eklatanter Verstoß gegen internationales Recht.”

Pollak (P): “Das Embargo und die Inspektion von Waren mit Ziel Gaza sind völlig legal.” Israel habe ein legales Recht, sich zu verteidigen, da die Hamas in Gaza herrsche und zum Töten von Juden aufgerufen habe.

Bekanntlich war ein Hilfskonvoi mit 10.000 Tonnen Hilfsgütern und ca. 800 Menschenrechtsaktivisten an Bord in internationalen Gewässern von Spezialtruppen geentert worden. Dabei sei es aus israelischer Sicht zu Provokationen gegen das israelische Militär gekommen, die mit dem Tod von 9 Aktivisten endeten. Die Bewegung “Free-Gaza” hatte immer wieder betont, dass es völlig illegal sei, 1,5 Millionen Menschen zu belagern, auszuhungern und einer kollektiven Strafe zu unterziehen. Weiterlesen »

Iran: Propaganda-Enten häufen sich

20. Juni 2010

Anfang des Monats verbreiteten die Medien (hier ein Beispiel aus dem Handelsblatt) vor dem Hintergrund der “Eurokrise”, der Iran plane seine Devisenreserven umzubauen. So wolle die iranische Zentralbank (CBI) den Euro massiv zugunsten des Dollars und von Gold umschichten. Wegen der anhaltenden Euroschwäche plane man, rund 45 Milliarden Euro zu verkaufen, der Anteil des Euro an der Devisenreserve solle von 55 % auf 15–20 % gesenkt werden.

Eine einigermaßen merkwürdige Meldung, die, unhinterfragt, natürlich zur momentanen “Euromiesmacherei” passt. So schlecht steht es also um den Euro, so könnte man denken, wenn sogar der US-Erzfeind Mahmud Ahmadinedschad wieder in US-Dollar investieren möchte! Cui bono? Ganz sicher nicht den Europäern, denn obwohl undemokratisch-diktatorisch eingeführt, ist der Euro nunmal momentan die Währung, in der unsere Konten geführt werden … Weiterlesen »

Polit-Thriller in Deutschland

06. Juni 2010
Wolfgang Schorlau: Das Münchner Komplott

Wolfgang Schorlau: Das Münchner Komplott

Mir war bisher völlig entgangen, dass es in Deutschland einen Polit-Thriller-Autor gibt, der gerade sein fünftes Buch veröffentlichte („Das Münchner Komplott. Denglers Fünfter Fall”, Kiepenheuer & Witsch 2009) und dazu einen Ermittler namens Georg Dengler erfunden hat, der Vergleiche mit anderen erfolgreichen Ermittlern der Krimi-Szene nicht zu scheuen braucht.

Dadurch, dass ich gleich mit dem 5. Buch der Dengler-Serie anfing, musste ich mir bald Rechenschaft darüber ablegen, wie wenig ich eigentlich über das Münchner Oktoberfest-Attentat von 1980 wusste, das sich bald zum 30. Mal jährt.

Dieses frühe deutsche „9/11“ scheint heute fast vollständig aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden zu sein, obwohl das sowohl aus menschlichen als auch aus höchst aktuellen Gründen wirklich nicht so sein sollte.

Der schreckliche Bombenanschlag vom 26.9.1980 hinterließ den Eingangsbereich des Oktoberfestes wie ein Schlachtfeld, 13 Menschen starben, über 200 wurden verletzt, 68 Menschen davon schwerst; sie müssen seitdem entstellt oder mit fehlenden Gliedmaßen weiterleben. Nichtsdestotrotz wirkt das Ereignis mit seinen Opfern wie in ein „schwarzen Loch“ versenkt.

Wolfgang Schorlau, so heißt der Krimi-Autor, schreibt hart am Wind, d. h. sehr nah an den Fakten, ohne dass der Plot irgendwie konstruiert wirken würde. Allerdings ist er auch überschaubar gehalten. Allein die Vorstellung, dass die Fakten eben keine Fiktion sind, sondern Teil unserer erst gestern gewesenen Vergangenheit, reichte mir schon als Spannungsfaktor. Da spielte es für mich keine Rolle, dass der Krimi die einzelnen Charaktere nur knapp psychologisch ausgestaltet präsentiert. Oder, dass an einigen Stellen Schorlaus linker Hintergrund ziemlich klischiert daherkommt.

Natürlich habe ich mich gefragt, wie Schorlau an seine detailreichen Kenntnisse der Fakten und Hintergründe kam. Diese Frage wird ganz am Ende des Buches von ihm so beantwortet: Weiterlesen »

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