Mit ‘Afghanistan’ getaggte Artikel

Spagat bei Kopp-Online-Nachrichten

Sonntag, 06. Juni 2010

Ehrlich gesagt hatte ich mich über den Coup gefreut: Seit 1.6. 2010 gibt es vom Kopp-Verlag online einmal täglich Nachrichten: verlesen von Eva Hermann – da könnte man richtig nostalgisch werden. Und die ersten Tage war ich auch zufrieden – wirklich Nachrichten, die man sonst nicht so leicht findet. Das ist auch bitter nötig in Deutschland, dem schlecht informiertesten Land der westlichen Hemisphäre, wo Meinung permanent mit Nachricht verwechselt wird, die offiziellen Nachrichten aus unzusammenhängenden Infoschnipseln bestehen und jeder, der sich informieren will, ohnehin ausländische Medien konsultieren muss.

Doch schon am vierten Tag der “Trauerfall”: Eva Hermann verkündete die Gaza-Hilfsflotte sei von einem Boot einer türkischen “Terrororganisation” angeführt worden, der “IHH”. Dies habe das „renommierte Danish Institute für International Studies“ und der „niederländische Geheimdienst bestätigt.“

Ich schaute einmal nach, wo diese „Nachricht“ denn herkam und stieß auf Kopp-Autor Udo Ulfkotte, der dafür bekannt ist, dass er gerne und häufig gegen den Islam ätzt, allerdings müssen auch Gegner immer wieder zugeben, dass seine Statements normalerweise gut belegt sind.

Zunächst nimmt es Wunder, dass Ulfkotte kein Wort der Sympathie für die geschundene Bevölkerung des abgeriegelten Gazastreifens hat. Die humanitäre Situation dort ist untragbar, die israelische Blockade illegal, darüber ist man sich international völlig einig. Geschenkt!

Lag jetzt also tatsächlich wieder einmal eine Selbstverteidigungssituation vor, weshalb die Flotte gestoppt und ein paar Passagiere – leider, leider – erschossen werden mussten? (weiterlesen…)

Guttenberg kündigt mehr Tote in den nächsten Jahren an – nicht nur in Afghanistan!

Dienstag, 27. April 2010
Quelle: Bundeswehr/

Quelle: Bundeswehr/Bienert/Andrea Bienert

Gestern vermeldet die Presse, unser Verteidigungsminister habe auf der Trauerfeier für die vier zuletzt in Afghanistan gefallenen Soldaten im Ingolstädter Münster gesagt:

„Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein, nicht nur in Afghanistan.“ Und: Die deutsche Gesellschaft, „die diesen Dienst bislang allenfalls freundlich-distanziert zur Kenntnis nimmt“, müsse umdenken. Guttenberg stimmte die Öffentlichkeit auf weitere Tote ein und forderte mehr moralische Unterstützung für die Soldaten. Ein weiterer Bericht trägt die Überschrift: „Guttenberg bittet  Soldatenfamilien um Verzeihung“ (vgl. GA Bonn, 26.4.2010)

An diesen Berichten ist  Mehreres merkwürdig: Guttenberg kündigt Tod und Verwundung gleich für die nächsten Jahre an und nicht nur in Afghanistan. (weiterlesen…)

Margot Käßmanns Rücktritt: Hintergründe.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Wenn man sich ansieht, mit welchen Themen Margot Käßmann, (frisch zurückgetretene ) Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischöfin von Hannover in den letzten Wochen in den Schlagzeilen stand, konnte man wissen, dass sie auf der „Roten Liste“ derer war, die über die Medien öffentlich „Schulnoten“ verteilen und zur Hatz auf in Ungnade gefallene Personen blasen; Margot Käßmann musste von nun an besonders vorsichtig sein. Offensichtlich war ihr das nicht bewusst genug…

Eine Kirche, die sich nicht einmischt und zeitgeistfromm ein angepasstes Mauerblümchen-Dasein führt, der Politik die Füße küsst und sich allenthalben selbst für inkompetent bei der Bewertung des Zeitgeschehens hält, braucht niemand mehr. Sie begibt sich selbst ihrer ansonsten wichtigen Funktion, dem Parteienstaat wenigstens ein gewissen Gegengewicht gegenüber zu setzen. Eine solche handzahme, rückratgebrochene, verzagte Kirche steht sicher nicht in der Nachfolge Christi und fällt zu Recht immer mehr in die Bedeutungslosigkeit. Was sich nicht zuletzt an Kirchenaustritten zeigt.

Es ging ein Aufatmen durch Deutschland, da es zum ersten Mal seit Jahren wieder eine hochrangige Kirchenvertreterin gab, die sich zu Weihnachten nicht nur in Gefühlsseligkeiten verfranste, sondern mit einigen Worten auch zu Afghanistan eine – längst überfällige  – gesellschaftliche Diskussion anstieß.

Typischer Vertreter einer politisch korrekten, fügsamen Kirchen(ein)richtung ist ein gewisser Herr Klose (SPD), dem die Frohe Botschaft weiß Gott nicht im Gesicht geschrieben steht.

Natürlich rügte er in BILD Käßmann scharf dafür, was sie an Weihnachten in ihrer vieldiskutierten Weihnachtspredigt gesagt hatte und forderte, sie solle sich auf die Verkündigung des Wortes Gottes beschränken.

Beschränken? Beschränken? Wie beschränkt muss man sein, um so etwas Umfassendes als Beschränkung zu bezeichnen? Wie wär’s mal mit diesem Wort Gottes: „Du sollst nicht töten!“, Herr Klose. Ist das für sie eine beschränkte Aussage? Wehe der Politik, wenn die Kirchen plötzlich wieder das ernst nähmen, was in den Evangelien steht! (weiterlesen…)

En und Innen protestierenInnen gegen den Krieg (SoldatenInnen) in Afghanistan

Sonntag, 14. Februar 2010

Gerade bekam ich die Einladung zu einer Demo in Berlin, Thema Afghanistan bzw. ganz aktuell die zugesagte Truppenaufstockung durch Deutschland. Ich las; alles soweit richtig – aber irgendwas störte mich an dem Text…

Ich habe nicht zum ersten Mal das Gefühl, dass eine allzu beflissene grammatikalische Gender-Korrektheit , wie in diesem Aufruf besonders grotesk angewendet, das Inhaltliche in den Hintergrund drängt, ja dieses sogar konterkarieren kann.

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es den Autoren mehr um eine Demonstration von gender correctness (einer Unterabteilung der political correctness) geht, als um das große Ziel „Frieden“.

Ich stelle dabei im linken Lager generell, und darüber hinaus, immer mehr eine schablonenhafte Kleinkariertheit und korinthenköttelnde Spießbürgerei fest, die ein Gefühl von klaustrophobischer Enge vermittelt. Ja, ich habe sogar das Gefühl, dass diese besondere Form des „Gutschreibs“ dem Denken und präzisen Formulieren abträglich ist. (weiterlesen…)

Irritationen wegen Persisch-Sprachführer für die Bundeswehr

Donnerstag, 11. Februar 2010

Die Bundeswehr bald an der Seite Israels gegen den Iran? Das Bundessprachenamt gibt einen persischen Sprachführer für Soldaten heraus, wo Sätze zu lesen sind wie: “Ich stamme aus Köln”, “Ich gehöre zu den UN-Peace-Keeping-Truppen”, “Der Iran ist eine schönes Land”. Des weiteren findet sich die persische Übersetzung  mliltärischer Befehle wie “Halt, stehenbleiben.”

Anlass für die Bundestagsabgeordnete Inge Höger (Die LINKE) nachzuhaken. Dankenswerterweise ist bei youtube ein Video mit den Fragen Frau Högers eingestellt und den Antworten des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesverteidigungsministerium Christian Schmidt (CSU).

Was man in der Sequenz hört, ist kaum zu glauben:

Schmidt windet sich sichtlich, empfindet die Fragen offensichtlich als eine einzige Zumutung, wird gegen Ende sogar aggresiv. Dem Geschwurbel läßt sich aber entnehmen, dass der Sprachführer gedacht sei, die Kommunikationsfähigkeit der Soldaten zu  verbessern.

Dann fallen Worte wie “israelischer Staatspräsident kürzlich im Bundestag”, “Bedrohungslage Israels”, “Existenzrecht Israels”, “Bedrohung  durch den Iran”.

Schmidt erinnert an das Merkel-Versprechen, dass “ein Angriff auf Israel wie ein Angriff auf uns” sei.

Was darf man daraus schließen? (weiterlesen…)

Wir sind Außenminister: Ein herzlicher Glückwunsch an die Atlantik-Brücke

Dienstag, 29. September 2009

Schwarz-Gelb.
Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder’s bleibt wie’s ist. Animieren wir uns und picken wir etwas im Misthaufen herum. Zunächst: Wir sehen äußerst interessanten Zeiten entgegen. Das Wahlergebnis ist gar nicht so schlecht. Denn es wird in den nächsten vier Jahren das aufregende Stück „Wie wir versuchten, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben – eine göttliche Komödie“ auf dem Spielplan stehen. Ein besonderes Highlight wird der Versuch werden, den Staatshaushalt mit seiner horrenden Verschuldung durch immer weniger Steuereinnehmen, aber auch immer weniger Steuereinnahmen zu sanieren, ja sogar von Wirtschaftswachstum war die Rede.

Allerdings steht zu befürchten, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten eine etwas schmerzlichere Begegnung mit der Realität haben werden als bisher. Massenentlassungen, Steuererhöhungen und weitere Einschränkungen bei Sozialleistungen mussten bis nach der Wahl warten. Was von der Ankündigung der Steuersenkungen zu halten war, wurde deutlich, als Guido Westerwelle erst vier Tage vor der Wahl die Regierung dazu aufrief, „sofortigen Kassensturz“ zu machen. Die Finanzlage des Bundes müsse umgehend offen gelegt werden. Dies lehnte Merkel ganz einfach ab. (weiterlesen…)

Afghanistan ist Wahlkampfthema

Mittwoch, 23. September 2009
Afghanistan: Panschir-Tal; Foto: Ann Jones

Afghanistan: Panschir-Tal; Foto: Ann Jones

Afghanistan ist doch noch zum Wahlkampfthema geworden. Der Tod von ca. 100 Afghanen hat dies bewirkt. Die genaue Anzahl der Todesopfer und der genaue Anteil der Bewaffneten, die dem Bombardement eines von Oberst Klein angeforderten amerikanischen F-15-Jagdbomers zum Opfer fielen, wird wohl momentan nicht herauszufinden sein. Denn die Fronten sind nicht nur in Afghanistan, sondern auch in der Heimat völlig verfahren.

Das deutsche Grundgesetz und das internationale Völkerrecht verbieten Angriffskriege, und die Bundeswehr darf ausdrücklich nur zu Verteidigungszwecken eingesetzt werden. So sagt Artikel 26 GG:

Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Sofort im Anschluss an die Terroranschlägen vom September 2001 wurden ein gewisser aus Afghanistan heraus agierender Osama Bin Laden als Mastermind der abscheulichen Attacken genannt, obwohl er selbst, genau wie seine 19 Mittäter in ihrer (Mehrheit), saudische Staatsbürger sind.

Die Anschläge von 2001 waren sicherlich geeignet, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, aber war Osama Bin Laden ein Staat? Hatte sein böses Tun völkerrechtliche Relevanz? Diese Frage wurde von Amerika und der NATO ganz klar mit „Ja“ beantwortet. Die Frage kann aber mit gutem Grund genauso mit „Nein“ beantwortet werden, denn auf diesem Weg könnte in Zukunft jeder Fanatiker, egal welcher Couleur, das Land, in dem er sich angeblich gerade aufhält, zu einem Kriegsziel werden lassen. (weiterlesen…)

Post aus Afghanistan

Freitag, 24. April 2009

Gestern hatte ich einen Aufruf eines in Chicago lebenden Afghanen unter meiner Epost, den ich mich zu übersetzen entschloss: Dr. Mohammed Daud Miraki hatte offensichtlich noch meine Mail-Adresse, da ich vor einiger Zeit sein Buch “Afghanistan after Democracy” bestellt hatte.

Afghanistan After Democracy

Dr. Mirakis Bildband "Afghanistan After Democracy"

Ich wollte mich damals aus erster Hand informieren, was in Afghanistan vor sich geht: Schließlich stehen deutsche Truppen dort. Dr. Mirakis Bildreportage erschütterte mich. Anschließend las ich noch das Buch des deutschen Afghanistan-Kenners Christoph Hörstel (“Sprengsatz Afghanistan: Die Bundeswehr in tödlicher Mission”), was ich nur empfehlen kann, wenn man sich mit der Materie etwas näher befassen möchte. (weiterlesen…)

Gegen den Strich: Die wahren Amokläufer

Dienstag, 17. März 2009

Wenn die Medienwalze wieder einmal rollt, greife ich immer gerne zur Bürste.

Eine gemeinsame Laufrichtung hat für mich etwas Bedrohliches, und ich stelle mir dabei bildlich eine Bisonherde vor, die über die Prärie der Meinungsvielfalt trommelt; in der Ferne lauert vielleicht ein Abgrund, den die erregten Herdentiere gar nicht mehr wahrnehmen, das Trommeln, Schnauben und Stampfen der Artgenossen ist einfach übermächtig und übertönt etwaige Warnsignale. Die Dampfwölkchen, die aus Nüstern und Ohren des schnaubenden Medientrosses qualmen, machen taub und blockieren die Rezeptoren des Riechkolbens, um den Gestank der eigentlichen Skandale wahrzunehmen.

Wenn ich spüre, dass etwas skandalisiert werden soll und jemand bei mir bestimmte Emotionen auslösen will, wie bei einem Pawlowschen Hund den Speichelfluss, dann blocke ich, so etwas geht mir gegen den Strich, und dann bürste ich eben gegen den Strich. Ich hätte kaum geglaubt, dass ich mal etwas über Waffen und Waffengesetze schreiben würde: Ich überraschte mich damit selbst.

Meine Kindheit war geprägt vom strikten Pazifismus meiner Eltern, der sich u .a. in einem umfassenden Waffenverbot bei uns Kindern praktisch äußerte. Der Grund für dieses Verbot wurde schauspielerisch untermalt und in Szene gesetzt und so von uns Kindern begriffen: Denn unsere Eltern hatten beide den Krieg miterlebt. Beide wussten was schießen und bombardieren war, und ich kann dies nur schreiben, weil meine Mutter sich an jenem Tag, an dem ihr Haus mit einem Bombenvolltreffer ausgelöscht wurde, im Keller des Nebenhauses befand, um mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern einer Nachbarin beizustehen, die ob der permanenten Luftangriffe drohte den Verstand zu verlieren. (weiterlesen…)